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18 CD-Box CARL MARIA VON WEBER: „The Spirit of German Romanticism“; Warner

23.05.2026 | Allgemein, cd

18 CD-Box CARL MARIA VON WEBER: „The Spirit of German Romanticism“; Warner

Njcht nur „Der Freischütz“: Sorgfältig kuratierte, wenngleich allzu historische Jubiläumsedition zum 200. Todestag des Komponisten am 5. Juni 2026

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Carl Maria Friedrich Ernst von Weber schätze ich in seiner aufregenden dunkelromantischen Dämonie, seiner melodischen Gabe und seinem instrumental kompositorischen Genie (alles für Klarinette). Manches allzu Biedermeierliche wirkt tatsächlich wie aus der Zeit gefallen. Immer wieder gibt es Neues zu erforschen: Erst letztes Jahr entdeckte ich seine gloriose Missa sancta Nr. 2 G-Dur op. 76 „Jubel-Messe“ während eines Festgottesdienstes im sommerlichen Bad Ischl.

Abseits der Musik ist mir dieser auf den Porträts durchgeistigt und freundlich wirkende Mann mit seiner berichtet familiär bodenständigen, gastfreundlichen Ader und vor allem seiner Naturbegeisterung sowie der aufmerksam be -und gehüteten Menagerie (mein persönliches Lieblingstier Rabe, dazu Hund, Katze und das Kapuzineräffchen „Schnuff“) sowieso hoch sympathisch. Dabei verlief sein von einer angeborenen Gehbehinderung und später der Tuberkulose gesundheitlich beeinträchtigtes Leben alles andere als behütet rund.

Den Kraftakt der Emanzipation eines vom Ehrgeiz für seinen Sohn fatal getriebenen Vaters kann man sich kaum beschwerlich genug vorstellen. Weber, dessen angemaßtes „von“ auf einen niederösterreichischen Baron zurückgehen soll, war ein die Weite des Denkens grenzüberschreitend hegender, weltoffener Mann. Er gründete eine eigene Schauspieltruppe, betätigte sich lithografisch, lernte Klavierspiel, Gesang, Komposition sowie mehrere Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Italienisch, Tschechisch). Neben der Musik machte er durch Literarisches, darunter Essays und ein unvollendeter Roman mit autobiografischem Hintergrund, auf sich aufmerksam.

Cousin von Mozarts Gattin Constanze, zeigte der aus einem musikalischen Hause stammende Michael Haydn-Schüler schon sehr früh kompositorische Wunderkindattitüden. Die erste Oper schrieb er mit elf Jahren. Aber erst die Instruktionen bei Abbé Georg Joseph Vogler 1803/04 in Wien und Darmstadt – wo er Kommilitone von Jakob Meyer Beer=Giacomo Meyerbeer war, brachte den Musiker Weber auf die einsame Höhe, die er in seinen Spitzenwerken erreichen sollte.

Dirigentisch wirkte der erst 17-jährige Weber zuerst am Theater im schlesischen Breslau, später als Kapellmeister in Prag und Dresden. Da dies seine Zeit für Komposition allzu sehr einschränkte, folgten Jahre als Gast des preußischen Generals Herzog Eugen von Württemberg Carlsruhe bei Oppeln, bei dessen Bruder Friedrich in Stuttgart und bei „Herzog Louis“ als Geheimsekretär und Privatlehrer.

Eine Begegnung mit Folgen war diejenige mit dem Klarinettisten Heinrich Joseph Baermann, in Darmstadt und München. Webers Oeuvre für und mit Klarinette zählt zu den bedeutendsten für dieses Holzblasinstrument, die Expressivität des Klangs in allen Lagen erprobend. 

Der als Symbol, ja als Inkarnation romantisch deutschen Geistes geltende Carl Maria war alles andere denn ein Modell bescheidener Lebensführung oder Mann mit sauberer Weste im Sinne eines juristisch unbeschriebenen Blattes. Hochverschuldet kam Weber Anfang 1810 als 24-jähriger wegen des Verdachts auf Veruntreuung und Bestechung hinter schwedische Gardinen. Da der Herzog Louis mit in die Machenschaften verstrickt war, musste Weber am Ende lediglich seine Schulden abzahlen.

1817 heiratete er die Sängerin und Schauspielerin Caroline Brandt. Drei Kinder sollten aus der Ehe hervorgehen. Knappe zehn Jahre später trat Weber, schon schwer von der Tuberkulose gezeichnet, seine letzte Reise nach London zur Uraufführung des „Oberon“ an, wo er noch mehrere Opernabende dirigierte. Am 5. Juni 1826 starb er.

