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APROPOS: Man soll seine Feinde nicht unterschätzen

19.05.2019 | Apropos, Feuilleton

Man soll seine Feinde nicht unterschätzen

Haben wir beim „Online Merker“ Angst vor Politik? Sicherlich nicht. Also – los.

Karl-Heinz Strache hat einen für einen Politiker unverzeihlichen Fehler begangen: Er hat sich dumm verhalten. Ist in eine Falle gerannt. Es dauerte nicht einmal einen Tag, und er war weg vom Fenster. Wer immer das inszeniert hat – es war ein Meisterstück.

Vielleicht erinnert sich jemand daran, wie die bösen Briten einmal „Fergie“ eine ähnliche Falle gestellt haben: In einem Hotel mit ein paar offenbar reichen Arabern bot sie nach geschicktem Nachfragen an, gegen Vermittlungsgebühr bei ihrem Gatten, damals noch Prinz Andrew, für die Herren tätig zu werden. Hat ihr auch den Hals gebrochen.

Damit ich nicht missverstanden werde: Was Strache gemacht hat, ist unverzeihlich, und dass er ging, war die einzige Konsequenz. Dass er jetzt merken wird, wie wenige Freunde er hat, werden ihm die meisten von Herzen gönnen. Dass das Ganze menschlich widerlich war, steht für mich außer Frage. Und außerdem glaube ich, dass es von vielen Politikern jeder Couleur ähnlich Gespräche geben könnte… nur waren sie nicht wichtig genug, um darüber zu stolpern. Trotzdem: Er ist weg, und er hat es verdient. Wegen Unanständigkeit – und wegen Dummheit.

Aber eigentlich interessiert mich an der Sache etwas ganz Anderes: Wer steckt dahinter? Wer organisiert eine so brillante Aktion, legt jemanden hinterrücks herein, behält das Material zwei Jahre in der Hinterhand, um es dann eine Woche vor der EU-Wahl platzen zu lassen, nicht zuletzt, um auch die Regierung zu stürzen, was ja gelungen ist?

Denn man hat – den Böhmermann nun einmal bei Seite gelassen, der soll schimpfen, wie er will, Look, who is talking, und die Sache erledigt sich – in letzter Zeit auch gemerkt, wie der Druck auf Kurz immer stärker wurde. Lange Artikel, die ihn als „Machiavellisten“ darstellten, andere, die ihn als „alter Mann mit Kindergesicht“ lächerlich machten, immer stärkere Dosierungen, um ihn endlich aus der Ruhe zu bringen (wofür er vermutlich zu gescheit ist). Da musste man schon mit Kanonen gegen das Regierungsgebäude schießen, damit es zusammenbricht. Und das ist ja auch gelungen.

Nun kommt man bei der Frage nach dem Motiv mit dem „Cui bono?“ der Römer im allgemeinen sehr weit. Aber in diesem Fall? Es sind einfach zu viele, die Türkis-Blau und vor allem die Person Strache vernichtet wissen wollten. Alle Oppositionsparteien – aber sind die stark (und gewitzt) genug?

Als ich gesprächsweise vorschlug, der „Falter“ steckte dahinter und hätte sich ganz geschickt hinter „Spiegel“ und „Südddeutscher“ geduckt, weil es nicht um den Ruhm, sondern die Sache ging, erntete ich Hohngelächter: Der „Falter“? Lächerlich, sagt man mir. Wirklich?

Herr Silberstein im Hintergrund? Dass die Israeli eine Partei wie die FPÖ zutiefst hassen müssen, ist klar, aber würden sie sich das antun? Vielleicht. Aber es nur anzudeuten, würde einen ja unter den Verdacht bringen, man wärme die „Jüdische Weltverschwörung“ wieder auf. Außerdem haben sie vielleicht andere Sorgen und Besseres zu tun. Oder?

Wer sonst? Irgendein Mastermind steckt dahinter, von selbst kommt eine so hoch konzentrierte, genau gezielte Aktion nicht aus dem Nichts. Aber wer? Werden wir es je erfahren?

Gerade unsere Welt der sozialen Medien ist undurchsichtiger denn je. Das ist schon seit langem so – wir alle haben live zugesehen, wie John F. Kennedy erschossen wurde, und wir werden nie mit Sicherheit erfahren, wer hinter Lee Harvey Oswald stand, der dann so praktisch ermordet wurde…

Werden wir je wissen, wer dieses Meisterstück inszeniert hat? Immerhin hat es allen, die uns vorwerfen, ein Orban-, Erdogan- oder Putin-Land zu sein, etwas bewiesen: Die freie Presse funktioniert in Österreich noch. Besagten Herren wäre nie passiert, was Strache und Kurz durch die Presse – und durch die meisterliche, machiavellistische (!!!) Tücke ihrer Feinde erlebt haben.

Renate Wagner

 

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