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BASEL/ Theater Basel/Grosse Bühne: BLAUBARTS GEHEIMNIS. Maximal Dance auf Minimal Music. Ballett

15.04.2014 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Basel: Theater Basel – Grosse Bühne – Ballett Basel: Blaubarts Geheimnis– Premiere 28.03. und spätere Vorstellung vom 14.04.

 Maximal Dance auf Minimal Music

 Der Basler Ballettdirektor Richard Wherlock lässt es sich auch in dieser Spielzeit nicht nehmen einen Gastchoreographen für das zweite Handlungsballett der Saison einzuladen. Diesmal kommt einer der bedeutendsten deutschen Choreographen, der zur Zeit mit seinen Arbeiten am Hessischen Staatstheater für Furore sorgt, in die Stadt am Rheinknie: Stefan Thoss. In seinem Gepäck bringt der Choreograph ein Werk mit, welches 2011 in Wiesbaden uraufgeführt und für den Faustpreis nominiert wurde: Blaubarts Geheimnis. Wenn man sich auf der Homepage von Stefan Thoss die Videoausschnitte aus diesem Werk reinzieht (dieses Wort ist berechtigt – denn bereits das, was man dort sieht, macht unweigerlich Lust auf mehr – und zwar viel mehr – also Vorsicht: Suchtgefahr!), erhält man den Eindruck: un-tanz-bar!!! – Nun, die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Basel haben ja schon einiges erlebt – und sind immer offen für Neues. Und so trifft also Choreograph Thoss, der auch für Bühne, Kostüme und Licht verantwortlich zeichnet, auf eine neugierige, vielseitige Compagnie und lässt durch Mia Johansson und Uwe Fischer diesen in jeder Beziehung mörderisch schweren, fantastischen Zweiteiler einstudieren. Zentrum der Choreographie ist die Liebe im allgemeinen und das, was daraus werden kann. So sind im ersten Teil, den „Präludien“, Annäherung, Ablehnung, Flehen, Werben, Leidenschaft und Gewalt die tragenden Elemente. Paare suchen, finden, lieben, streiten und verlassen sich. Am Schluss der Präludien findet sich ein Paar dann definitiv: Judith und Blaubart, deren Geschichte dann im zweiten Teil erzählt wird. Dies ist dann die Geschichte einer absoluten Liebe einer jungen Frau, welche hinter den berühmten Türen die inneren Abgründe ihres Mannes entdeckt, sich mit ihnen zumindest abfindet, zu ihrem Mann hält und bei der letzten Tür den Sieg über die Person in Blaubarts Leben erringt, welche dessen fürchterlichen Lebenswandel letztendlich verschuldet hat: Seine Mutter, welche ihren Sohn dominiert, an sich krallt und ihn nicht loslassen will, ohne ihm dabei jedoch das geben zu können, was er am meisten braucht: Liebe. Dies schafft jedoch Judith über alle Widerstände hinaus; sie vermag den Bann zu brechen. Die letzte Tür wird geschlossen, die Mutter bleibt dahinter, das Paar geht gemeinsam in eine ungewisse Zukunft. Der zweite Teil des Abends lebt sehr von Visionen; so wird Blaubarts Geschichte mit Hilfe von dessen altem Ego erzählt, am Schluss bekämpft Judith siegreich eine ganze Heerschar von Müttern. Nebst den seelischen Abgründen der Figuren taucht Stefan Thoss voll und ganz in die elektrisierende (Minimal-)Musik von Henryk Gòrecki (1. Teil) und Philip Glass (2. Teil) ein, choreographiert jede Note, Nuance, Stimmung aus und fordert von den Tänzerinnen und Tänzern sowohl körperlich als auch emotional alles ab. Das Ballett Basel lässt sich mitreissen und wächst einmal mehr über sich hinaus. Javier Rodriquez Cobos als Blaubart und Andrea Tortosa Vidal geben ein wunderbares Protagonistenpaar, Debora Maiques Marin tanzt sich als Blaubarts Mutter förmlich die Seele aus dem Leib. Joaquin Crespo Lopes als Blaubarts altem Ego versteht es perfekt ein Spiegelbild des originalen Blaubarts zu zeichnen. Die restlichen Mitglieder der Compagnie stehen den Protagonisten jedoch um nichts nach und beweisen dies vor allem im ersten Teil des Abends eindrücklich. Jede/r hat den Part, der auf ihn bzw. sie zugeschnitten ist. Und darin gehen alle auf und reissen das Publikum mit in den Sog von Tanz, Ausdruck – und Musik. Und dafür ist das Sinfonieorchester Basel zuständig. In dieser (Konzert-)Saison hat sich das SOB auch intensiv mit Minimal-Music auseinandergesetzt und diese mit grossem Erfolg dem Basler Publikum näher gebracht. Mit Dirigent Giuliano Betta, setzt das Orchester aber noch einen drauf. Maestro Bettas unbändige Begeisterung für diese Musik lässt er leidenschaftlich dirigierend in das Orchester und auf die Bühne springen. Es findet eine perfekte Verschmelzung zwischen Musik und Tanz statt. Den fingerbrecherischen Klavierpart in beiden Teilen meistert Christina Bauer mit Bravour. Ein Abend mit dem Ballett Basel und dem Sinfonieorchester, den man sich nicht entgehen lassen darf – und sich auch zum „Wieder sehen“ bestens eignet!

 Michael Hug

 

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