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ZÜRICH/ Tonhalle: NEUJAHRSKONZERT mit Zoran Todorovich, dem „sieghaften Einspringer“

02.01.2016 | Konzert/Liederabende

Zürich: Neujahrs-Konzert mit Zoran Todorovich – 1.1.2016

„Vincerò!“ – Der sieghafte Einspringer!  

Nachdem Piotr Beczala kurzfristig abgesagt hatte, musste ein verfügbarer Ersatz gefunden werden. Zoran Todorovich, der am Opernhaus Zürich bereits als strahlkräftiger Dick Johnson beeindruckt hatte, war so mutig und sprang ein. Und zwar für das Silvesterkonzert im KKL Luzern und am Folgetag mit demselben Programm in der Tonhalle Zürich. Der drahtige Sänger schien das auch ganz sportlich zu nehmen, denn er trat in Siegerpose auf und gewann auch auf der ganzen Linie. Wohl sind die schmelzenden Lyrismen eines Piotr Beczala seine Sache nicht, dagegen aber die stählernen Spitzentöne. In der Mittelage vermisst man die Flexibilität und den Farbenreichtum eines Lyrikers, wird aber mit einer absolut zuverlässigen Höhe entschädigt. Das ist doch auch mal beruhigend, einen Tenor zu hören, bei dem die Spitzentöne  nicht in der Gefahrenzone liegen. Todorovich übernahm weitgehend das Programm von Beczala, tauschte aber die Arie aus „Rusalka gegen die des Lenski aus „Eugen Onegin“ aus, wo Todorovich mit einigen erstaunlichen Crescendi und Decrescendi überraschte. Die eingangs gesungene Ballata aus Verdi’s „Ballo in Maschera“ war ordentlich, wenn auch nicht exquisit gesungen. Die Blumenarie des Don José beendete Todorovich im sieghaften Forte-Aufstieg aufs hohe b‘ – und nicht wie eigentlich vorgeschrieben in einem Piano. Aber wer singt das schon so? – Und anstelle der vorgesehenen Arie des Romeo aus Gounod’s „Roméo et Juliette“ sang Todorovich die Sternenarie des Cavaradossi aus der „Tosca.“ Da hörte man nun, was die eigentliche Domäne von Todorovich ist: Die volle Mittellage setzt sich gut gegen das Puccini-Orchester durch und der Ausbruch war dramatisch zugespitzt gesungen und von einem strahlenden Spitzenton gekrönt.

Nicht zu vergessen das vielseitig verpflichtete Zürcher Kammerorchester (ZKO) unter Marc Piollet, das alle Arien mustergültig begleitete und zwischendurch bspw. zwei Ungarische Tänze von Brahms oder sehr gut die Ouvertüre zu Rossini’s „L’Ialiana in Algeri“ (hervorragend das Oboensolo!) musizierte. Nach der Pause gab’s dann aus dem Bereich der sogenannt leichten Muse zwei Arien aus Lehar‘s „fast“ Oper „Giuditta“ – und hier konnte nun Todorovich seine stimmlichen Vorzüge ausspielen. Ein „Von der Leber weg“-Singen steht diesen Arien sehr gut an: sichere Stimmgebung, fulminante Höhen, Charme und gute Bühnenpräsenz! Auch die Arie „Wenn es Abend wird…Grüss mir mein Wien“ aus Kalman’s „Gräfin Mariza“ wurde fabelhaft gesungen. Nach einer sehr gut muszierten „Blauen Donau“ riss Todorovich das Publikum förmlich von den Sitzen mit „Nessun dorma!“ und schmetterte die Spitzentöne so, wie man es lange nicht mehr gehört haben mag. Und setzte noch Einen mit „O sole mio!“ drauf. Zoran Todorovich ist mit seinem mutigen Einspringen zwar nicht als „Ersatz“ für den einzigartigen Piotr Beczala im eigentlichen Sinn des Wortes zu benennen, setzte aber mit seinem unverblümten „Al fresco“-Singen einen ganz anderen Massstab – und der wird ihm derzeit wohl kaum einer streitig machen. 

John H. Mueller

 

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