Webers kühnster und genialster Einfall war sicherlich die Wolfsschluchtszene in „Der Freischütz“. Schauspiel- und Opernregisseur Paul-Georg Dittrich schreibt dazu: „Die Wolfsschlucht steckt in jedem einzelnen von uns. Sie ist der Ort, wo Sehnsüchte, Traum und Albtraum aufeinanderprallen. Ein großes Panoptikum der Obsessionen und Wünsche, der menschlichen Abgründe. Die Hölle in uns selbst.“ 

Es ist der Ort, wo Dunkles, Gespenstisches, das „Böse“ in die Idylle vorstößt.. Weber schuf eine klanglich und dramaturgisch nach wie vor unübertroffene Szene als Moritat auf die Fragilität des Seins. Aber wir wissen auch: Wir haben die Wahl: Max hätte nicht, um Fehler bzw. Unzulänglichkeiten zu kompensieren, diesen unheilvollen Pakt mit Samiel schließen müssen, in dem er, um selbst verschont zu bleiben, Max, Agathe und Kuno als Opfer anbietet. Allein für diese vierte Szene im zweiten Akt des „Freischütz“ ist Weber eine eminente Position in der Musikgeschichte sicher.

Weber hinterließ ein umfangreiches Werk an Opern, Orchester- und Klavierstücken, Konzerten, Kammermusik, Lieder, Messen. Die vorliegende, mit 18 CDs vollbepackte Edition stützt sich auf den umfangreichen Backkatalog von Warner. In wenigen Fällen wurden dafür Aufnahmen für die Jubiläumsausgabe klanglich von den Originalbändern remastered.

Als erfreulich darf gelten, dass jede Menge an Raritäten sowie exquisite Interpreten der Sammlung den Charakter einer ausgesprochenen Fundgrube verleihen. Dass es sich bei den zwei großen Opern „Der Freischütz“ und „Oberon“, um gediegene Einspielungen handelt, es aber sängerisch Besseres gibt, geschenkt. Dass „Euryanthe“, abgesehen von der Ouvertüre gänzlich fehlt, ist ein Makel.

Dafür finden wir eine imponierende Liste an Dirigenten (u.a. Sawallisch, Plasson, Ormandy, Cluytens, Böhm, Furtwängler, Norrington, Harnoncourt, Galliera, Blomstedt, Stein, Leppard, Masur, Nézet-Séguin) und Solisten (etwa Sabine Meyer, Michel Béroff, Gidon Kremer, Andrei Gavrilov, Geoffrey Parsons, Claudio Arrau). Historische Aufnahmen 1914 bis 1958, Transkriptionen sowie Werke nach Carl Maria von Weber von Hindemith, Liszt oder Wagner ergänzen den Katalog.

 

Das Booklet wartet mit einem Aufsatz von Christoph Vratz („Leidenschaft und Disziplin: Der Komponist Carl Maria von Weber“) in drei Sprachen auf. Anlassbezogen und in Relation zu der Fülle an Aufnahmen sind Aufmachung und  Informationswert insgesamt jedoch bescheiden. Die Interpreten sind mangels Platzes bisweilen nur auf der Vorderseite der Papp-CD-Hüllen genannt.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass jegliche Beschäftigung mit dem diskografischen Erbe bereichert. Als Schule des Hörens stärkt sie unser Urteilsvermögen über die musikalischen Leistungen im Hier und Jetzt. Allerdings hätte ich mir – im Gegensatz zu einer Anthologie über einen Dirigenten oder anderen Interpreten – gewünscht, dass auch neuere Aufnahmen bzw. eigens für diesen Zweck initiierte Projekte zum Zug kommen. Das wäre einem Major wie Warner zuzumuten gewesen. Der Mehrwert eines unmittelbaren Erlebens von Musikinterpretation im Gestern und Heute hätte der Weber-Box abseits der Gültigkeit vieler der ausgewählten Aufnahmen mehr (pädagogische) Relevanz verliehen.

Inhalt der Box:

