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BADEN / Stadttheater: VIKTORIA UND IHR HUSAR

20.02.2012 | Oper

Darius Merstein MacLeod, Stefan Bleiberschnig, Johanna Arrouas, Kerstin Arrouas. Foto: Christian Husar

 BADEN / Stadttheater:
VIKTORIA UND IHR HUSAR von Paul Abraham
Premiere: 18. Februar 2012,
besucht wurde die Nachmittagsvorstellung am 19. Februar 2012

Das Stadttheater Baden ist wieder auf der Suche nach Raritäten. Dabei ist „Viktoria und ihr Husar“ neben „Die Blume von Hawaii“ und „Ball im Savoy“ eines der drei Werke von Paul Abraham, die sich unter den vielen, die er geschaffen hat, in die Nachwelt retten konnten – nicht zuletzt durch eine respektable Fülle erstklassiger Ohrwürmer. Aber gespielt wird das Werk hierzulande selten – es sei denn auf Umwegen: In „Mich hätten Sie sehen sollen“ gab es die „Viktoria“ quasi als „Best of“ immer wieder auf den Lustspielbühnen. Und wenn man das Original sieht, erweist sich die Verpackung in das Schauspielerstück als um einiges witziger.

Denn von der Handlung her ist die Geschichte trotz Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda (bessere Librettisten gab es kaum) doch ein wenig holprig. Vielleicht auch, weil die Titelheldin, die da zwischen zwei Männern steht, ein bisschen zu kurz kommt. Neben der Diva gibt es gleich zwei Buffo-Paare, dazu einen nachdrücklichen Komiker, und man hat im Jahr 1930 geglaubt, die Operette noch stärker und internationaler aufputzen zu müssen als früher – ein Husar, also das Ungarland als Kolorit, reichte nicht mehr. Da muss man für einen Akt nach Japan (im „Land des Lächelns“ war es China, aber ein Japanmädel als Soubrette tut es auch), dann nach Russland, bevor man in Ungarn landet, und eine „amerikanische“ Einlage gibt es auch. Zu viel – und nichts wirklich.

Macht nichts, weil es ja in Baden funktioniert, wie immer, wenn Direktor Robert Herzl unfehlbar inszeniert, Pantelis Dessyllas ebenso unfehlbar ausstattet, und Choreograph Mátyás Jurkovics ist ohnedies der König des Abends – so viel getanzt wird selten, gut getanzt zu guter Musik, die Franz Josef Breznik schwungvoll dirigiert.

Soll man ehrlich sagen, über wen man sich am besten unterhalten hat? Über Robert Sadil als Butler in der amerikanischen Botschaft, der sich in Japan ganz japanisch gebärdet, in Russland ganz russisch und erst in Ungarn draufkommt, dass er eigentlich ein Wiener ist. Eine solche Rolle würde man in Wien mit einem der Spitzenkomiker besetzen, derer man habhaft werden kann – in Baden ist Sadil Spitze, das war wirklich witzig.

Allerdings holten sich auch die Buffopaare ihre großen Momente, voran die aus der Volksoper entliehene Johanna Arrouas als halbes Japan-Mädel („Meine Mama war aus Yokohama“ – gesprochen: Yoko-hamma!), tolle Figur, prächtige Tänzerin und Sängerin, witzige Darstellerin, wie man sie kennt und schätzt. Wenn es von ihr heißt: „Mausi, süß warst du heute Nacht“, glaubt man das aufs Wort. Da bleibt ihr Partner Stefan Bleiberschnig vergleichsweise im Hintergrund.

So, wie sich beim anderen Paar der Herr in den Vordergrund spielt: Tibor Szolnoki ist als Janczy schließlich unüberhörbar ein „ächter Ungaar“ und wir mögen diesen Zungenschlag ja so gern. Daneben versucht Gabriele Kridl als Stubenmädchen à la française die Stellung zu behaupten.

Als Titelheldin Viktoria holt sich Kerstin Grotrian nicht völlig die Szene, die wahre Diva ist das nicht. Da charmieren die beiden Herren schon erfolgreicher um sie herum – Darius Merstein-MacLeod als ihr nobler, eleganter amerikanischer Botschafter-Gatte und Reinwald Kranner stilvoll als ihr tot geglaubter ungarischer Husaren-Rittmeister –  große Liebe, wie es sich gehört. Unglaublich, wie edel die beiden sind, wie sie gleichwertig tenoral schmalzen („Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“), einmal verzichtet der eine, einmal der andere, und es ist eine echte dramaturgische Schwäche, dass Viktoria sich am Ende monogam entscheiden muss: Eine Frau, die einen verständnisvollen Ehemann und einen treuen und feurigen Liebhaber hat, tut natürlich gut daran, beide zu behalten – die Ménage à trois war damals wohl auch schon erfunden, und die Operette galt ja nicht als besonders moralische Kunstform. Na, wie dem auch sei…

Das Publikum war selbstverständlich zufrieden, und es hatte auch Grund dazu.

Renate Wagner

 

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