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AMSTERDAM/ Stadsschouwburg: ALCINA von G.F.Händel

27.02.2015 | Allgemein, Oper

AMSTERDAM/STADSSCHOUWBURG : ALCINA von Georg Friedrich Händel am 25.2.2014

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Alcina wickelt Ruggiero ein, Copyright: Amsterdam Stadsschouwburg

 Als zweiten Teil des Post-Drottningholmer Händel-Diptychons konnte man alternierend ALCINA erleben.

Zehn Jahre nach TAMERLANO entstanden, ist sie vielleicht Händels allerschönste Oper und möglicherweise eine der höchsten Hervorbringungen des menschlichen musikalischen Geistes überhaupt. Zuletzt wurde sie ja sogar an der Wiener Staatsoper gespielt – allerdings in einer trotz hervorragenden Mitwirkenden etwas suboptimalen Produktion (was offenbar Direktor Meyer dazu veranlasst haben muss, sein angekündigtes Vorhaben, jedes Jahr eine Barockoper aufzuführen, nicht weiter in die Tat umzusetzen).

Unbestrittener Star des Abends war zweifellos Barockspezialistin Sandrine Piau als Alcina. Ihre Interpretation der Rolle der betrogenen und verlassenen Zaubererin sucht ihresgleichen. Und ihre Gestaltung der beiden, nahezu endlosen(de facto immerhin 15 Minuten währenden) Hauptarien war nicht nur herz- sondern alle anderen Eingeweide auch zerreißend. Grandios und denkwürdig.

Der Cast um sie herum war vielleicht noch homogener und noch hochstehender als der von Tamerlano: Maite Beaumont als untreuer und verräterischer Liebhaber Ruggiero, Angélique Noldus als seine ihm in Männerkleidern nachreisende Verlobte Bradamante, Sabina Puértolas als die wiederum in diesen (diese) dummerweise verknallte Morgana, etc.etc.

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Foto: Amsterdam Stadsschouwburg

Trotz letztlich doch irgendwie tragischen Ausgangs ist Alcina aufgrund der erotischen Verwicklung nicht so aussichtslos depressiv und destruktiv wie Tamerlano, sodass man die zusätzliche halbe Stunde Musik nicht als Belastung, sondern als Beglückung empfindet.

Über Christoph Rousset und Les Talens Lyriques braucht man keine weiteren Lobesworte mehr verwenden.

Pierre Audi wiederum konzentrierte sich auch hier auf die mimische und gestische Umsetzung der Emotionen und auf die Relation der Protagonisten unter – und zueinander im Raum. Ja, und auch der graue Stuhl spielte – vielleicht noch ausdrucksstärker – wieder mit.

Über die mangelnde bzw. unverständliche Farbdramaturgie der Kostüme könnte man möglicherweise noch ein paar Worte verlieren. Und natürlich könnte man sich auch eine weniger geometrische, dafür psychologischere oder psychoanalytischere Interpretation vorstellen.

Aber insgesamt war diese Alcina doch so etwas wie eine Sternstunde.

 Robert Quitta, Amsterdam

 

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