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ZÜRICH/ X-TRA Musikcafe/ „Oper im Knopfloch“: Nach Louis Spohr: FAUST – Der Klang des Pakts. «Faust» einmal nicht nach Goethe

06.06.2026 | Oper international

Nach Louis Spohr: Faust – Der Klang des Pakts • Die Oper im Knopfloch im X-TRA Musikcafe • Vorstellung: 05.06.2026

(7. Vorstellung • Premiere am 20.05.2026)

«Faust» einmal nicht nach Goethe

faust

Nach Berlioz «La damnation de Faust» (am Opernhaus Zürich) im vergangenen Monat besteht nun durch die «Oper im Knopfloch» mit «Faust – Der Klang des Pakts» die Möglichkeit eine weitere, «ungewöhnliche» Faust-Bearbeitung kennenzulernen. Ungewöhnlich deshalb, weil sie nicht wie so viele andere auf Goethe zurückgreift, sondern auf eine frühere Bearbeitung des Stoffes, den Roman «Fausts Leben, Thaten und Höllenfahrt» von Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831). Vertont hat das Libretto von Josef Carl Bernard (1780-1850) Louis Spohr (1784-1859).

Seit dem Jahr 2000 bereichert die Opernkompanie «»Die Oper im Knopfloch» die freie Opernszene in Zürich. Ihr Einsatz in Sachen Entdeckung und Aufführung selten gespielter Werke kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit musikalischer Professionalität, raffinierter Bescheidenheit in Bühnenbild und Kostümen sowie Klavier und/oder wenigen Instrumenten als Orchester hat sie erfolgreich ihre Nische gefunden und ermöglicht dem Musikfreund Jahr für Jahr die Begegnung mit interessanten Raritäten.

Louis Spohr gehört zur faszinierenden Gruppe jener Komponisten, die zu Lebzeiten hochberühmt und in aller Munde waren, dann aber rasch vergessen gingen und allenfalls noch in Büchern zur Musikgeschichte Erwähnung finden. Oft stehen sie im Schatten berühmter Zeitgenossen, sowie Spohr im Schatten von Webers, der ihm aber wohlgesonnen war und 1816 die Uraufführung seines «Faust» im Prager Ständetheater ermöglichte. Spohr wurde am 5. April 1784 in Braunschweig geboren und dort später zum Musiker ausgebildet. Als Komponist, Dirigent, Gesangspädagoge, Organisator von Musikfesten und ein Violinist (neben Paganini zählte er zu den bekanntesten Geigern seiner Zeit) machte er Karriere an den Höfen von Braunschweig und Kassel und in Wien. Seine Bedeutung liegt in der Entwicklung der modernen Orchesterkultur (Taktstock) und seinem Wirken als Lehrer (bedeutendste Violinschule seit František Benda) und Komponist (knapp 300 Werke, darunter 10 Opern und 4 Oratorien).

Spohr komponierte seine Romantische Oper in zwei Aufzügen «Faust» (WoO 51, Neufassung mit Rezitativen von 1852: WoO 51a) von Mai bis September 1813 in Wien. Da er sich mit Graf Ferdinand Pálffy von Erdőd (1774-1840), einem der Besitzer des Theaters an der Wien, an dem Spohr als Kapellmeister amtete, nicht über die Uraufführung einigen konnte, dauerte es bis zur Uraufführung noch drei Jahre.

Musikalisch bietet das Werk in seiner Fassung von 1813 eine interessante Mischung zwischen dem deutschen Singspiel und der zeitgenössischen italienischen Oper (die später Geborene als «Belcanto» identifizieren würden).

«Faust – Der Klang des Pakts», ein Crossover-Projekt zwischen Oper und Beatbox (KI-Definition: Beatboxing ist die Kunst, Schlagzeugbeats, Rhythmen und musikalische Effekte rein mit dem Mund, der Nase und dem Rachen zu erzeugen) nach der romantischen Oper in zwei Aufzügen «Faust» (WoO 51) von Louis Spohr, geht von der Idee aus, die Figur des Mephistopheles sowohl von einem Bariton wie von einem Beatboxer verkörpern zu lassen und sich damit bietenden, ungewohnten, neuen kreativen Möglichkeiten in Form rhythmischer Klänge und innovativer Beats zu nutzen. Die Idee, die sich gerade für «operngewohnte» Ohren sehr exotisch anhört, erweist sich dann aber als sehr interessant und ermöglicht es sowohl eine Rarität kennenzulernen wie auch die eigenen Hörgewohnheiten zu erweitern.

Die Figur des Mephistopheles ist doppelt besetzt: Mit dem Beatboxer Denis Marian alias DeniseTheMenace und dem Sänger Fabrice Raviola. Es ist beeindruckend zu erleben wie sich die Kunst von Denis Marian und der Gesang (kerniger, sicher geführter Bariton) von Fabrice Raviola. Faust ist in dieser Oper ebenfalls ein Bariton und die schlank geführte Stimme von Michael Schwarze harmoniert ideal mit Raviola. Tereza Kotlánová gibt Röschen und Kunigunde, die Geliebten des Faust, der sich zwischen den beiden nicht entscheiden kann. Kotlánová zeichnet die beiden Figuren mit sicher geführtem Sopran mit herrlichen Farben deutlich unterscheidbar. Mit wohlklingendem Tenor gibt Pawel Grzyb den Grafen Hugo, den Geliebten Kunigundes, und den Franz. Rosina Zoppi, die Gründerin und künstlerische Leiterin der Oper im Knopfloch, ergänzt das Ensemble als Hexe Sycorax. Satoko Kato (musikalische Einstudierung) begleitet die Sänger am Klavier.

Eine lohnende Entdeckung!

Weitere Aufführung: Donnerstag, 11.06.2026, 19:30 im X-TRA Musikcafe Zürich.

Planung 2027: «L’Orfana svizzera» von Francesco Pollini (1762-1846).

08.06.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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