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Christian Reichhold: 100 x ÖSTERREICH: FILM

14.05.2019 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Christian Reichhold:
100 x ÖSTERREICH: FILM
256 Seiten, Amalthea Verlag, 2019

Für „hundertmal Film“ hat Autor Christian Reichhold alphabetisch auf hundert Filme gesetzt, aber weil sich darüber hinaus doch noch einiges zum Thema sagen lässt – Österreich spielt in der Filmgeschichte schon mit -, hat er das Buch mit einem „Vorspann“ und einem „Abspann“ versehen. Ersterer erzählt, wie es hier begann, nachdem das, was wir heute „Kino“ nennen, 1895 in Paris erfunden worden war. Es ging schnell los und in großem Stil, mündete mit (bemüht Willi Forst’schem Eigencharakter) in den deutschen Film des Dritten Reichs und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ohne Mühe neu erfunden. Kritisch ist man auch: „Heimkehr“, der Film, der nach dem Krieg den Ruf von Paula Wessely ruiniert hat, ist angeführt, „Maria Theresia“, mit dem sie ihn wieder herstellen wollte, nicht…

Wie es heute zugeht, erzählt der Nachspann, und da erfährt man, wie viel gedreht wird: 2016 waren es etwa 547 (!!!) Filmprojekte. Nicht, dass das Publikum viel davon mitbekäme, vieles läuft auf Off-Off-Schienen. Wie gut, dass das Alphabet gnädig war und als letzten Film „Wilde Maus“, den großen Josef Hader-Hit von 2017 anführt. Der beweist alles: Dass hierzulande mit Intelligenz und Kreativität Kino gemacht wird und dass das Publikum auch hinein geht…

Bei den hundert ausgewählten Filmen ist der Autor in einer Weise kreativ, die man erst einmal akzeptieren muss. Erstens ist der erste gewählte Film (weil Zahlen bekanntlich noch vor dem Alphabet kommen) „00Sex am Wolfgangsee“ von 1966, Regie Franz Antel, und das beweist, dass auch das Allerpopulärste „aus der untersten Lade“ dabei ist, um das Bild abzurunden. Im Text verrät der Autor auch „Adabei’iges“, dass etwa die echte Hochzeit von Waltraut Haas und Erwin Strahl damals mitgefilmt wurde… Film Nr. 2, „1. April 2000“ aus dem Jahr 1952 springt in die Nachkriegszeit, wo nicht nur die Kaiserjäger und sonstige Kaiser-Nostalgiker los waren, sondern man Blicke zurück („Der letzte Akt“) und voraus geworfen hat.

Grundsätzlich interessant ist, dass sich hier auch Filme finden, die man beim besten Willen nicht korrekterweise als „österreichisch“ bezeichnen kann, aber da ist der Autor, wie gesagt, großzügig: „Der dritten Mann“ gehört hierher, meint er, spielt er doch u.a. in den Kanälen Wiens, und „The Sound of Music“ mit Julie Andrews auch, schildert er doch das Schicksal der Trapp-Familie. Und wenn Österreich für die „3 Tage in Quiberon“ auch nur am Rande mitproduziert hat, ist es doch „unsere“ Romy Schneider, um die es geht, und „Der Kardinal“ ist zwar USA pur, aber schließlich spielt Josef Meinrad den Kardinal Innitzer, und Regisseur Otto Preminger kann man auch als ehemaligen Österreicher vereinnahmen… Kurz, die Auswahl ist – individuell.

Sie reicht von berühmten Stummfilmen („Sodom und Gomorrah“, „Orlacs Hände“) bis zur unendlichen Vielfalt des Tonfilms, vom Kitsch bis zum Kunstfilm von heute, von großen Werken (Haneke) zu innerösterreichischen Scherzen (Schwabenitzky).

Der Filmfreund wird natürlich stolz sein, wenn er die meisten der angeführten Filme kennt, selbst Österreichs versuchter Beitrag zum internationalen Teenie-Horror („in 3 Tagen bist du tot“) steht signifikant für ein Stückchen Entwicklung, und von „Hinterholz 8“ bis „Hundstage“ war der österreichische Film variationsreich unterwegs. Der Autor erzählt immer weit mehr als den Inhalt, weiß vieles über Hintergründe – und jeder wird vielleicht einen Lieblingsfilm finden. Die Autorin etwa den herrlich coolen Tiroler Alpenwestern „Das finstere Tal“, den Andreas Prochaska 2014 mit einem hier wortkargen Tobias Moretti gedreht hat. Und gleich danach kommt, das Alphabet will es so, „Der Förster vom Silberwald“. Wenn das keine österreichische Mischung ist!

Renate Wagner

 

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