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AUGSBURG/ Kleiner Goldener Saal: TRISTAN UND ISOLDE/ Szenen

Augsburg: „TRISTAN UND ISOLDE-SZENEN“ – 16.03.2025

 Letztes Jahr feierte der „Richard-Wagner-Verband Augsburg“ sein 140. Jubiläum mit einem Gala-Konzert, heute organisierte die rührige Vorsitzende Frau Hilde Lutz ein attraktives Event mit Szenen aus „Tristan und Isolde“ dem genialen Liebesepos von Richard Wagner wiederum aufgeführt im ehrwürdigen Kleinen Goldenen Saal.

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Schlussapplaus. Foto: Sprieserstebach.heiz

 
Oper am Klavier erwies sich wie auch Liederabende für Sängerinnen und Sänger oft als äußerst fatal, fehlte ihnen die orchestrale Stütze und dem Publikum wird jede kleinste vokale Unebenheit offenbar. Pardon, meine Damen, dass ich zunächst dem Tristan-Debütanten den Vorzug gebe: Anno 2006 erlebte ich Zurab Zurabishvili erstmals als Maurizio der Belkanto-Partie von Cilea, es folgte ein Interview mit dem georgischen Spinto-Tenor und ich begleitete den hoffnungsvollen Künstler durch seine erfolgreichen Debüts des italienischen wie französischen Opern-Repertoires gekrönt in seiner natürlichen dramatischen Entwicklung als ausgezeichneter Otello. Auch Richard Wagner wandte sich der Zielstrebige zu und sang Erik, einen vortrefflichen Parsifal, Lohengrin-Szenen, ließ erfolgreich den Tannhäuser folgen und widmete sich nun dem Tristan zur zweiten Szene des zweiten Aufzugs. Nach der leidenschaftlichen, metallisch-strahlkräftigen Wiederbegegnung mit der Geliebten folgte wunderbar intoniert o sink hernieder, legte zuweilen weniger emotional seine gewaltigen vokalen Ressourcen in nicht ansprechenden Ausbrüchen frei. Jedoch Zurabishvili konnte es auch anders! Bedingt des tödlich verletzten Helden überzeugte der Tenor nicht nur in vortrefflicher Artikulation sondern berührte und überzeugte mit großartiger, glaubwürdiger,  tenoraler Gestaltung zur 1. und 2. Szene des dritten Aufzugs. Deshalb möge man dem Rezensenten die vorherigen „Merkereien“ eines Rollen-Debüts nachsehen, war schließlich Zurabishvili im Laufe der Jahrzehnte mein 54. Tristan-Interpret, auf eine hoffentlich baldige Premiere in einem Opernhaus sehe ich mit großer Erwartung entgegen. Extra für dieses Event war der Bronze-Künstler Irakli Tsuladze mit seiner charmanten Gattin aus Tblisi angereist,  kreierte eigens in Adaption die Skulptur „Die Liebenden im Boot“

Mit mächtigen  baritonalen Vokalgewalten verkörperte der junge Georgier Giorgi Mchedlishvili (Theater Magdeburg) den Kurwenal.

Sally du Randt seit zwei Jahrzehnten Ensemblemitglied am Staatstheater Augsburg verkörperte  nahezu alle Partien des italienischen wie deutschen Faches und sang heute mit reifem Sopran die Isolde. Meine obige Bemerkung der Defizite über Oper mit Klavierbegleitung fand hier teils ihre Bestätigung. Die eruptiven Obertöne der Dame schmeichelten in keiner Weise meinem Gehör, doch verstand es die kluge Sopranistin den leiseren Passagen gehaltvolle warme Töne zu schenken und punktete noch mit einem respektablen finalen mild und leise.

 Schönstimmig mit prächtigen Höhenaufschwüngen ihres Mezzosoprans gab Maren Engelhardt (Staatstheater Kassel) während der 1. Szene des zweiten Aufzugs der Brangäne gehaltvolle Konturen. Mit großen Atem und famoser Intonation sang die Künstlerin einen wunderbar im Raum schwebenden Wachgesang.

 Zum heimlichen Star des Abends avancierte jedoch der großartige Pianist Peter Valentovic, der slowakische vielseitige Künstler wurde bereits während seines Pianisten-Studiums mit Preisen dekoriert und widmete sich sodann an der Wiener Musikuniversität  seiner Dirigenten-Ausbildung und konzertierte seit 2018 als Gast mit namhaften Orchestern im In- und Ausland. Für mich war es faszinierend zu erleben mit welcher Akkuratesse der  sensible Künstler  die Facetten der genialen Wagner-Partitur bereits beim Vorspiel zum ersten Aufzug offenbarte, in bewundernswerter klangästhetischer Dichte erhoben sich die ersten Takte, formierten sich allmählich aus elegischer Transparenz des Tastenspiels zu dynamischen Couleurs gipfelnd im Rausch der Liebesekstase. Versonnen erklang die depressive traurige Weise im Vorspiel des dritten Aufzugs. Fulminant prägte Valentovic die sinnliche Atmosphäre der Hymne der Nacht und der Liebe in pianistischer Noblesse, verlieh Tristans Fieberträumen geradezu magisches Valeur wie ebenso dem Liebestod. In kontinuierlicher Manier perlten die Tastenabläufe, gipfelten sich zum leuchtenden Aquarell der Töne. Das war absolut ganz großes „Orchester“.

Nach kurzem Innehalten feierte das begeisterte Publikum lautstark mit langem Applaus alle Beteiligten.

Gerhard Hoffmann

 

 

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