Leonard Bernstein: West Side Story • Theater Basel • Premiere: 23.10.2026
Eine Produktion der Komischen Oper Berlin
Ein tief bewegender Abend
Barrie Koskys Inszenierung der Mutter aller Musicals hat 2013 an der Komischen in Berlin ihre Premiere gefeiert und kommt nun ans Theater Basel. Die Produktion überzeugt weitestgehend.

Foto © Ingo Hoehn
Leonard Bernstein ist es mit seiner «West Side Story» in genialer Art und Weise gelungen in einer Synthese aller dramatischen Künste (Musik, Tanz und Schauspiel) ein Stück Weltliteratur mit Populärkultur zu verknüpfen. In seiner Inszenierung löst Barrie Kosky (Inszenierung, Bühne; Szenische Leitung der Neueinstudierung: Tamara Heimbrock) das Stück nun aus seiner Verknüpfung mit dem Broadway, indem er das Hauptgewicht auf den Konflikt zwischen den Alteingesessenen und den Neuankömmlingen legt, der heute so in jeder grösseren Weltstadt zu beobachten ist. Die Geschichte von Hass, Liebe und Hoffnung kann überall stattfinden – denn sie bleibt im Gegensatz zu Namen, Nationen, Zeit und sozialer Struktur erhalten – und so bietet diese «West Side Story» in optischer Hinsicht nicht das, was man zu erwarten geneigt ist. Kosky hat die Bühne auf das zum Verständnis des Stücks absolut Notwendige reduziert: die Markierung eines Basketballfeldes, ein Regalwagen mit Gemüsekisten, ein Bett. Die Kostüme hat Thibaut Welchlin entworfen. Ganz wesentlich zum imposanten Eindruck des Abends trägt das überragende Lichtdesign von Franck Evin bei.
Wie heute üblich wird die Aufführung verstärkt gespielt. Beim Ton ist aber noch Luft nach oben. Das Orchester ist an diesem Abend eine Spur zu stark verstärkt und der Klang stellenweise verzögert. Zudem wird häufig so schnell gesprochen, dass ein Verständnis ohne Übertitel kaum mehr möglich ist.
Thomas Wise hat die musikalische Leitung des Abends und geleitet alle Beteiligten mit Umsicht durch die Klippen der singulären Partitur und der Tontechnik. Das Sinfonieorchester Basel glänzt mitvirtuosem Spiel und perfektem Musicalsound.
Die Tänzer setzen die Choreographie von Otto Pichler (Choreographische Leitung der Neueinstudierung: Silvano Marraffa) mit beeindruckender Akkuratesse, Körperbeherrschung und szenischer Glaubwürdigkeit um
Jan-Philipp Rekeszus gibt den Tony mit gut geführtem, feinem Musical-Tenor. An diesem Abend scheint die Stimme einer intensiven Probephase Tribut zu zollen, denn es fehlen, gut kaschiert, einige Spitzentöne. Samantha Hargreaves’ Maria über zeugt mit runder, voller, eher reifer Stimme und guter Bühnenpräsenz. Die Anita gelingt Kyra Sorce szenisch gut. Die Stimme neigt allerdings zunehmend zu unangenehmer Schärfe. Klaus Brömmelmeier als Doc, Helmut Jakobi als Lieutenant Schrank und Johannes Dullin als Krupke / Glad Hand überzeugen mit wunder passenden Auftritten.
Ein bewegender Abend, den man erlebt haben muss!
Weitere Aufführungen:
So. 25.10.2026, 18:30; Do. 29.10.2026, 19:30; Sa. 31.10.2026, 19:00; Fr. 06.11.2026, 19:30;
So. 08.11.2026, 16:00; Fr. 20.11.2026, 19:30; Sa. 28.11.2026, 19:30; Fr. 18.12.2026, 19:30;
Mo. 21.12.2026, 19:30; Mo. 28.12.2026, 19:30; So. 03.01.2027, 17:00; Do. 07.01.2027, 19:30;
Do. 14.01.2027, 19:30; Sa. 06.02.2027, 19:30; So. 07.02.2027, 17:00; So. 14.03.2027, 18:30;
So. 21.03.2027, 18:30; Mo. 29.03.2027, 18:30; Fr. 02.04.2027, 19:30;S o. 18.04.2027, 18:30;
So. 25.04.2027, 18:30.
25.10.2026, Jan Krobot/Zürich

