Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ZÜRICH/ Opernhaus: WERTHER von Jules Massenet. 5. Vorstellung der Wiederaufnahme

11.07.2026 | Oper international

Jules Massenet: Werther • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 10.07.2026

(5. Vorstellung • Wiederaufnahme am 14.06.2026 • Premiere am 02.04.2017)

Warum nicht gleich so?

tetek
Foto © Toni Suter

Zum Saisonabschluss hat «Werther» nun doch noch zu dem Niveau gefunden, das man sich von Anfang an gewünscht hätte.

Unter der musikalischen Leitung von Marco Armiliato spielt das Orchester der Oper Zürich, wie schon in den Vorstellungen zuvor, ausgesprochen klangschön und homogen. Dass Armiliato der Versuchung mit einem so blendend disponierten Apparat (in Sachen Lautstärke) «unkontrolliert» in die Vollen zu gehen widersteht, gereicht dem Abend nur zum Vorteil.

Alice Lapasin Zorzit hat die Chöre (SoprAlti der Oper Zürich, Zusatzchor der Oper Zürich) tadellos einstudiert. Die sechs Mitglieder des Kinderchors der Oper Zürich überzeugen mit besonders homogenem, kräftigem Klang und natürlicher Spielfreude.

Jonathan Tetelman (Werther) setzt an diesem Abend die Vorzüge seiner Stimme, eine packende Bühnenpräsenz, ein viriles Timbre und eine strahlende, sichere Höhe, ganz im Dienste des Werkes ein. Es gelingt ihm nun, die Stimme schlank zu führen: das «tenorale Prachtgehabe» ist fast verschwunden und sein Rollendebüt kann nun als gelungen bezeichnet werden. Anna Goryacheva, die Wiederaufnahme war auch für sie das Rollendebüt, hat als Charlotte von Anfang an überzeugt und tut dies in der Dernière noch mehr. Mit sensibel geführtem, frei strömendem, warmem Mezzosopran und intensiver Bühnenpräsenz zeichnet sie ein bewegendes Porträt der Rolle. Sie hat definitiv die Technik und das Stilbewusstsein fürs französische Fach. In der letzten Vorstellung überzeugt nun auch Chelsea Zurflüh als Sophie. Die Stimme beginnt nun auch in den höheren Lagen zu strahlen und trägt deutlich besser. Aksel Daveyan gibt den Albert mit kräftigem, agilem, in manchen Momenten fast tenoral geführtem Bariton. Valeriy Murga gibt den Amtmann (Le Bailli) mit tadellos fokussiertem, sauber geführtem, agilem Bass und guter Bühnenpräsenz. Martin Zysset als Schmidt und Evan Gray als Johann überzeugen in den Rollen der «Hausfreunde» mit grosser Spielfreude und gut geführten, farbenreichen Stimmen rundum. Guram Margvelashvili als Brühlmann und Thalia Cook-Hansen als Käthchen ergänzen mit ihren kurzen Auftritten stimmig das Ensemble.

Schade, dass die Saison nun zu Ende ist.

(Zur Inszenierung möge der geneigte Leser vorherige Kritiken konsultieren)

Keine weiteren Aufführungen.

12.07.2026, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken