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ZÜRICH/ Tonhalle: MATTHÄUS-PASSION von Johann Sebastian Bach. Ein würdiger Abschluss der Zürcher «Passions-Saison» 2026

05.04.2026 | Konzert/Liederabende

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion • Tonhalle Zürich • Konzert: 03.04.2026

Ein würdiger Abschluss der Zürcher «Passions-Saison» 2026

Mit dem Gastspiel des Collegium Vocale Gent in der ausverkauften Tonhalle endet die Zürcher «Passions-Saison» 2026.

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Foto © Michiel Hendryckx

Bachs Matthäus-Passion überschreitet mit ihrer Anlage, dem doppelten Chor und dem doppelten Orchester, den liturgischen Kontext der oratorischen Passion als musikalischem Hauptereignis des Kirchenjahres bei Weitem und wird entsprechend gern und häufig auch im Konzertsaal und, deutlich seltener, auf der Bühne aufgeführt. Gerade auf Grund ihrer «doppelten Anlage» ist die theatrale Wirkung nicht zu unterschätzen. Auch wenn sich eine räumlich getrennte Aufstellung der Chöre, Orchester und Orgeln in den allermeisten Konzertsälen, so auch der Tonhalle Zürich, auf Grund der räumlichen Struktur nicht wie in einer Kirche umsetzen lässt, so lässt sich die Wirkung auch mit den beiden Chören, Orchestern und Orgeln auf einer Bühne mit einem Minimum an Phantasie imaginieren.

Philippe Herreweghe, eine Koryphäe der Alten Musik, wählt für die Aufführung mit dem von ihm gegründeten Collegium Vocale Gent stimmige Tempi und ein, so paradox das klingen mag, transparentes, in seinem Farbenreichtum aber schon fast romantischanmutendes Klangbild. Besonders begeistern die samtig schimmernden Streicher und die voluminösen Flöten; die Virtuosität jedes einzelnen Instrumentalisten des Orchesters des Collegium Vocale Gent schimmert durch.

Der Tenor Guy Cutting gibt einen hervorragend verständlichen Evangelisten; die Textausdeutung exekutiert er mit grossem, manchmal vielleicht zu grossem, dramatischem Impetus. Florian Boesch legt den Jesus zurückhaltender, aber trotzdem markant und mit der der Rolle gebührenden Autorität an. Florian Störtz gibt mit kräftigem Bass den Petrus (und Pontifex I), Philipp Kaven überzeugt als Pontius Pilatus (und Pontifex II) und Julian Millán als Judas.

Die übrigen solistischen Rollen (Grace Davidson und Johanna Ihrig Sopran; Alex Potter und Benno Schachtner Altus; Samuel Boden und Florian Sievers Tenor; Florian Störtz und Mikael Timoshenko Bass) sind, wie es auch bei der Uraufführung der Matthäus-Passion gewesen sein dürfte, mit Mitgliedern des Chores besetzt.

Der Chor des Collegium Vocale Gent glänzt mit guter Textverständlichkeit und sattem harmonischem Wohlklang. Was auffällt, ist, dass der Chor mit gut 40 Sängern deutlich stärker besetzt ist, als er das bei der Uraufführung gewesen sein dürfte: dies führt zu einem wuchtigen Klangbild, das nicht den von der Alten Musik bekannten Höreindrücken entspricht.

Ein würdiger Abschluss der Zürcher «Passions-Saison» 2026.

 

07.04.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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