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ZÜRICH/ Opernhaus: TOSCA – Derniere/ 6. Vorstellung

05.01.2023 | Oper international

Giacomo Puccini: Tosca • Opernhaus Zürich • Derniere: 04.01.2023

 (6.Vorstellung • Wiederaufnahme am 15.12.2022 • Premiere am 29.03.2009)

«Tosca, du lässt mich Gott (zum fünften Mal) vergessen!»

Mit einer weiteren, ausverkauften Vorstellung endet die Tosca-Serie dieser Saison. Geprägt war die Serie durch die Auftritte von Sondra Radvanovsky als Floria Tosca und Bryn Terfel als Baron Scarpia. Ein besonderes Lob geht an die Philharmonia Zürich unter GMD Gianandrea Noseda.

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Foto © Toni Suter

Ganz wesentlich zum grossen Erfolg dieser Tosca-Serie hat die Philharmonia Zürich unter ihrem GMD Gianandrea Noseda beigetragen. «Tosca» gehört zu jenen Werken, die auch Eindruck machen können, wenn sie nicht mit grösster Sorgfalt wiedergegeben werden. Werden sie aber so sorgfältig wie jetzt wiedergegeben und so engagiert dirigiert, potenziert sich die Wirkung. Die Philharmonia Zürich befindet sich in Höchstform und spielt so fokussiert, dass quasi ein neues Stück zu erleben ist. Diese Glanzleistung macht einerseits erst so richtig bewusst, welch grosser Musikdramatiker und Instrumentator Puccini war und ist andererseits Basis, damit die Leistung der Sänger vollumfänglich zu Geltung kommen kann.

Sondra Radvanovsky ist als Floria Tosca schlicht ein Ereignis. Sie geht, wenn sie auf der Bühne steht, völlig in der Rolle auf und entwickelt eine enorme szenische Präsenz und Glaubwürdigkeit. Die Stimme mit dem dunklen, metallischen Timbre und strahlenden Höhen trägt, ob Piano oder Forte, im ganzen Haus. Sie weiss die dramatische Attacke mit interpretatorische Raffinement und totalem Interpretationswillen einzusetzen, womit ihr, dafür steht ihr «Vissi d’arte», eine von ihren Kolleginnen momentan nicht erreichbare Interpretation gelingt. Yusif Eyvazov kann als Mario Cavaradossi mit einzelnen, kraftvoll lang ausgehaltenen Phrasen ansatzweise überzeugen. Aber nur ansatzweise, denn Vieles, wie zum Beispiel die Vittoria-Rufe, hat man in dieser Serie schon wesentlich eindrücklicher vernehmen können. In Sachen Bühnenpräsenz hat Eyvazov leider kaum etwas zu bieten. Einzelne Szenen «vergibt» er erschreckend grundlos. Den Auftritt Angelottis im 1. Akt kommentiert er gemäss Libretto mit der Phrase «Gente là dentro!» («Da ist jemand!»). Von dem selbst von der Musik nahegelegten Erschrecken durch das Geräusch des Schlosses in der von ihm leer geglaubten Kirche ist bei Eyvazov nichts zu erkennen. Als Angelotti in der Unterhaltung mit Cavaradossi (später im 1. Akt) Scarpia erwähnt, antwortet Cavaradossi: «Scarpia?! Bigotto satiro che affina colle devote pratiche la foia liberino…» («Scarpia?! Dieser bigotte Wüstling, der mit devotem Getue seine zügellose Lüsternheit beschönigt…»). Beängstigend wenig Applaus gab es für die beiden Hits «Recondita armonia» («Geheimnisvolle Harmonie») und «E lucevan’ le stelle» («Und es leuchteten die Sterne»). Bryn Terfel als Baron Scarpia hat in Sachen Bühnenpräsenz naturgemäss keine Probleme und ist auch an diesem Abend bestens bei Stimme. Wenn er sich im zweiten Akt vom Spiel Radvanovskys mitreissen lässt, läuft er zu Höchstform auf. Mit Brent Michael Smith als Cesare Angelotti, Valeriy Murga als Mesner, Martin Zysset als Spoletta, Aksel Daveyan als Sciarrone, Leandra Nitzsche als Hirte und Benjamin Molonfalean als Un carceriere sind auch die übrigen Rollen hervorragend besetzt und einstudiert.

Schade, dass die Serie bereits vorbei ist.

Keine weiteren Aufführungen in der Saison 2022/2023.

05.01.2023, Jan Krobot/Zürich

 

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