Megaron – The Athens Concert Hall
Jubiläumskonzert: 80 Jahre Staatsorchester Athen
Konzert am 3. Februar2023
Spätromantische Klangwogen
Der Abend im grossen Konzertsaal des Megaro Mousikis begann mit einem Video. Darin wurde Einblick in die achtzigjährige Geschichte des Staatsorchesters Athen gegeben, wurde an bekannte Dirigenten und Solisten erinnert. Die Jahre der griechischen Finanzkrise waren auch hart für das Orchester, welches bisweilen vor nur 300-400 Zuhörern auftreten musste. Das hat sich gottlob geändert. Aktuell sind die Konzerte des Staatsorchesters ziemlich gut besucht. Das Jubiläumskonzert unter der Leitung von Lukas Karytinos war nahezu ausverkauft. Das Konzert bot ausgiebig spätromantische Klangwelten, wobei sich das erste Werk als durchaus verzichtbar erwies. Die Vocalise für Sopran und Orchester des anwesenden griechischen Komponisten Nestor Taylor klang so gar nicht zeitgenössisch. Das musikalische Geschwurbel in spätromantischer Manier war fad und liess keinen tieferen Sinn erkennen. Die Stimme von Cellia Costea erwies sich zudem als etwas überreif für das kurze Musikstück.

Vadim Repin
Das zweite Werk des Abends brachte einen internationalen Star auf das Podium. Vadim Repin interpretierte zusammen mit dem Staatsorchester Pjotr Iljitsch Tschaikowskis populäres Violinkonzert in D-Dur, Opus 35. Der Geiger wurde den Anforderungen in grossartiger Weise gerecht. Er präsentierte farbenreich die Canzonetta und virtuos den Finalsatz „Allegro vivacissimo“. Die Begleitung durch das Orchester unter seinem Chefdirigenten Karytinos kam dabei eher solide denn wirklich überzeugend daher. Es fehlte manchmal an Gestaltung und bisweilen auch an Präzision in Passagen mit raschen Tempi. Das Spiel von Repin zog einen jedoch in den Bann. Der Geiger gab unterstützt von den Streichergruppen Niccolò Paganinis „Il carnevale di Venezia“ als Zugabe.
Nach der Pause stand Gustav Mahlers erste Sinfonie „Titan“ auf dem Programm. Das Werk war fraglos eine gute Wahl, weil es allen Orchestergruppen interessante Aufgaben zuweist. Es waren wie so oft die Bläser und in diesem Fall insbesondere die Blechbläser, welche positiv in Erscheinung traten. Schön gelang etwa auch das Kontrabass-Solo im dritten Satz. Karytinos war erkennbar darum bemüht, das Werk gut strukturiert zu Gehör zu bringen. Seine Tempi gerieten dabei manchmal etwas schnell und führten zur Vernachlässigung von Details des vielgestaltigen musikalischen Materials. Die Darbietung machte gleichwohl Effekt und der hymnenartig anschwellende Jubel der Orchesterstimmen im letzten Satz kam ziemlich gelungen über die Rampe. Triumphaler Orchesterklang beendete so einen fast dreistündigen Jubiläumsanlass.
Das Publikum im Megaro Mousikis feierte vor der Pause Vadim Repin und am Schluss das Orchester und seinen Chefdirigenten mit lautstarkem Beifall und Jubel.
Ingo Starz (Athen)

