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ATHEN/ Megaro Mousikis: WISTERIA MAIDEN von Andonis Foniadakis. Premiere

23.04.2015 | Allgemein, Ballett/Tanz

Megaro Mousikis, Athen_ Wisteria Maiden (Tanztheater

Premiere vom 22. April 2015, weitere Vorstellungen bis 25. April

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Copyright: Megaro Mousikis/Athen

Zauber einer fremden Welt

 Im Athener Megaro Mousikis finden nicht nur Instrumental- und Vokalensemble eine Heimat, auch Tanzcompagnien treten hier regelmässig auf bzw. kooperieren mit dem Haus. Die Apotosoma Dance Company von Andonis Foniadakis bringt nun dort „Wisteria Maiden“ zur Aufführung, eine Choreografie, die im vergangenen Jahr ihre Uraufführung erlebt hatte. Foniadakis wurde auf Kreta geboren und erhielt seine tänzerische Ausbildung in Athen und Lausanne. Als Tänzer arbeitete er mit dem Bejart Ballet Lausanne, dem Lyon Opera Ballet und der Saburo Teshigawara / Karas Co. zusammen. Mittlerweile schuf er Choreografien für Ensembles in der ganzen Welt, so in Athen, Bern, Helsinki, Montreal oder Sao Paulo. Erst vor wenigen Wochen hatte am Luzerner Theater seine Arbeit „Shades“ Premiere. Darüber konnte man in einer Kritik lesen: “In der Dunkelheit erzählt `Shades´ in Bildern aus Parallelwelten, die wie Passagen aus der Zukunft anmuten. Die Inszenierung ist eine Einladung zu einer geheimnisvollen Reise in Dunkelheit und Licht des menschlichen Seins.“

 Die in Athen präsentierte Choreografie „Wisteria Maiden“ verweist schon mit dem Titel nach Japan,  wo die Glyzinie (=Wisteria) als blütenreiche Kletterpflanze eine bedeutende Rolle in der Gartenkunst spielt. Ästhetisch ist es aber vor allem das japanische Theater, das diese Arbeit von Foniadakis prägt. Das Maskenspiel, die strenge Stilisierung der Gebärden, die Darstellung von Frauen durch Männer: all das fliesst ein in das Werk des Griechen. Mit den Referenzen an die fernöstliche Theaterkunst gestaltet er einen rund einstündigen Bilderbogen, der das Publikum in eine fremd anmutende Welt blicken lässt. Verwandlung und Metamorphose des menschlichen Körpers sind die zentralen Motive in Foniadakis´ Choreografie.

 Die Glyzinien-Mädchen, so der Titel, sind bei Andonis Foniadakis acht Tänzer. Was der Grieche in seinem Tanzstück erzählt, ist kein psychologisch motivierter Handlungsstrang, sondern eine bildstarke Szenenfolge, die gleichsam Momente japanischer Kultur aneinanderreiht. Da findet im Prozess des Schminkens eine Verwandlung statt, mutieren Tänzer in reifartigen Röcken zu anmutigen Figurinen oder gestalten Masken ein ausdrucksstarkes Spiel. Mit viel Gespür für wirkungsvolle Tanzfiguren und Bildwechsel bringt der Choreograf die Qualitäten seiner acht Tänzer bestens zur Geltung. Mit Nitsan Margaliot, Alexandros Stavropoulos, Alexandros Vardaxoglou, David Essing, Aris Papadopoulos, Pierre Magendie, Armando Disanto und Joan Vercoutere steht ihm ein erstklassiges Ensemble zur Verfügung. Kraftvoll dynamische Szenen folgen auf solche voller Anmut und Langsamkeit. Ein schöner Einfall sind etwa die an den Armen der Tänzer befestigten Fächer, die ein intimes Spiel der Zwiesprache entfalten. Im Zusammenspiel mit sparsam eingesetzten Requisiten (Ausstattung: Eva Manidaki), einer wirkungsvollen Lichtregie und der bemerkenswerten Musik von Julien Tarride öffnet sich ein Fenster nach Fernost.

 Andonis Foniadakis erweist sich mit seiner Choreografie „Wisteria Maiden“ weniger als Erzähler, denn als Gestalter. Mit einer originären tänzerischen Sprache gelingt es ihm, Bilder zu einem Panorama japanischer Impressionen zusammenzufügen. Dem Publikum schaut dem gerne zu und reagiert mit Begeisterung auf das Tanzstück.

 Ingo Starz

 

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