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1945 – 1955 WIEDERAUFBAU DER WIENER STAATSOPER

23.11.2015 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover  Staatsoper 1945-1955~2

1945 – 1955
WIEDERAUFBAU DER WIENER STAATSOPER
Katalog zur Ausstellung im Gustav Mahler Saal
Wiener Staatsoper, 2015

Wenn man einmal auf die Ära Meyer zurückblickt, wird man in sehr vielen Broschüren blättern können, und das ist gut so. Die sorglich gemachten viereckigen Hefte decken viele Themen ab, Aufführungen, Künstler und auch Ereignisse. Vor 70 Jahren wurde die Wiener Staatsoper bei einem Bombenangriff zerstört, vor 60 Jahren wieder eröffnet, in jenem Jahr 1955, wo für Österreich die neue Zeitrechnung der Freiheit begann.

Die wie meist von den Brüdern Lang zusammen gestellte Ausstellung im Mahler-Saal und in der Folge die Broschüre geben sich nicht viel mit Text ab, aber ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte, und es gibt viele Fotos – in Schwarzweiß, wie es damals noch üblich war.

Zuerst die tragischen Bilder der Zerstörung, die uns heute noch treffen, dann jene des Wiederaufbaus, viele Stationen, das Zerstörte wieder zu „heilen“ und neu zu errichten, nicht nur die bauliche Struktur, sondern auch die Dekoration.

Und dann das Opernfest von 1955, acht Premieren in vier Wochen, nicht nur ein künstlerisches, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Nimmt man eine Lupe zu Hilfe, kann man am Plan des Hauses sehen, wer Logen und Parkettsitze einnahm – von Adlmüller bis Wessely, von Meinl bis Mautner-Markof, und viele, viele, die inzwischen vergessen sind (Mercedes, Ford und Porsche gibt es allerdings immer noch, und das Fernsehen auch).

Am 5. November 1955 vormittags gab es die Eröffnungsfeierlichkeit (auf der Bühne Unterrichtsminister Heinrich Drimmel mit Karl Böhm und Hans Knappertsbusch), am Abend dann der „Fidelio“ in der Besetzung Mödl / Dermota / Schöffler / Seefried.

Die Theaterzettel und Szenenfotos hat man auch zu den nächsten Premieren zusammen getragen: „Don Giovanni“ (London / Della Casa / Jurinac / Seefried / Dermota / Kunz / Berry, das Wiener Mozart-Ensemble), „Die Frau ohne Schatten“ (Hopf / Rysanek / Weber / Goltz / Höngen) – alle drei Premieren hatte Karl Böhm geleitet.

Dann ein Konzert mit Bruno Walter, eine zweifellos deutsche „Aida“ (Kubelik / Rysanek / Madeira / Hopf / London / Frick), die „Meistersinger“ (Fritz Reiner / Schöffler/ Beirer/ Seefried/ Kunz), „Der Rosenkavalier“ (Knappertsbusch / Reining / Jurinac / Güden / Böhme / Poell) und schließlich „Wozzeck“ (Böhm / Berry / Goltz). Das Schlußlicht machte ein zweiteiliger Ballett-Abend mit „Giselle“ und „Der Mohr von Venedig“ (letzterer gestaltet von Erika Hanka).

Ein köstliches Bild aus dem Stehparterre: So gut wie lauter alte Herren. Man sucht die Teenager, die heute noch am Leben sein können… Aber auch wenn man nicht live dabei war, diese Tage, dieses Opernfest sind im Bewusstsein von Opernfreunden, die nicht erst seit gestern oder vorgestern, sondern schon ein langes Leben lang in die Oper gehen, fest verankert.

Renate Wagner

 

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