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BADEN-BADEN: WIENER PHILHARMONIKER / SÄCHSISCHE STAATSKAPELLE

Baden-Baden: „WIENER PHILHARMONIKER“ 23.02.2013

 Duftig leicht wie ein Frühlingsmorgen kam Franz Schuberts „6. Symphonie“ unter der Stabführung von Franz Welser-Möst daher, die Wiener Philharmoniker musizierten mit Emphase, frappierender Klangschönheit, dass einem der Atem stockte – was für ein wundervolles Orchester! In rasantem Tempo eröffnet der Wiener GMD das Allegro, bereicherte das Andante mit eleganter Noblesse, rauschhaft zog das Scherzo vorüber, und mit welcher Akkuratesse gipfelte sich dieser so herrlich musizierende Klangapparat in allen Instrumentalformationen, im finalen Allegro moderato – es ist ein Traum, kann nicht wirklich sein! Nach der Pause erklang die „Vierte“ von Anton Bruckner und Welser-Möst beleuchtet das Werk in für mich völlig neuen Perspektiven, bei ihm werden die Tempi in allen Sätzen sehr ruhig gefasst, erweckten teils den Eindruck eines breit, dimensionierten Organismus. Der versierte Dirigent setzte in dieser „Romantischen“ Klangversionen wie konstruktive, elementare Bausteine voll lebendigem Ausdruck, gipfelt sich in dramatisch anmutenden Relationen, setzte im spielerisch, variierten Scherzo spannungsvolle Akzente, disponiert klangliche Entwicklungen und führt schließlich sein famoses in allen Gruppierungen prächtig aufspielendes Instrumentarium, zur traumhaft, präzisen Klangentfaltung. Im sehenden Vorwärtstreiben, gepaart im glühenden Rubinklang der aufblühenden Melodien vereint schließlich Welser-Möst seine streicherbetonte Musizierweise, im kathedralhaft auftürmenden Finalsatz, in unbeschreiblicher Präzision, zum melodischen Aufblühen – zum Sterben schön!

Bravos und Standing Ovation für die Wiener Gäste.

Gerhard Hoffmann

BADEN- BADEN:  „WAGNER-GALA“ 24.02.2013

 Das Konzert des Freundeskreises Festspielhaus Baden-Baden stand ganz im Zeichen Richard Wagners und wurde mit Szenen aus „Lohengrin“ eröffnet. Als völlig unbedarfte Elsa fungierte zudem seltsam neckisch Ann Petersen mit strahlungsarmem Sopran in „Euch Lüften, die mein Klagen“ und somit geriet das Duett zum regelrecht vokalen Alleingang der Ortrud (Daniela Sindram). Klangvoll ertönt die prächtige Mezzostimme durch die Nacht, selten erlebt man diese böse Figur so wunderschön gesungen, süffisant im warmen, satten Mittelklang tröpfelt sie das Gift des Misstrauens und triumphiert mit strahlkräftiger Höhe bei Entweihte Götter. Krankheitsbedingt sagte Robert Dean Smith ab, kurzfristig rettete Michael Weinius den Abend. Ich erlebte den schwedischen Tenor bereits vor Jahren als wenig profilierten Siegmund in Mannheim und mir schien, der Sänger entwickelte sich seit dem nicht zum Vorteil, wenig Volumen, enge Höhen, eine verhaltene Stimmführung trübten somit die Brautgemachszene Das süße Lied verhallt sowie das folgende In fernem Land und gerieten durch die gänzliche Rücksichtnahme des Dirigenten zum blassen Kammerspiel.

Umso mehr führte Christian Thielemann, die unter seiner prägenden Hand und spezifisch geformten Sächsische Staatskapelle Dresden zu wahrem sphärischem Wagnerklang. In kurzen, exakten Zeichen lenkt der versierte Dirigent sein Orchester in die elegischen Bahnen der „Lohengrin“-Vorspiele, der hingebungsvollen „Tannhäuser“-Ouvertüre. In der Neuordnung der Instrumente, die Violinen rechts, die tieferen Streicher und Celli links, zaubert Thielemann einen neuen, sehr interessanten Sound, herrlich seidig,  ja schon fast entrückt erklingen jene Gruppierungen in Vereinigung der in blendender Brillanz musizierenden Holz- und Blechsegmente, zum noblen Gesamtklang. Nur schwerlich lassen sich die Eindrücke der traumverlorenen und elegischen Momente beim Vorspiel und Liebestod zu „Tristan und Isolde“ beschreiben, wurden sie doch von einer penetranten Hustenarmada im Saal getrübt, nach wenigen Takten im Liebestod klopfte Thielemann ab, wedelte unter Beifall des Publikums mit dem Taschentuch, dann Totenstille! Zur folgenden, suggestiven Orchesterinterpretation erhielten Wagners Texte: „Sind es Wellen, sanfte Lüfte – Sind es Wogen, wonniger Düfte – Soll ich atmen, soll ich lauschen – Ertrinken, versinken“ eine besondere, beispiellose Bedeutung – Bravo!

Überschäumende Begeisterung für das wunderbare Orchester und seinen grandiosen Maestro.

Gerhard Hoffmann

 

 

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