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Achim Zons: BEIM SCHREI DES FALKEN

29.07.2019 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Achim Zons:
BEIM SCHREI DES FALKEN
Thriller
432 Seiten, Verlag C.H. Beck, 2019

Der deutsche Journalist (einst bei der „Süddeutschen Zeitung“) und Krimi-Autor Achim Zons hat vor zwei Jahren in dem Kriminalroman „Wer die Hunde weckt“ den investigativen Journalisten David Jakubowicz kreiert, der bei der (fiktiven, aber sehr echt wirkenden) deutschen Tageszeitung „Deutsche Allgemeine Zeitung“ in München arbeitet. Sein erstes „Abenteuer“ führte ihn nach Afghanistan und ließ ihn am Ende in Hongkong landen.

Der zweite Roman, in dem er im Mittelpunkt steht, „Beim Schrei des Falken“ entspricht in der Machart dem ersten: eine Geschichte, die aus vielen Blickwinkeln erzählt wird – und eine Geschichte, wie sie sich hier und heute abspielt und für den Leser, der zuhause sitzt, den eisenharten Lokalaugenschein aus den Krisengebieten lebendig werden lässt.

Schauplatz der Handlung ist nun Syrien, wo sich Jakubowicz, dem man zuerst in einer deutschen Klinik begegnet (die Gründe dafür enthüllen sich nach und nach), lange aufgehalten hat. Zuhause verhört ihn der BND scharf über seine Zeit im Kriegsgebiet und seine starken persönlichen Bindungen an Einzelpersonen, die sich in Rückblenden offenbaren. Die Figur des Fotografen mit dem Decknamen „Caesar“, den er hier einführt und der die Opfer des Assad-Regimes auf Bildern festgehalten hat, ist übrigens historisch (es gibt bei Beck auch noch ein Sachbuch dazu).

Man ist in diesem Buch als Leser immer wieder beklemmend an Ort und Stelle – und wenn sich eine syrische Familie, die Jakubowicz gut kennt, über Wasser hält, indem sie Flüchtlinge über das Mittelmeer oder die türkische Grenze schafft (gegen bare Münze natürlich), ist das zwar nicht sympathisch, aber aus dem Leben gegriffen. Und wird von den Familienmitgliedern persönlich teuer bezahlt…

Genau so wichtig wie die Rückblenden in die Hölle Syriens ist der Eiertanz der Geheimdienste rund um die Erinnerungen von Jakubowicz, und „Tarnen und Täuschen“ befeuern das klassische Karussell, in dem sich alles dreht. Als Draufgabe erlebt man die Redaktion einer großen Zeitung als hoch giftige Schlangengrube, wo um Prestige und Positionen unter der Gürtellinie gekämpft wird, wo Alkohol reichlich fließt, „#metoo“ noch nicht angekommen und nicht jeder Tod ein natürlicher ist. Dass man dort auch vielfach in einer „gewissensfreien Zone“ agiert, dass es „Rücksichten“ gibt, die Wahrheit zu verschweigen oder die Fakten zu manipulieren, wird der Leser des Buchs (der ja wohl selbst kritischer Zeitungsleser ist) nicht bezweifeln.

Man muss geradezu froh sein, dass der Held in diesem Wirbel überlebt – aber der ist ja noch für ein paar Politkrimis gut. Die Krisenherde unserer Welt, vom Iran bis Nordkorea, werden dem Autor kaum ausgehen…

Renate Wagner

 

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