Benefizkonzert mit Sonya Yoncheva und Piotr Beczała • Tonhalle Zürich • 30.08.2026
Benefizkonzert zu Gunsten der Swiss Continence Foundation
Zwei Solisten in bestechender Form
Sonya Yoncheva und Piotr Beczała zeigen sich zu Beginn der Saison in bestechender Form.

Foto © Ken Howard, Metropolitan Opera
Mit der Habanera («L’amour est un oiseau rebelle») aus «Carmen» beginnt Sonya Yoncheva das Konzert mit einem Beitrag jenseits ihres eigentlichen Faches. Trotz aller Bemühungen will ihr diese Arie nicht wirklich gelingen: die Stimme scheint wenig fokussiert, die Tiefen wirken unorganisch, der verführerische Ton aufgesetzt. Mit «Mario! Mario! Mario!» und «Vissi d’arte» aus «Tosca» kehrt Yoncheva zu «ihrem Fach» zurück und kann mit jetzt gut kontrollierter Stimme mit strahlenden Höhen, reichen Farben und tadelloser Gestaltung rundum überzeugen. Mit «Un bel dì vedremo» aus «Madama Butterfly» bestätigt sie den positiven Eindruck. Für Rusalkas Lied an den Mond («Měsíčku na nebi hlubokém» aus «Rusalka») gelingt es ihr, ihre grosse Stimme zurückzunehmen um in der romantischen Atmosphäre einer lieblichen Mondnacht am See die Sehnsucht Rusalkas nach einer menschlichen Seele überzeugend auszudrücken. Mit Piotr Beczała als Partner wird das Duett «Miláčku, znáš mne, znáš?» zum Ausdruck überwältigende Leidenschaft und einem weiteren Höhepunkt des Abends.
Bereits beim ersten Auftritt Piotr Beczałas, mit Don Josés «La fleur que tu m’avais jetée» aus «Carmen», ist die Meisterschaft des führenden lyrischen Tenors unserer Tage zu erleben. Geradezu mustergültig gelingen «Dammi i colori… Recondita armonia» und «E lucevan le stelle» aus «Tosca»: mit wunderbarem Schmelz, elegantem Strahlen und ideal dosierter Leidenschaft lässt Beczała das Publikum staunen und gefangen von der Verzweiflung des dem Tod ins Auge blickenden Cavaradossi vor dem begeisterten Applaus einen ungewohnt langen Augenblick verharren. Die Arie des Prinzen («Vidino divná, přesladká») aus «Rusalka» gelingt ihm als slawischem Muttersprachler nicht minder überzeugend. Feurige Leidenschaft gepaart mit perfekter Sangeskunst prägt «Come un bel di di Maggio» aus «Andrea Chénier». Das finale Duett («Vicino a te s’acquieta») aus «Andrea Chénier» zeigt noch einmal beeindruckend, wie sehr die Stimmen von Yoncheva und Beczała harmonieren.
Drei Zugaben gewähren die Solisten dem begeisterten Publikum. Auf Yoncheva mit «O mio babbino caro» (aus «Gianni Schicchi») folgt Beczała mit einem in singulärer Perfektion (Welch stilistisches Bewusstsein! Welch unglaublicher Atem!) vorgetragenen «O sole mio!». Mit «Lippen schweigen» endet ein, was die Solisten betrifft, ein weit mehr als gelungener Abend.
Da die beiden grossen Zürcher Orchester momentan auf Tournee sind, begleitet das Swiss Orchestra unter Lena-Lisa Wüstendörfer an diesem Abend die Solisten. Die Ouvertüre zu «Carmen», eigentlich eine «sichere Bank», überrascht mit pastosem Klang, dominantem Schlagwerk und, in diesem Falle, Blechbläsern, und purer Lautstärke. Wüstendörfer bleibt auch in den übrigen Instrumental-Stücken (dem Intermezzo aus «Manon Lescaut», dem Vorspiel aus «Rusalka» und dem Intermezzo aus «Fedora») ihrer Linie treu. Damit aber nicht genug. Wenn es die Solisten zu begleiten gilt, wächst beim Zuhörer der Eindruck, dass Wüstendörfers Opern-Erfahrung enden wollend ist. Von einem Miteinander von Gesang und Orchester ist kaum etwas zu bemerken: Wüstendörfer setzt dem Orchester in Sachen Lautstärke keinen Grenzen und bietet, ob passend oder nicht, ihren Instrumentalisten reichlich Gelegenheit ihr Können zu präsentieren. Das Orchester ist permanent zu dominant und deckt regelmässig die Solisten, die nun wirklich keine kleinen Stimmen haben, mit Leichtigkeit zu.
Was hätte aus diesem Abend werden können…
31.08.2026, Jan Krobot/Zürich

