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ACHTUNG, GEFAHR IM VERZUG

12.06.2018 | Feuilleton, reflexionen

Der Hut beginnt am Klavier zu brennen (Foto M.Pöhn)

 

Achtung,  Gefahr im Verzug

 

I

Es brennt der Hut der Direktion, aber zumindest das Klavier auf der Bühne, auf welcher eine weitere Lachnummer mit

DER EREMIT IM KRONLEUCHTER

im Stile der lustigen Opernskeches eines Otto Schenk in der Wiener Staatsoper statt einer aufregenden Regiearbeit für den Freischütz aufgeführt wurde.

Jedenfalls Schade  um das verbrannte Steuergeld, mit dem die Serie von Regiearbeiten gestern Abend fortgesetzt wurde, Inszenierungen mit denen die Nachfolgedirektion sich mit Sicherheit nicht öffentlich blamieren möchte, wenn die jetzige Direktion abgetreten sein wird.
Und Gefahr im Verzug für das Steuergeld, dass noch für die geplanten Neuinszenierungen der angezählten Direktion bereit liegt, um womöglich ebenfalls solche Fehlinvestitionen wie der des gestrigen Abends, eines FREISCHÜTZ, dem die Romantik ausgetrieben wurde und durch grässliche Langeweile ersetzt wurde, zu finanzieren.

Was bleibt der Nachfolgedirektion dann noch für die Herstellung eines Spielplanes übrig?

Es wäre dringend notwendig, seitens der Bundestheaterverwaltung eine Evaluierung der restlichen Projekte der alten Direktion durchzuführen zu lassen bzw. begleitend zu kontrollieren, um deren Spielbarkeit auch für die neue Direktion sicherzustellen und absehbaren Katastrophen – auch noch im letzten Moment –  gegenzusteuern. Und wenn es nur die Räumung von Badewannen von der Bühne, der Abbau von Verkehrsverbindungen für Eremiten im Kronleuchter und sonstiger unnötiger Regieschwachsinn bedeuten würde.

II

Sollte bei einem Neubau der Bauherrenvertreter (Architekt, Statiker etc) willentlich oder aus Unvermögen etwas übersehen, was zu einer Katastrophe führt (Einsturz) so ist dessen Schicksal besiegelt. Ein Operndirektor, dem es nicht gelingt, eine offensichtliche Fehlleistung eines der Vertragspartner (Regisseur) zu erkennen, und zwar rechtzeitig und das Werkel laufen lässt, verschwendet Steuergeld!! Der darf sich nicht auf die unantastbare künstlerische Freiheit berufen, sondern hätte alles zu unternehmen, um Konsens der Vertragspartner herzustellen.

Beispiele gefällig?
Wer hat die Fixkosten der vermurksten Macbeth-Inszenierung der Vera Nemirova, die gerade einmal die Premieren-Serie schaffte bezahlt? Wer zahlt die jetzige FREISCHÜTZ-Inszenierung, die mit Sicherheit so nicht die Übernahmein die neue Direktion schaffen wird? Na, der Steuerzahler zahlt das alles, weil die mit Vergabe und Kontrolle von Vertragsleistungen, nämlich die jeweiligen Direktionen überfordert waren. Wer hat die SAMSON-Regisseurin nicht gewarnt und hat sie mitten auf der Bühne die blöde Badewanne aufstellen lassen, wo doch schon ein Brausebad einmal eine Katastrophe ausgelöst hat. Katastrophe kann man das nicht nennen? Oh doch, denn damit verbrannte Steuergeld!

Dieser Vorschlag von der „unter Kuratel-Stellung“, also einer begleitenden Kontrolle der Tätigkeit einer Direktion, ist ja nur ein illustrativer, kein Operndirektor ließe sich so etwas gerne gefallen, was im Wirtschaftsleben außerhalb des offenbar geschützten Bereichs künstlerischer Tätigkeiten Gang und Gäbe wäre. Es soll auch nur ein besonderer Hinweis auf die angeschlagene Situation der jetzigen Direktion sein und den Ernst der Situation unterstreichen, die die baldige Amtsübergabe in zwei Jahren hinsichtlich der gleichzeitigen Übernahme eines hoffentlich ausreichenden künstlerischen Fundaments an Stücken für die Wiener Staatsoper als Repertoirehaus darstellt. Oder hat der designierte Direktor bei der Premierenfeier freudig mit applaudiert zum Eigenlob des Hauses und sich über ein schönes neues Repertoire-Stück gefreut? Wohl kaum.

Zum Glück hat die Staatsoper noch eine Anzahl an jahrzehntealten Inszenierungen für das Repertoire auf Lager, die derartige Fehlplanungen wie den gestrigen Freischütz  finanziell ausbügeln helfen. Ein Teil der alten aber auch veralteten Kulissenpracht ist ja doch noch genug Geld einzuspielen im Stande!

 

Peter Skorepa
OnlineMERKER

 

 

 

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