Giacomo Puccini: Tosca • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 17.12.2022
(2.Vorstellung • Wiederaufnahme am 15.12.2022 • Premiere am 29.03.2009)
«Tosca, du lässt mich Gott schon wieder vergessen!»
Berichtet, was selten genug vorkommt, die NZZ über eine Wiederaufnahme am Opernhaus, so muss sich Besonderes ereignen. Dem ist so: Es gibt Sternstunden der Oper zu erleben.

Foto © Toni Suter
Vierzehn Jahre nach der Premiere gibt es über die Inszenierung nichts Neues zu berichten. Sie funktioniert immer noch, überzeugt immer noch und kann, wie in dieser Serie, ihren Teil zu Sternstunden der Oper beitragen.
Das eine Kraftzentrum der Aufführung ist Sondra Radvanovsky als Floria Tosca. Die amerikanische Sopranistin gibt die Diva mit wunderbar aufblühendem, grosser, farbenreicher Stimme und überragender Bühnenpräsenz und Leidenschaft. Gerade im 2. Akt gewinnt die Aufführung eine Intensität, die sie über so viele andere hinaushebt. Jonas Kaufmann ist als Mario Cavaradossi immer noch sehr vorsichtig unterwegs. Die Vittoria-Rufe im zweiten Akt gelingen mehr als eindrücklich. Die beiden Arien im 1. und 3. Akt gelingen tadellos. Auf Grund von Kaufmanns häufigem Abdunkeln der Stimme fehlt beiden Arien das gewisse Etwas. Bryn Terfel braucht als Baron Scarpia etwas Anlauf, bis in seiner Interpretation das Dämonisch-Sadistische so richtig zur Geltung kommt. Der 2. Akt wird dann zum Höhepunkt des Abends. Brent Michael Smith als Cesare Angelotti, Valeriy Murga als Mesner, Martin Zysset als Spoletta, Aksel Daveyan als Sciarrone, Claire Schurter als Hirte und Benjamin Molonfalean als Un carceriere absolvieren ihre Rollen tadellos und sind eine würdige Ergänzung des Weltklasse-Ensembles.
Das andere Kraftzentrum des Abends ist der Graben, wo die Philharmonia Zürich unter musikalischer Leitung von GMD Gianandrea Noseda musiziert. Noseda hat die Partitur von allen schlechten Angewohnheiten der Tradition befreit und so ist quasi ein neue Oper zu hören. Auf einmal sind da einzelne Instrumente und Phrasen zu hören, die bislang eigentlich immer im «grossen Klang» untergegangen sind. Besonders eindrücklich und subtil geraten Passagen wie die Musik zum Auftritt Angelottis im ersten Akt oder die Einleitung zum dritten Akt.
Wieder eine Sternstunde der Oper!
Weitere Aufführungen:
Di. 20. Dez. 2022, 19.00; Do. 29. Dez. 2022, 19.00; So. 01. Jan. 2023, 20.00; Mi. 04. Jan. 2023, 19.00.
17.12.2022, Jan Krobot/Zürich