  • Orchesterwerke und Konzerte: Symphonien Nr. 1, 2; Aufforderung zum Tanze op. 65 (Orchesterfassung von Hector Berlioz); Ouvertüren zu Abu Hassan, Der Beherrscher der Geister, Der Freischütz; Peter Schmoll, Oberon, Euryanthe, Jubel-Ouvertüre op. 59, Preciosa-Ouvertüre op. 78; Klarinettenkonzerte Nr. 1 und 2; Fagottkonzert op. 75; Concertino op. 26 für Klarinette und Orchester; Andante und Rondo ungarese c-moll op. 35 für Viola und Orchester; Concertino op. 45 für Horn und Orchester; Konzertstück f-moll op. 79 für Klavier und Orchester
  • Klavierwerke: Aufforderung zum Tanze op. 65 (Rondo brillant); Klaviersonaten Nr. 2 As-Dur op. 39& 4 e-moll op. 70; Polacca brillante E-Dur op. 72 „L’Hilarite“; Rondo brillante Es-Dur op. 62 „La Gaité“
  • Kammermusik: Klarinettenquintett B-Dur op. 34; Klarinettenquintett B-Dur op. 34 (Version für Klarinette und Streichorchester); Adagio und Rondo für 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte, Kontrabass; Concertino C-Dur für Oboe, Flöte, 4 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte, Trompete, Posaune, Kontrabass; Grand Duo concertant Es-Dur op. 48 (Version für Klarinette und Klavier / Version für Violine und Klavier); 4 Lieder von Leopold August von Gotha für Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte; Silvana-Variationen h-moll op. 33 für Klarinette und Klavier; Trio g-moll op. 63 für Flöte, Cello, Klavier; Violinsonate d-moll op. 10b Nr. 3; Walzer Es-Dur für Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte
  • Transkriptionen und Arrangements: Trompetenkonzert F-Dur op. 75 (nach dem Fagottkonzert); Der Freischütz-Harmoniemusik; Leise, leise, fromme Weise für Klarinette und Orchester (aus Der Freischütz); Flötensonaten op. 10b Nr. 3 & 6 (nach den Violinsonaten); Romanze op. 3 Nr. 2 für 2 Harfen; Silvana-Variationen op. 33 für Klarinette & Orchester; Rondo (Presto) für Cello und Klavier (aus Violinsonate op. 10b Nr. 3); Rondo (Presto) aus Klaviersonate Nr. 1; Adagio für Cello und Klavier (aus der Violinsonate op. 10b Nr. 2)
  • Werke nach Carl Maria von Weber – Paul Hindemith: Symphonische Metamorphosen nach Weber, Franz Liszt: Polonaise brillante für Klavier und Orchester nach Webers Polacca brillante op. 72, Paul Taffanel: Der Freischütz-Fantasie für Flöte und Orchester, Richard Wagner: An Webers Grabe für Männerchor; Trauersymphonie für Blasorchester über Motive aus Webers „Euryanthe“
  • Lieder: Die Zeit op. 13 Nr. 5; Lieder op. 15 Nr. 1-6; Meine Farben op. 23 Nr. 1; Liebes-Glühen op. 25 Nr. 1; Es stürmt auf der Flut op. 30 Nr. 2; Lieder op. 46 Nr. 1-4 „Die vier Temperamente bei dem Verluste der Geliebten“; Die gefangenen Sänger op. 47 Nr. 1; Die freien Sänger op. 47 Nr. 2; Ich denke dein op. 66 Nr. 3; Wunsch und Entsagung op. 66 Nr. 4; Wenn ich ein Vöglein wäre op. 54 Nr. 6; Volkslied op. 64 Nr. 1; Abendsegen op. 64 Nr. 5
  • Geistliche Musik: Missa sancta Nr. 1 Es-Dur op. 75a „Freischütz-Messe“; Missa sancta Nr. 2 G-Dur op. 76 „Jubel-Messe“; Die Sonn erwacht, mit ihrer Pracht aus Preciosa op. 78
  • Opern: Abu Hassan; Der Freischütz op. 77,; Oberon ( arrangiert von Gustav Mahler)
  • Historische Aufnahmen 1914-1958 – Aufforderung zum Tanze op. 65 (Orchesterversion von Berlioz und Klavierversion); Fagottkonzert F-Dur op. 75; Concertino Es-Dur op. 26 (arrangiert für Konzertband); Der Freischütz op. 77 (Auszüge); Der Freischütz-Ouvertüre op. 77; Euryanthe-Ouvertüre op. 81; Konzertstück op. 79 für Klavier und Orchester; Oberon (Auszüge); Oberon-Ouvertüre; Perpetuum mobile aus Klaviersonate Nr. 1; Klaviersonate Nr. 4; Preciosa-Ouvertüre op. 78; Rondo für Cello und Klavier nach der Violinsonate op. 10b Nr. 3; Larghetto aus Violinsonate op. 10b Nr. 1; Adagio für Cello und Klavier nach der Violinsonate op. 10b Nr. 2.

Hinweis: Webers Freischütz-Autograph ist bis 5. Juni 2026 in der Schatzkammer im Untergeschoss des Stabi (Staatsbibliothek) Kulturwerks Berlin zu sehen. Die Musikabteilung der Staatsbibliothek zeigt zwei Spitzenstücke, welche die Geschichte dieser Kollektion dokumentieren: Im Oktober 1851 wurde eine Säule der Sammlung gelegt, als Webers Witwe, Caroline, dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. das Freischütz-Autograph schenkte. Um diese Partitur sammelte sich über Generationen die größte und an Autographen reichste Weber-Kollektion weltweit. Als Beispiel für die Neuerwerbungen jüngerer Zeit ist die autographe Partitur von Webers 2. Sinfonie zu sehen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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