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Alessio ARDUINI – mit dem Fahrrad zur Arbeit

17.05.2015 | Allgemein, Sänger

GESPRÄCH MIT ALESSIO ARDUINI Mit dem Fahrrad zur Arbeit

 Das Gespräch führte Helene Habermann im Mai 2015


Alessio Arduini mit Valentina Nafornita in der Wiener „Don Pasquale-Produktion der Staatsoper. Foto: Barbara Zeininger

Der 1987 in Desenzano sul Garda geborenen Alessio Arduini wuchs schon in frühester Jugend mit klassischer Musik und Sport auf. Die Eltern sind zwar keine Berufsmusiker, aber große Liebhaber der Opernliteratur. Über seine Schwester meint Arduini, sie wäre sicher eine sehr gute Pianistin geworden.

Alessio Arduini studierte parallel Technik in Brescia und Theater und Musik in Verona und am Konservatorium von Mantua bei Vicenzo Rose und Katia Ricciarelli. In der Studienzeit machte er auch einmal kleine sängerische Ausflüge in die Operette, natürlich in italienischer Sprache. In Konzerten sang er bereits auch viele italienische Kunstlieder.

Debütieren konnte er sofort mit einer der begehrtesten Rollen des Baritonfaches, als Mozarts Don Giovanni am Teatro di Como. Dem folgte sehr rasch der Conte Almaviva in „Le nozze di Figaro“ nach, sowie der Guglielmo in der „Cosi fan tutte“. Diese Gastspiele fanden alle in Italien statt. Neben Como interessierten sich bereits die Opernhäuser von Turin, Bari, Bologna und Venedig für den aufstrebenden jungen Künstler. Aber ebenso liegt ihn auch das große Belcantofach sehr, so hatte er ja bereits große Erfolge als „Ricardo“ (Puritani) in Mantua. Er liebt es, diese Legatobögen zu singen und ist davon überzeugt, dass das die beste Schule für die Stimme ist.

Die Rolle des Schaunard aus „La Boheme“, die er sehr liebt sang er bereits in Salzburg an der Seite von Anna Netrebko und an der Metropolitan Opera in New York. Bei den Osterfestspielen war er wieder Gast in Salzburg und zwar als „Silvio“ in „I Pagliacci“ mit Maria Agresta als „Nedda“. Diese Rolle hat er mit dem auch in Wien beliebten Bariton Alberto Gazale erarbeitet, an dessen Meisterkursen er immer gerne teilnimmt. Sein absolute Traumrolle ist natürlich der „Marchese di Posa“, aber dafür hat er noch sehr viel Zeit.    

An der römischen Oper ist Sharpless in „Madame Butterfly“, sowie Schaunard geplant, nach Paris geht es diesmal mit Leporello und dem Figaro in „Barbiere di Siviglia“.

In Wien fühlt er sich nun seit zwei Jahren sehr wohl, findet die Menschen sehr nett und ist glücklich, an diesem Opernhaus arbeiten zu können. Auf die Frage zum „Regietheater“ kam ein sehr überzeugtes „Nein“, wenn es um große Dramen geht, weil da die Zeitversetzung nur selten zur Geschichte des Stücks passt und noch dazu wenn es sich wie Beispiel „Anna Bolena“ um eine tatsächliche Begebenheit handelt. Er meint, nicht jeder hat das schon oft gehört und bei der ersten Begegnung sollte man doch das Stück kennen lernen und nicht die Träume eines Regisseurs.

Aber bei einer Komödie wie „Don Pasquale“ hat man allerdings einen sehr guten Weg gefunden. Er ist stolz, mit solchen Partnern diese Rolle erarbeiten zu können und fand auch die Zusammenarbeit mit Frau Brook einfach herrlich, weil sie allen viel Freiheit in der Gestaltung ließ. Somit hatten alle ihren Spaß an der Arbeit, kein einziger Scherz wurde aufgezwungen, sondern die Protagonisten hatten sich mit viel Humor und Freude die Gags ausgedacht.

Seine privaten Hobbys indviel Sport und große Liebe zur Natur. So geht er gerne laufen und wandern, ist natürlich auch ein begeisterter Schifahrer im Trentino oder auch in unseren Bergen. Aber auch das ruhigere Fischen macht viel Freude. Die Radwege in Wien, die Überschrift zeigt es, findet er einfach toll.

Über die kulturelle Situation in Italien ist er sehr besorgt, nicht nur wegen der prekären finanziellen Lage der italienischen Opernhäuser, speziell im Süden, sondern auch weil so wenig Jugendliche an der klassischen Musik, speziell an der Oper, Gefallen finden.

Elena Habermann

 

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