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APROPOS: Eine ganz, ganz miese Geschichte…

Eine ganz, ganz miese Geschichte…

23.04.2026 | Aktuelles, Apropos, Feuilleton

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Eine ganz, ganz miese Geschichte…

Liebe Geschlechtsgenossinnen! Wenn mir ein Mann ein Foto mit seinem erigierten Penis schickt, ist er für mich erledigt. Ich werde es nicht an die große Glocke hängen, um den notgeilen Idioten nicht noch mehr zu blamieren, als er es schon getan hat. Aber ich werde ihm klar machen, dass ich nie wieder etwas mit ihm zu tun haben möchte.

Wenn ich ihm allerdings ein Foto meines nackten Busens schicke, sieht die Sache ganz anders aus. Egal, ob es vor oder nach dem Penis-Foto geschehen ist. Davor könnte man es fast als Aufforderung verstehen – ich zeig Dir meine, zeig mir Deinen. Danach ist es nur als eine Art von Einverständnis zu werten, oder?

So geschehen im ORF im „Fall Weißmann“. Dazu brauche ich gar keine Chats zu lesen, die mich sowieso nicht interessieren. Außerdem möchte ich persönlich kein Geld für den „Falter“ ausgeben. Eine miese Geschichte, und der Chef eines Milliarden-Konzerns hat sich nicht so zu benehmen, privat oder nicht. Es muss Standards geben.

Allerdings könnte, das muss man zugeben, dergleichen auch in jedem anderen Großkonzern passieren, nicht nur im „Sündenpfuhl ORF“. Beschuldiger / Anklägerin und, nicht zu vergessen, Strippenzieher. Sagen wir so: Seit ‚metoo“ ist die Überzeugung um die Welt geschwappt, dass absolut alle Frauen der Welt „Opfer“ von toxischer Männlichkeit seien. Darum gilt jede Beschuldigung von weiblicher Seite sofort, ohne Unschuldsvermutung, als gegeben, und der Mann kann sich brausen.

Aber in diesem Fall kann von einem „armen Opfer“ wohl nicht die Rede sein. Ich kenne die Dame nicht, aber ich halte sie für intelligent genug, um genau zu wissen, in welche Gefahrenzone sie sich begeben hat, als sie sich offensichtig – und der Eindruck ist übermächtig – von einem Chef oder Partner instrumentalisieren ließ, diese vier Jahre alte „sexuelle Belästigung“ auszugraben, als es darum ging, Weißmann zu kippen und Pius Strobl seine 2,4 Millionen Euro (!!! Die Summe muss man sich im Mund zergehen lassen!)  Abfindung zu sichern, die Weißmann ihm nicht gewähren wollte. Mit einem Foto wie besagtem könnte man manchen Konzernchef aus dem Amt jagen…

Aber ist die Frau, die das in Gang gesetzt hat, wirklich ein armes Opfer – und noch dazu so „tapfer“, weil sie in die Öffentlichkeit ging (wie manche Journalistinnen argumentieren)? Oder hat sie mit dieser Schmutzintrige nicht dermaßen gegen jegliche „Compliance“ verstoßen, dass man auch ihr den „blauen Brief“ schicken müsste? Und Pius Strobl erst recht?

Der ORF kommt zum Handkuss, natürlich beißen sich die Medien darin fest, es geht um verkaufte Zeitungen und Klicks, und „No News are good News“ gilt nur für das Privatleben der Durchschnittsmenschen. Nun hört man von anderen Verfehlungen, von Kokainströmen, schmutzigen Geschäften… und die „normalen“ ORF-Mitarbeiter werden scheel angesehen.

Ich war zwanzig Jahre lang in der Kulturredaktion von Ö1 im Funkhaus (das damals noch nicht durch interne Mauscheleien verkauft war). Ich schwöre, es gab in der Abteilung von Dr. Parschalk keine Sex-Parties, wir haben auch nicht gekokst und wir Fußvolk haben für normales Geld so gut gearbeitet wie wir konnten. Was der Großteil der ORF-Mitarbeiter vermutlich bis heute tut, falls sie nicht in die Kreise derer aufsteigen konnten. die es sich zu fürstlichen Gagen richten. Weil der Mensch eben zum Teil ein gieriges, opportunistisches, gewissenloses, korruptes, immer wieder auch von krimineller Energie getriebenes  Individuum ist.

Ein „Sittenbild“ also? Ein Augias-Stall? Wo ist Herkules? Oder einfach nur eine ganz, ganz miese Geschichte…?

Renate Wagner

.S. In parenthese: Wenn besagte Dame Roland Weißmann wirklich durch Nicht-Erfüllung seiner sexuellen Wünsche so blöd gemacht hat, dass er zu dem Mittel des Fotos griff (vielleicht nach dem Motto: Schau, was Du versäumst), hat sie zu dem Anne Boleyn-Trick gegriffen. Heinrich VIII. von England konnte schlafen, mit wem er wollte, und hat die Damen dann ziemlich bald weggeworfen. Anne Boleyn sah das auch am Beispiel ihrer Schwester. Die einzige Möglichkeit, ihn fest zu halten und nebenbei Königin von England zu werden, bestand darin, sich ihm zu verweigern und den Sexualakt mit der Bedingung der Heirat zu verknüpfen. Damit hat sie übrigens Weltgeschichte gemacht – weil der Papst seine Ehe mit Katharina von Aragon nicht geschieden hat, trennte sich Heinrich von der Katholischen Kirche und hat damit England ein gänzlich neues Schicksal beschieden. Anne Boleyn konnte er heiraten (und der geschiedene Charles, heute König, seine geschiedene Gefährtin Camilla, heute Königin). Von der Hochzeitsnacht war Heinrich VIII.  dem Vernehmen nach enttäuscht, der ganze Aufwand hatte sich offenbar nicht gelohnt. Wir wollen auch das weitere Schicksal von Anne Boleyn nicht verschweigen – als Heinrich sie satt hatte, schickte er den Henker, und ihr Kopf rollte… Es gibt einfach riskante Spiele auf der Welt.

 

 

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