Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ZÜRICH/ Theater im Seefeld: Gaëtano Donizetti: VIVA LA MAMMA! • Opernkollektiv Zürich. Premiere

12.01.2024 | Oper international

Gaëtano Donizetti: Viva la Mamma! • Opernkollektiv Zürich im Theater im Seefeld, Zürich • Premiere: 11.01.2024

Die freie Szene lebt! Und wie!

Die freie Szene lebt! Und wie! Knapp zwei Wochen nach Donizettis «Olivo e Pasquale» hat nun seine Opera buffa «Viva la Mamma!» Premiere.

viv

Donizettis «Viva la Mamma!» (Ersatztitel für das etwas holprige «Le convenienze ed inconvenienze teatrali») bietet sich mit seiner doppelten Bühnenwirklichkeit für Bearbeitungen an. Dem Opernkollektiv Zürich und der Regisseurin Sara-Francesca Hermann ist eine phänomenal frische, absolut werkdienliche Umsetzung gelungen. Hermann lässt das Stück als Theaterprobe spielen: Regisseurin und Regieassistentin sitzen, wie bei einer echten Probe, im Zuschauerraum und scheuen sich nicht auch mal über die extra aufgebaute «Brücke» auf die Bühne (Tim Goosens) zu gehen. Bei der Probe von «Romolo ed Eresilia» tummeln sich dann die verschiedenen, von Donizetti so herrlich gezeichneten Charaktere. Produktionsleiterin und Dramaturgin Sara-Bigna Janett baut eine weitere Brücke zwischen Realität und Bühne, wenn sie in der Rolle der Intendantin einen Appell der freien Opernszene vorträgt (und dabei erfreulich offen mit den Budgetzahlen des Opernkollektivs umgeht). Florian C. Reithner (Arrangement) hat die zusätzliche Musik mit viel Gefühl in Donizettis Oper integriert.

Florian C. Reithner an der Spitze des Orchesters des Opernkollektivs dirigiert schwungvoll und hält die Fäden des Geschehens mit viel Übersicht zusammen. Es ist erstaunlich, ja bewundernswert, welch kompakten Klang die sieben Musiker erzeugen.

«Der Verein Opernkollektiv Zürich wurde 2021 gegründet mit dem Ziel, musiktheatralische Werke auf möglichst hohem Niveau auf die Bühne zu bringen und dabei  junge Menschen in ihrer künstlerischen Laufbahn zu fördern». Das Vereinsziel wird auch in diesem Jahr bestens erreicht. Martin Roth gibt die Mamma Agata mit schönem, kräftigem Bariton und der gerade für diese Rolle nötigen, enormen Bühnenpräsenz. Patricia Zanella setzt ihren lyrischen Koloratursopran leicht und agil ein und bildet so mit ihrer stimmlichen Jugend einen guten Kontrast zu der eher reiferen María Díaz Coca als Primadonna. Valérian Bitschnau gibt mit ausgesprochen wohlklingendem Tenor einen szenisch eher zurückhaltenden Germain. Ahmed Lüthi versucht als Maestro mit sonorem Bass das Probegeschehen im Griff zu halten. Manuel Pollinger kann als Procolo szenisch wie stimmlich absolut überzeugen. Bettina Schneebeli (als indisponiert angesagt) als Regisseurin und Leila Scharwath als Regieassistentin ergänzen das herrlich frische Ensemble.

Frischer geht Oper nicht!

13.01.2024, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken