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ZÜRICH/ Tonhalle: „AMTSANTRITT“ VON DANIEL HOPE BEIM ZÜRCHER KAMMERORCHESTER

28.09.2016 | Konzert/Liederabende

Zürich: „Amtsantritt“ von Daniel Hope beim Zürcher Kammerorchester   

Tonhalle, 28.9.2016

Angefrischtes Musikantentum    

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Daniel Hope mit Mitgliedern des ZKO beim Oktett von Mendelssohn. Copyright: Thomas Entzeroth

Nach dem Rücktritt aus „Altersgründen“ von Sir Roger Norrington hat das ZKO (Zürcher Kammerorchester) nach einem Nachfolger Ausschau gehalten und seit der Gründung des ZKO 1945 anstatt eines Dirigenten erstmals in der Person von Daniel Hope einen Instrumentalisten verpflichtet. In einer witzigen Ansprache stellte sich der Weltklasse-Geiger Daniel Hope mit „Ich bin der Neue“ vor und beendete sie mit dem launigen Ausspruch: „keine Vorstrafen“. Gleichsam locker und musikantisch erklang dann das göttliche Oktett von Mendelssohn. Der Star-Geiger nahm seinen Platz als secundus inter pares ein und liess dem Konzertmeister Willi Zimmermann den Vortritt. Trotzdem aber war die Präsenz von Daniel Hope spürbar: Alles klang nach „neuem Besen“ frisch und unbelastet. Das Wunderwerk hat ja der erst 16-jährige Mendelssohn unter dem Eindruck von Goethes Walpurgisnacht geschrieben. Es war viel von seinem späteren „Sommernachtstraum“ drin. Die atmosphärisch dargebotene Interpretation atmete förmlich das Flirrende, Zauberhafte der Sommernacht.  Danach spielte Daniel Hope das Violinkonzert in a-Moll von J.S. Bach mit den Streichern des ZKO. Zwischen historisch informierter Aufführungspraxis und freiem Musikantentum angesiedelt überzeugte die Gesamtleistung, wo der Solist durch pointierte Akzentuierung des Bach‘schen Rhythmus seine Musizierfreudigkeit demonstrierte. Dann gab’s dann noch das in Schweizer Erstaufführung erklingende Concertino op. 42 für Violine und Streichorchester von Mieczyslaw Weinberg mit seinen überraschenden Klangwirkungen und Einfällen für Solist und Orchester. Der den 3. Satz intonierende Tango wurde zum frenetischen Abschluss des Konzertabends vor der Pause.

Danach war dann Beethovens heikle 2. Sinfonie in D-Dur auf dem Programm des ZKO. Ohne eigentlichen Dirigenten leitete Konzertmeister Willi Zimmermann vom 1. Geigenpult aus das Beethoven‘sche Jugendwerk. Es wurde gut musiziert, etwas herb mitunter und vielleicht auch durchweg an der oberen Lautstärkegrenze. Was fehlte, war die formende Hand eines Dirigenten, der die Balance und einige Übergänge perfekt sichergestellt hätte. Zu spüren war aber die „angefrischte“ Musizier-Freudigkeit des ZKO unter ihrem neuen Direktor Daniel Hope, der viele neue Projekte mit den Musikern plant. Wir sind gespannt!  

PS: Neu war mir auch, dass Daniel Hope seine Noten von einem auf einem Ständer angebrachten iPad ablas und mit einem Fuss-Pedal das Umblättern besorgte. Warum denn nicht die neusten technischen Mittel benutzen, dann hat der Geiger die Hände frei und das lästige Umblättern entfällt.    

John H. Mueller    

 

 

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