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BADEN-BADEN: „BEHZOD ABDURAIMOV“ – Klavier-Recital der Sonderklasse!


Behzod Abduraimov. Copyright: Festspielhaus

Baden-Baden: „BEHZOD ABDURAIMOV“ – 08.03. 2019 – Klavier-Recital der Sonderklasse!

Nach seinem sensationellen Debüt mit Rachmaninows 3. Klavierkonzert als Vertretung für den erkrankten Daniil Trifonov riss der junge Pianist Behzod Abduraimov  das Publikum regelrecht von den Stühlen. Nun durfte man den usbekischen Pianist mit einem Klavierabend im Festspielhaus erleben, ja wirklich erleben, denn es war ein Erlebnis ganz besonderer Art.

 Der 29-jährige Tastenkünstler  eröffnete sein Recital mit Isoldes Liebestod  aus Richard Wagners  „Tristan und Isolde“ zur Transkription von Franz Liszt. Verträumt, lyrisch mit weichem Anschlag begann der Pianist, formierte sich in Steigerungen zum Aufschwingen in die Liebesekstase, schenkte ihr die emotionelle Emphase im Auskosten der großen Bögen prächtig fein nuanciert, elegant um sodann im elegischen Spiel zu herrlichen Zwischentönen seraphisch zu verhauchen.

Den Kontrapunkt des Abends bildete jedoch die „Klaviersonate h-Moll“ ( Franz Liszt). Abduraimov begegnete diesem Tasten-Koloss sehr experimentierfreudig in intellektueller Manier. Sein Spiel war geprägt von mondäner Noblesse des Konzepts während den dramaturgisch geschickt überleitenden Klangentwicklungen, setzte immer wieder feine gedankliche Freiräume, entlockte dem Flügel klangfarblich-silbrige Töne. Spartanisch wie von Furchen des Nachdenkens durchzogen zelebrierte der exzellente Pianist die romantische Zauberkraft dieser Komposition und setzte mehr auf Eleganz denn kraftvoller Wucht zu sehr sparsamer Pedalfunktion. Sein Liszt klang markant, geprägt von analytischem Weitblick auf das Musikalische, technisch hervorragend versiert, sorgfältig modelliert der nuancierten, transparenten und dennoch leuchtenden Nebenstimmen und bezauberte mit einer Fülle intensiver Couleurs.

Mit russischer Avantgarde beschloss der Gefeierte sein offizielles Programm und servierte Zehn Episoden aus dem Ballett „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofjew. Unverkennbar schien Behzod Abduraimov der typisch russischen Schule verpflichtet und meiselte zu technischer Virtuosität pianistische Effekte von hoher Ausdrucksintensität. Zu halsbrecherischer Tastenakrobatik aber dennoch sensiblem Gespür für Sinnlichkeit der Valeurs und rhythmischen Schlagkraft verwandelte der Pianist dimensionierte Transzendenz des surrealistischen Komponisten in blühende Gewächse akustischer Impressionen.

Gleich einem Bilderbogen von funkelnder Klangschönheit malte der pianistische Hexenmeister zauberhaft brillante Episoden zu kristallklar differenzierter Anschlagstechnik, schenkte im eindringlichen Verströmen der teils vertrackten Akkorde den markant rhythmischen Tanzszenen  die präzise instrumentale Opulenz und bezauberte u.a. beim Andante con eleganza sowie beim finalen Lento mit filigran-elegischen Farbtupfern.

Das nicht vollzählige Publikum erkannte den künstlerischen Gehalt der Stunde feierte den bescheidenen jungen Künstler spontan mit Standing Ovation und lautstarker Begeisterung.

Als Dank servierte der erfreute Ausnahme-Künstler gleich einem Brillant-Feuerwerk in versierter Virtuosität und beispielloser Rasanz „La Campanella“ (Liszt). Das Publikum tobte, ein spannender Klavierabend der Sonderklasse war viel zu schnell vorüber.

Gerhard Hoffmann

 

 

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