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ANDREAS OTTENSAMER: NEW ERA

07.03.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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ANDREAS OTTENSAMER: NEW ERA
Konzertantes für Klarinette von Stamitz, Danzi und Mozart
DECCA CD

Höfisches aus Mannheim hat sich der Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, Andreas Ottensamer, bei seinem Debütalbum für DECCA ausgesucht. Achtzehntes Jahrhundert pur, was da dem Hörer in all ihrer (harmlosen) Schönheit entgegensprudelt. Beginnend mit dem dreisätzigen Klarinettenkonzert in B-Moll des Begründers der Mannheimer Schule, des Böhmen Johann Wenzel Anton Stamitz geht die Konzertreise über Franz Danzi (Concertino für Klarinette und Englischhorn in B-Dur, Fantasie für Klarinette und Orchester zu Mozarts „Lá ci darem la mano“ aus Don Giovanni) bis hin zum Klarinettenkonzert in Es-Dur von Carl Philipp Stamitz. Als Einstreuer gibt es zwei Mozartarien-Bearbeitungen von Stephan Koncz für Bassklarinette, Flöte und Orchester zu hören: „Se viver non degg’io“ aus Mitridate, re di Ponto und „Batti, batti, o bel Massetto“ wiederum aus Don Giovanni. Mozart erlebte das Mannheimer Orchester erstmals als Kind und 1777, als er auf dem Weg nach Paris als 21-jähriger dort Halt machte.

Melodienseligkeit und Virtuosität, Leichtigkeit und Eloquenz kennzeichnen die Stücke. Um etwas Abwechslung in die Sache zu bringen, hat Ottensamer seine Berliner philharmonischen Kollegen Albrecht Mayer (eigentlich Oboist, hier: Englischhorn) und den Tonträgerstar Emmanuel Pahud (Flöte) eingeladen, beim Danzi Konzert bzw. den Mozart-Arrangements mitzutun. Und das mit Gewinn für das Konzeptalbum, das die Mozart’schen Inventionen und das charmante Concertino von Danzi klug einsetzt, um neben der gepflegten Ausrucksharmonie des Galanten Stils Schwung  in die Sache zu bringen.

Andreas Ottensamer selbst spielt Klarinette und Bassklarinette mit edlem Ton, technisch meisterlich und dirigiert nebstbei noch die in diesem Repertoire heimische Kammerakademie Potsdam. Des Solisten ungarisch-wiener Wurzeln kommen in der Spielfreude, der exquisiten Sang- und Sinnlichkeit des Vortrags und einer hohen Klangästhetik zum Ausdruck. Wesentlich ist auch, dass endlich einmal ein Klarinettist in der Geschichte des Labels DECCA exklusiv unter Vertrag genommen wurde. Die Freunde dieses Instruments, zu denen auch ich mich zähle, dürfen sich also auf viele weitere anregende Alben freuen, hoffentlich auch bald mit „wilderem“ Repertoire des 20. Jahrhunderts.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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