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ALTENBURG: DIE ZAUBERFLÖTE

26.12.2011 | KRITIKEN, Oper

Altenburg: DIE ZAUBERFLÖTE am 25.12.2011

 Die Zauberflöte der Theater&Philharmonie Thüringen setzt einen neuen Akzent in der Rezeption des Werks. Regisseur Ansgar Weigner wollte die Oper einmal aus ihrer Märchenhaftigkeit mit utopischem Ort und ebensolcher Zeit herausholen, um sie dadurch vielleicht einer heutigen Generation „aufstrebender“ Opernbesucher nahezubringen. Dazu verpaßt er ihr aber eine kurze Rahmenhandlung, die vom historischen Bezug her schnell einzuordnen ist: Während eines Teils der Ouverture sehen wir ein Schweizer Bergpanorama, davor die Terrasse der Lungenklinik aus dem „Zauberberg“. Das Dreidamenpersonal der späteren Oper ist zum Kaffee versammelt inclusive Madame Chauchat, die spätere Pamina, und Tamino, natürlich in einen weißen Anzug gekleidet, legt sich als Franz Castorp auf einen Liegestuhl  und fällt mit einem Brustschmerz in eine Ohnmacht. Somit stellt sich die folgende „Zauberflöte“ als sein Traum dar. Etwas stimmt in seinem leben nicht, und das soll sich durch den langen Traum zurechtrücken. Da der Regisseur danach zwar weiter im Fin de siecle, aber ansonsten die Handlung wortgetrau bis auf die fehlenden Tiere wiedergibt, ist der Erkenntniswert des ganzen Unternehmens doch wieder anzweifelbar. Im Bühnenbild von Duncan Hayler (auch Kostüme) wird zum Teil Phantastik z.B. durch die großen Flugvorrichtungen für die Königin der Nacht, die wie eine Riesenfledermaus erscheint, suggeriert.

 Das Orchester spielt unter der Leitung von Jens Troester adäquat. Die Tempi werden nicht überdehnt, wie ja oft modisch. Dadurch kommt aber keine zu große musikalische Spannung auf. Ein stimmlich gutes Geharnischten-Duo ergeben Roman Koshmanov und Teruhiko Komori. Der Monostatos erinnert in seiner Aufmachung eher an einen an schlimme Naturauswüchse angepassten Forscher mit Wotansauge, also nicht lustig, aber schönstimmig: Peter Paul Haller. Der Papageno Kai-Uwe Fahnert gibt stimmlich auch einen guten Bariton ab, und erscheint wie ein gänzlich gerupfter Vogelmensch, nur im Schambereich sind ihm noch Federn verblieben. Seine Papagena (mit nettem Sopran: Paula Rummel) ist dagegen in ein fettes Federkleid verpackt. Die 3 „Knaben“ Taryn Knerr, Britta Glaser und Eva B. Schuster sind ein geschmeidiges Terzett und führen die Weltenwanderer ohne viel Aufsehens. Dagegen machen die 3 Damen mit übertriebener Tütteligkeit und mit Federboas im Fin de siecle Stil immer ein Riesenaufheben um ihre Auftritte. Die prima Stimmen gehören Kerstin Randall, Kathrin Rieger-Loeck und Chrysanthi Spitadi. Jule Rosalie Vortisch gibt eine ernste jugendlich brillante Pamina, die sich in Herzen singen und spielen kann und in der g-moll Arie groß auftrumpft.

Als Königin der Nacht kann Kim Sheehan ebenfalls überzeugen. In ihren Arien sind die hohen Tongirlanden immer gut eingebunden. Michael Siemon läßt als Tamino in den Arien wohllautende Stimmfülle aufkommen, wirkt aber im Ganzen gesanglich nicht so ausgeglichen. Besonders an der Mittellage wäre noch zu arbeiten. Der Sarastro des Stephan Klemm kann auf einen balsamisch gerundeten Baß zurückgreifen und wirkt in seinem Orden als uneingeschränkter Herrscher.           

Friedeon Rosén

 

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