Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion • Tonhalle Zürich • Konzert: 03.04.2026
(2. Aufführung • Premiere am 02.04.2026)
Traditioneller Karfreitags-Auftritt des Gemischten Chors Zürich
Mit Bachs erstem grossem Werk als Thomas-Kantor beginnt der Gemischte Chor Zürich den Reigen der Passions-Aufführungen in der Tonhalle Zürich. Es spielt das Tonhalle-Orchester Zürich.

Foto © Tonhalle Zürich
Der Gemischte Chor Zürich, gegründet 1863, spielt eine wichtige Rolle im Zürcher Kulturleben. Nicht nur Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung, seit der Gründung waren bei ihm Männer und Frauen zum Chorgesang zugelassen, war der Gemischte Chor auch treibende Kraft, als sich 1868 die Tonhalle-Gesellschaft bildete und aus der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich (AMG) das Tonhalle-Orchester wurde. Seit Richard Wagners Wirken in Zürich (1849-1858) war der Wunsch nach einem Konzertsaal in der Stadt virulent und so beteiligte sich der Gemischte Chor am Umbau des Neuen Kornhaus, einer Lagerhalle mit eigenem Steg am Zürichsee, anlässlich des 30. Schweizerischen Musikfest 1867 zur (später so genannten) «alten Tonhalle» und 1895 am Bau der «neuen Tonhalle». 1872 wurde von Mäzenen und durch Benefizkonzerte der Chöre, besonders des Gemischten Chores Zürich und des Männerchores Harmonie (gegründet 1843), der Einbau einer ersten Orgel finanziert.
Mit dem traditionellen Auftritt in der Karwoche bringt der Gemischte Chor Zürich in diesem Jahr Bachs Johannes-Passion zur Aufführung. Den Orchester-Part übernimmt, wie es Brauch ist, das Tonhalle-Orchester Zürich, die musikalische Leitung hat der künstlerische Leiter des Chores Joachim Krause. Mit knapp 100 Sängern ist der Chor reich besetzt und lässt, vor allem in den Chorälen, einigermassen homogenen Wohlklang hören. In den kunstvoll ausgestalteten Chören neigt das Kollektiv zum «Buchstabieren» und die Textverständlichkeit lässt nach. Hinzu kommt, dass Krause für die Aufführung eher bedächtige Tempi wählt, die den Hör-Eindruck und die Lebendigkeit des Werkes beeinträchtigen. Das Tonhalle-Orchester spielt historisch informiert, rhythmisch akkurat und mit gut akzentuiertem Klang.
Manuel Günther gibt den Evangelisten mit hellem, kräftigem und höhensicherem Tenor. Auch wenn die Textausgestaltung intensiv, intensiver als gewohnt, wird, bleibt die Textverständlichkeit immer gewahrt. Besonders zu gefallen vermag der Wohlklang der Stimme in den Arien. Simon Robinson, der als Christus Martin Achrainer ersetzt, interpretiert die Rolle mit sehr diskretem Bass. Da die Stimme an diesem Abend eher klein erscheint, wäre etwas weniger «Zurückhaltung» dem Hör-Eindruck förderlich. Markus Eiche begeistert mit klarem, agil geführtem und wohlklingendem Bass. Jessica Jans gibt mit kristallklarer, manchmal zu Schärfen neigender Stimme die Sopran-Partie, Lena Sutor-Wernich die Alt-Partie mit ausladender, wohlklingender und die Affekte plastisch gestaltender Stimme.
Eine Aufführung mit Luft nach oben.
Keine weiteren Aufführungen.
04.04.2026, Jan Krobot/Zürich

