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Zweimal WIENER STAATSOPER 2013 / 2014 – Impressionen und Jahrbuch

05.09.2014 | buch

 

BuchCover Stop Impressionen zur Spielzeit  BuchCover Stop Jahrbuch 2014

WIENER STAATSOPER
Impressionen zur Spielzeit 2013/2014
Fotografiert von Michael Pöhn
Redaktion: Andreas Lang, Oliver Lang, Peter Graber

WIENER STAATSOPER
Jahrbuch 2014
Herausgegeben von den Freunden der Wiener Staatsoper
Gesamtredaktion: Rainhard Wiesinger
Verlag Barylli

Zum zweiten Mal bietet die Wiener Staatsoper ein umfangreiches, weich gebundenes Rückblicke.Buch (in ihrem Broschüren-Format, nur viel, viel dicker), in dem nun die „Impressionen zur Spielzeit 2013/2014“ zusammen gestellt sind – mit Jonas Kaufmann als Dick Johnson in der Premiere der Puccini’schen „Fanciulla“ auf dem Titelbild.

Es ist ein unglaublich sorgfältig und liebevoll gestaltetes Buch, das ehrlich versucht, allem – und vor allem allen Beteiligten – gerecht zu werden: Was da in der Wiener Staatsoper 2013/14 geschah, so sehr Einzelnes einzelnen Besuchern sauer aufgestiegen sein mag, ist hier jedenfalls gewissenhaft und in großteils sehr schönen, oft wirklich als Porträtstudien äußerst gelungenen Fotos von Michael Pöhn dokumentiert.

Der Band verläuft chronologisch, bringt die Theaterzettel der einzelnen Aufführungen, und wenn es an der Staatsoper vier verschiedene Tosca-Interpretinnen gab, sind alle vier Zettel vertreten und alle Damen effektvoll im Bild (möglichst noch in mehreren Posen), dazu die anderen Hauptrollensänger und, mit Sorgfalt ausgesucht, so dass jeder sich gewiss mindestens einmal, wenn nicht mehrmals findet, die Nebenrollen-Interpreten: Es ist ja bekannt, dass diese dem Direktor besonders am Herzen liegen. (Gäbe es ein Register, das fehlt, so könnte man sehen, wer wie oft berücksichtigt ist… aber es kommen wirklich alle an die Reihe.)

Als Bilderbuch zur Erinnerung sind diese Fotos bestens geeignet, es ist nur schade, dass es so gut wie nie eine „Totale“ der Aufführung gibt – zumal bei den Neuinszenierungen wäre es sinnvoll, jeweils die einzelnen Bühnenbilder einmal als Ganzes zu zeigen. Dennoch: unverzichtbar für Freunde der Wiener Staatsoper, die zwar immer schimpfen (sonst wären sie es nicht) und immer wieder in die Aufführungen gehen, weil ihre Neugierde und ihre Liebe zur Oper nicht zu stillen ist. Auch das gehört zur Spezies „Opernfreund“

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Die Freunde der Wiener Staatsoper wiederum bringen von Jahr zu Jahr ihr gleicherweise unverzichtbares Jahrbuch heraus (auch sie haben ein Bild der „Fanciulla“ auf den Titel gesetzt, neben Kaufmann ist auch Nina Stemme dabei). Hier fällt der Bildteil im Vergleich zum Staatsopern-Band bescheiden aus, aber diesmal soll man ja mehr lesen als schauen. Und zum Lesen gibt es viel.

Wie stets die Vorschauartikel zu den Werken, die in der kommenden (also schon derzeitigen…) Saison Premiere haben werden, und wie stets gibt’s da für jene, die es wirklich wissen wollen, weit mehr, als man schnell bei Wikipedia als Grundwissen „mitnimmt“.

Ganz wichtig ist auch die Chronik, an die 20 Seiten voll mit Ereignissen, viele kleine Geburtstags-Würdigungen von Sängern, die längst nicht mehr aktiv sind, aber von den Opernfreunden unvergessen. Und leider auch mit (Kurz-)Nachrufen –  so herbe Verluste wie jene von Claudio Abbado und Lorin Maazel waren  zu verzeichnen…

Eine Besonderheit der Opernfreunde und folglich ihres Jahrbuches sind auch die Interviews, die von der Gesellschaft veranstaltet werden und die dann „geputzt“ gedruckt als Gespräche erscheinen. Sie zeigen nicht nur, dass Sänger oft ziemlich gescheite Geschöpfe sind, die sich über ihren Beruf im allgemeinen und Rollen im besonderen profund den Kopf zerbrechen. Bei geschickt geführten Gesprächen erfährt man auch manche Hintergrundinformation – dass Ioan Holender dank seiner Macht nicht nur imstande war, Herbert Lippert aus der Staatsoper zu ekeln, sondern auch dafür sorgte, dass kein anderes Opernhaus ihn engagierte… na, nicht, dass es einen wunderte, aber so krass hat man es sich auch wieder nicht vorgestellt!

Wieder überwiegen die Herren bei den Interviews, aber die große Fiorenza Cossotto (unvergessen, wie gesagt), die streitbare Elisabeth Kulman, die legendäre Fotografin Lillian Fayer und die Schauspielerin Sunnyi Melles (mit dem berühmten Dirigenten-Papa) haben einiges zu erzählen. Und die Herren-Liste ist hochkarätig: die Tenöre Marcello Giordani und Massimo Giordano, Vittorio Grigolo, Klaus Florian Vogt und Herbert Lippert, sowie Luca Pisaroni, Marius Kwiecien und Ildar Abdrazakov für die dunklen Stimmen. Es ist immer gut, mehr zu erfahren, als man in den meist knappen Zeitungsinterviews liest!

Das Vorstellungsverzeichnis läuft auf die bewährte Art, die Opern nach dem Alphabet (falls jemandem, was man nicht annimmt, nicht einfallen sollte, von wem die „Adriana Lecouvreur“ ist – unter „A“ findet man sie jedenfalls), alle Besetzungen aller Rollen chronologisch von Datum zu Datum, Debuts mit Sternen gekennzeichnet.

Im Gegensatz zum Buch der Staatsoper hat dieses ein ungemein ausführliches Register, und wenn eine Dame des Balletts dann zehnmal so oft aufscheint wie ein berühmter Sänger – dann hat sie eben so oft getanzt…

Und wie stets gibt es noch die CD mit Beispielen aus Staatsopern-Abenden der letzten Saison, da wird auch jeder seinen Liebling darunter finden.

Renate Wagner

 

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