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ZÜRICH/ Opernhaus: UN BALLO IN MASCHERA. Wiederaufnahme. Das geht (musikalisch) noch viel besser!

23.05.2026 | Oper international

Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera • Opernhaus Zürich • Wiederaufnahme: 22.05.2026

(Premiere am 08.12.2024)

Das geht (musikalisch) noch viel besser!

Die Inszenierung von Adele Thomas funktioniert weiter tadellos. Musikalisch, vor allem sängerisch, ist noch viel Luft nach oben.

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Foto © Herwig Prammer

Für die szenische Seite kann auf die Premierenkritik zurückgegriffen werden: Adele Thomas (Inszenierung) siedelt ihre Konzeption des Ballo im Amerika der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, konkret in der von der Industrialisierung geprägten Zeit nach dem Bürgerkrieg, an. Der Abend beginnt mit einer Rückblende: Während der Ouvertüre wird das Auditorium Zeuge der Obduktion des ermordeten Riccardo. Entsprechend wechselt das Gesicht des auf dem Bühnenvorhang eingeblendeten Wahl-Flugblatts (Video: Tieni Burkhalter) zu einem Totenkopf und Renato wird in Sträflingskleidern hereingeführt. Die Beobachter in der hörsaalartigen Architektur erinnern an eine Mischung von Abraham Lincoln und den Gründervätern. Nach der Präparation zweier Kugeln und anderer Dinge, mit dem Ende des einleitenden Chors («Posa in pace»), tritt der Graf auf («S’avanza il Conte»): Riccardo erhebt sich vom Schragen und die Oper kann beginnen. Thomas inszeniert mit dem einen oder anderen Augenzwinkern eng am Libretto. Der auf der Drehbühne aufgebaute, karussellartige Pavillon (Ausstattung: Hannah Clark) ermöglicht rasche Auf- und Abtritte grösserer Massen, schnelle Szenenwechsel und gibt dem Stück einen ungekannten, bestens passenden Drive. Die Tatsache, dass der zweite Akte in der Ecke eines Zimmers spielt, lässt die Handlung besonders intensiv hervortreten und die Sänger nutzen den akustischen Vorteil (klangverstärkende Trichterwirkung) mit Leidenschaft aus. Emma Woods choreographiert den Chor, Statistenverein am Opernhaus Zürich und die Tänzerinnen und Tänzer (Sina Friedli, Jessica Falceri, Sara Peña, Sara Pennella, Evelyn Tritto, Cristian Alex Assis, Lukas Bisculm, Pietro Cono Genova, Daniele Romano, Roberto Tallarigo).

Gianandrea Noseda leitet den Abend ungewöhnlich dezent und lässt das sonst von ihm gewohnte Fein-Tuning vermissen. Eine Abstimmung der Lautstärke unterbleibt weitgehend, auch wenn die Solisten auf der Bühne mit wehenden Fahnen untergehen. Das Orchester der Oper Zürich spielt einen tadellosen Verdi, klangschön und mit virtuosen Soli, wird in der Tendenz aber zu laut. Gleiches gilt für den Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Klaas-Jan de Groot).

Stephen Costello misslingt leider, trotz aller Bemühungen, das Rollendebut als Riccardo. Die Sortita «La rivedrà nell’estasi» gestaltet er noch ansprechend. Dann aber hat Costello immer Mühe sich in Ensembles oder gegen das Orchester durchzusetzen. Er führt die Stimme, die an diesen Abend im doch eher kleinen Zürcher Haus nicht recht tragen will, mit immer mehr Druck um dieses Manko auszugleichen. Das führt dann in der Konsequenz aber dazu, dass die Farben immer weniger werden, die Diktion und die Textverständlichkeit abnimmt. Nur mit Lautstärke ist bei Verdi aber schwierig zu punkten. Das gilt für alle Stimmfächer. Dalibor Jenis scheint gar nicht erst zu versuchen, die Rolle des Renato tiefer zu gestalten. Lautstärke ist das Mittel erster Wahl und so ist von Anfang an eine gaumige Stimmführung, ein starkes Vibrato und mangelhafte Textverständlichkeit  zu konstatieren. Das «Eri tu» («Du warst es»)ist ein Lichtblick, denn es lässt erkennen, welches Potentialhier nicht genutzt wird. Elena Stikhina bleibt als Amelia an diesem Abend mit einer Ausnahme trotz solide geführter Stimme erschreckend blass. Das «Morrò, ma prima in grazia» («Ich werde sterben, aber ach»), mit grosser Emotionalität gestaltet, verweist darauf, was möglich wäre. Yulia Matochkina bleibt als Ulrica eher diskret und verlässt sich auf die Grösse und markanten Tiefen ihrer Stimme. Eine wie auch immer geartete Aura der Figur ist nicht auszumachen. Rebeca Olvera, an sich eine Stütze des Ensembles, kann bei ihrem Rollendebut als Oscar nicht überzeugen. Die Stimme hat kein Fundament und wird in der Hitze des Gefechts der bei ihr gewohnt  intensiven szenischen Gestaltung schnell schrill und scharf und überschlägt sich einmal. Steffan Lloyd Owen gibt den Silvano mit gut sitzender, sauber geführter Stimme und sehr guter Textverständlichkeit. Gleiches gilt für Samuel Wallace als Un servo d’Amelia. Brent Michael Smith als Samuel und Stanislav Vorobyov als Tom sowie Martin Zysset als Un giudice absolvieren ihre Auftritte routiniert und zuverlässig mit guter Bühnenpräsenz.

Das geht (musikalisch) noch viel besser!

Weitere Aufführungen am Opernhaus Zürich:

Do. 28. Mai 2026, 19.00, So. 31. Mai 2026, 19.30, So. 07. Juni 2026, 13.00, Sa. 13. Juni 2026, 19.00.

Weitere Aufführungen im Rahmen des Edinburgh Festival:

Mi. 26. Aug. 2026, 19.00, Do. 27. Aug. 2026, 19.00, Sa. 29. Aug. 2026, 19.00, So. 30. Aug. 2026, 14.00.

 

23.05.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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