Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Aperitivo mit Shalva MUKERIA in Mailand – „Mein künstlerisches Herz ist in Wien geblieben!“

01.05.2014 | INTERVIEWS, Sänger

APERITIVO MIT SHALVA MUKERIA

 Ich habe große Sehnsucht nach Wien, mein künstlerisches Herz ist hier geblieben.

_MG_0145k
Shalva Mukeria. Foto: Agentur

 Georgien ist ein Land der Stimmen. Immer wieder kommen sensationell gute Künstler aus dieser Ecke. So auch der „Tenore di grazia“ Shalva Mukeria.

Er ist aus der georgischen Hauptstadt Tiflis, studierte aber in Odessa, in der Ukraine, ohne italienischer Oper. Seine Lehrer waren alle russische Juden, Verwandte des großen Horowitz. Den Zugang zur italienischen Oper und seinen Lieblingskomponisten Donizetti und Bellini bekam er erst im „Westen“.  Als er Zubin Mehta in Florenz vorsang, wurde ihm sofort der Elvino in der „Sonnambula“ angeboten. Bei Donizetti und Bellini  fühlt er sich für jede Tenor-Rolle geeignet, seine absolute Lieblingspartie ist der Edgardo. Er würde aber auch gerne Fernando in „Favorite“  singen  und vieles und noch mehr von diesen Komponisten. Bei Verdi gibt es für Mukeria weniger Auswahl, am ehesten Alfredo und Duca. Dabei ist er als Alfredo vorwiegend in Italien sehr gefragt. Für die Opern Rossinis fühlt er seine Stimme nicht so ideal,  außer vielleicht Stabat mater und Guglielmo Tell. Aber auch kammermusikalisch ist er an der Liedinterpretation sehr interessiert, wie beispielsweise bei Franz Schubert und Gustav Mahler.

Sein Karrierestart war an der Wiener Staatsoper, der er einige Zeit angehörte. Sein sensationelles Rollendebüt als Arturo in den „Puritani“ neben Frau Gruberova war der Startschuss zu einer internationalen Karriere. Heute noch schwärmt er vom wunderbaren Orchester und den großartigen Korrepetitoren wie James Pearson und David Aronson. Mit Pearson hat er an die fünfzehn Rollen einstudiert und ist für jede Sekunde der Zusammenarbeit unendlich dankbar. Nebenbei hörte man ihn in Wien als ital. Sänger im „Rosenkavalier“, weiters als Gaston, Hrazda in „Osud“ und „Victorin“ in „Die tote Stadt“. Nach dem großen Erfolg in den Puritani wollte er dann weiter große Rollen singen, die Möglichkeit gab es an der Wiener Staatsoper aber nicht. Erst später sang er den Sir Percy bei dem „Anna Bolena“ Staatsopern-Gastspiel, wieder an der Seite von Gruberova in Japan. Vor den „Puritani“ wollte die Primadonna ihn vorerst anhören …. und war begeistert.  

Der Sprung von Wien in die „weite Welt“ lief bzw. läuft allerdings sehr gut. Sofort wurde die Scala auf diese Stimme aufmerksam und so konnte er als Tonio mit neun, bei bis achtzehn Cs das heikle Scalapublikum begeistern. An den großen italienischen Häusern ist er Stammgast für das tenorale Belcantofach, so immer wieder Venedig, Verona (Teatro Filarmonico),  Tebaldo in „Capuleti e i Montecchi“, und vieles mehr. Nach dem Iopas „Troyenes“ an der Scala geht es nach Santiago del Chile für Puritani.

Er freut sich immer über schöne Inszenierungen, diese können auch absolut heutig aussehen, aber sie müssen stimmig und der Wunsch des Komponisten erkennbar sein!  Wie es zum Beispiel bei der Umsetzung der „Troyens“ zur Zeit an der Scala ist. Von dieser Arbeit schwärmte er so sehr, dass ich es kaum erwarten kann, sie zu sehen. 

Sein privates Leben ist in Madrid angesiedelt, wo er mit seiner georgischen Frau und seinem kleinen süßen Sohn Levon lebt. Seine Freizeit verbringt er gerne mit bildender Kunst, er selber malt auch ein wenig, geht gerne zu Ausstellungen und liebt die schönen Künste. Als großer Tierfreund hätte er gerne eine Hund, denn Hunde liebt er besonders. Doch ist das mit den vielen Reisen und einem kleinen Kind wohl nicht so leicht machbar.

Auf meine Frage zur georgischen Küche sowie die ganze Kultur meinte er: leicht arabisch angehaucht und europäisch zugleich. Man kocht mit viel Gemüse und Nüssen, der Weinbau, der aus Georgien die Welt der Antike eroberte, wird immer noch auf diese alte Art, wie auch zum Teil noch in Sizilien betrieben. Der Wein wird in zwei Meter hohen Keramikgefäßen unter der Erde gegoren. Das ist die traditionellste und älteste Art. Weiters betonte er, dass die Georgier Orthodoxe Christen sind und keine Muslime, wie ein bekannter Operndirektor dachte.

Die wunderbare Regiearbeit der Troyens  ist eine Coproduktion unter anderen auch mit der Wiener Staatsoper, da wäre doch ein Wiederhören mit Shalva Mukeria eine perfekte Möglichkeit eines Wien-Auftritts.

Das nette Gespräch fand im Cafe in der Scala statt. Eben „per un aperitivo“

Elena Habermann/ April 2014

 

Diese Seite drucken