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ZÜRICH/ Opernhaus: TOSCA von G. Puccini. Wiederaufnahme. Die Diva als Weltenherrscherin

29.09.2025 | Oper international

ZÜRICH/ Opernhaus: TOSCA von G. Puccini. Wiederaufnahme

(Premiere am 29.03.2009)

Die Diva als Weltenherrscherin

Die Tosca-Serie der laufenden Saison am Opernhaus Zürich ist gut gestartet. Es gibt noch ein klein wenig Luft nach oben.

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Foto © T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Die altbewährte Tosca-Inszenierung funktioniert weiterhin tadellos. Es gibt nichts Neues zu berichten, so dass für den szenischen Teil auf eine frühere Rezension zurückgegriffen werden kann: «Robert Carsens Inszenierung der Tosca, in den 1990er‐Jahren für die Vlaamse Opera entstanden und seither in verschiedenen europäischen Städten teilweise parallel gezeigt, basiert dem Motto «Come la Tosca in teatro» folgend darauf, dass sich für die Sängerin Floria Tosca die Grenzen von Leben und Theater verwischen. Das Publikum, ins Theater gekommen, um die Oper über die Opernsängerin Floria Tosca zu sehen, erlebt die Geschehnisse aus ihrer Sicht, in der sich die Grenzen von Leben und Theater auflösen. Sängerin sein ist für Tosca, die auch im wirklichen Leben nur noch in den Kategorien des Theaters denkt, ein Bewusstseinszustand. So ist nicht mehr klar, ob das Finale des ersten Akts Gottesdienst oder Opernszene, das Finale des dritten Akts ein Theaterstück oder das wahre Leben ist. In der Ausstattung Anthony Wards sind so Sant’Andrea della Valle, Scarpias Gemächer und die Plattform der Engelsburg immer auch Theaterbühne, die Davy Cunningham meisterlich beleuchtet.»

Marco Armiliato erweist sich einmal mehr als begnadeter Sängerbegleiter und führt das Orchester der Oper Zürich perfekt austariert durch den Abend, kann mit dem grossen Pinsel und vollkommener Farbpalette Puccinis geniales Meisterwerk malen, und trägt jeden Solisten auf Händen durch den Abend. Ernst Raffelsberger hat den Chor der Oper Zürich und den Kinderchor der Oper Zürich perfekt vorbereitet und so gelingt am Ende des ersten Aktes ein besonders eindrückliches, weil «sauber» und bewegend musiziert.

Sonya Yoncheva gibt ein routinierte Floria Tosca, ganz die Diva, die weiss, worauf es ankommt. Die Stimme spricht perfekt an. Es gelingen traumhafte Phrasen und Schattierungen und besonders eindrücklich der Schluss des ersten Akts, wo sie als Weltenherrscherin zum Altar aufsteigt. Die Erfahrung ihrer Karriere ermöglicht es ihr, in entscheidenden Momenten Rücksicht auf ihren Partner zu nehmen.  Jonas Kaufmann gibt den Mario Cavaradossi als Lehrstück, wie man eine Partie strategisch angehen kann. Die Stimme trägt noch immer im ganzen Haus, hat aber gegenüber früher deutlich an Strahlkraft eingebüsst. Technik und Erfahrung helfen Kaufmann die Rolle zu bewältigen: je länger der Abend dauert, desto mehr greift Kaufmann, statt wie früher die Stimme abzudunkeln, auf sein sicheres Piano zurück. Den grössten Erfolg beim Publikum hat Bryn Terfel in der Rolle des Baron Scarpia. Ihm gelingt mit perfekt sitzender Stimme eine rundum souveräne Interpretation der Rolle. So kann er die Figur völlig frei gestalten und es sind ihm gestalterische Details möglich, wie das Mitpfeifen der Gavotte zu Beginn des zweiten Akts. Brent Michael Smith gibt den Cesare Angelotti mit sattem, perfekt sitzendem Bass, so dass man ihm den Revolutionär ohne Zweifel glaubt. Valeriy Murga gibt mit profundem Bass einen durch und durch «klassischen» Mesner. Johan Krogius als Spoletta, Steffan Lloyd Owen als Sciarrone und Evan Gray als Un carceriere ergänzen das Ensemble.

Man darf zuversichtlich sein, dass das klein wenig Luft nach oben mit den nächsten Vorstellungen sicher dünner wird.

Weitere Aufführungen:

Do. 02. Okt. 2025, 19.00; Mi. 08. Okt. 2025, 19.00; Sa. 11. Okt. 2025, 19.30; Mi. 15. Okt. 2025, 19.00;

So. 19. Okt. 2025, 20.00.

29.09.2025, Jan Krobot/Zürich

 

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