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ZÜRICH/ Opernhaus: TANNHÄUSER von Richard Wagner. Elisabeth im Leichenwagen. Premiere

22.06.2026 | Oper international

Richard Wagner: Tannhäuser • Opernhaus Zürich • Premiere: 21.06.2026

Elisabeth im Leichenwagen

Der neue Zürcher «Tannhäuser» vermag in erster Linie musikalisch zu begeistern. Die Inszenierung wird nur bei fortgeschrittenem Interesse an Psychologie wirklich klar.

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Foto © Herwig Prammer

«In seiner Neuinszenierung erzählt Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson «Tannhäuser» als eine Geschichte über Heimatlosigkeit. Gefangen im eigenen Bewusstsein begibt er sich auf eine Reise ins Innere zwischen Selbsttäuschung und Scheitern.» (Zitat aus dem Programmheft).

Der Zuschauer, der als «gebranntes Kind» vor der Vorstellung das Programmheft konsultiert und im Interview mit Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson vielleicht die Formulierung vom «Teufelskreis der permanenten Selbsttäuschung» entdeckt hat, ahnt rasch, was es mit den fliegenden weissen Männchen und der geköpften Statue auf sich hat. Arnarsson schildert Tannhäuser als rastlos Suchenden im Fiebertraum. Erna Mist hat dazu ein schlichtes Bühnenbild entworfen (mit einem Leichenwagen für den Auftritt des Landgrafen Herrmann und der fünf Sänger, die eine Elisabeth-Statue für Tannhäuser im Gepäck haben), Teresa Vergho ebensolche Kostüme (mit schräger Farbigkeit im Rahmen des Sänger-Wettstreits). Das Psychogramm der Titelfigur hat noch nicht die Konsequenz, die es haben könnte: an diesem Abend wirkt alles, vielleicht auf Grund der zahlreichen Rollendebüts, noch irgendwie stumpf. Die Choreographie der Chöre und des Statistenvereins am Opernhaus Zürich besorgt Sebastian Zuber, das Licht gestaltet Martin Gebhardt.

Das Orchester der Oper Zürich läuft unter der musikalischen Leitung von Tugan Sokhiev zu grosser Form auf. Die Streicher klingen wunderbar warm und samtig, die Blechbläser agieren bombensicher. Für diesen rauschhaften Wohlklang findet Sokhiev nicht immer die passenden Tempi; da er eher gemächliche Tempi wählt, brechen aufgebaute Spannungsbögen immer wieder zusammen. Was da aus dem Graben kommt, ist noch kein stimmiges Ganzes. Klaas-Jan de Groot hat den Chor der Oper Zürich einstudiert.

Christof Fischesser überzeugt als Hermann, Landgraf von Thüringen, mit sauberem, wohlklingendem Bass, bester Textverständlichkeit und überragender Bühnenpräsenz. Eric Cutler teilt sich bei seinem Debüt als Tannhäuser die Kräfte klug ein, so dass er auch die Rom-Erzählung ohne konditionelle Probleme durchsteht. Die Stimme scheint intensiven Proben indes in der Form Tribut zu zollen, dass sie immer wieder «nach hinten» rutscht und gaumig klingt. Die Diktion hat noch Verbesserungspotenzial. Christina Nilsson debütiert als Elisabeth am Hause. Die Stimme ist mehrheitlich gut geführt, neigt aber immer wieder, wenn Nilsson zu viel Kraft einsetzt, zu Schärfen. Beeindruckend ihr Wandel von der Statue zur Person und wieder zur Statue, wenn sie im zweiten Akt erkennen muss, dass sie «nur» der Hauptpreis des Sängerwettstreits ist. Emotionen sind beim ihrem Auftritt kaum auszumachen. Rachael Wilson debütiert als Venus und bietet technisch versiert ein solide Leistung. In den tieferen Registern neigt ihr voller Mezzosopran dazu dumpf zu klingen. Schlicht sensationell, ja Weltklasse ist der Wolfram von Eschenbach des Christian Gerhaher. Nicht nur dank seiner Erfahrung als Liedsänger werden seine Auftritte mit überragender Technik und perfekter Diktion zum unumstrittenen Höhepunkt des Abends. Die vier Rollendebütanten Andrew Moore als Biterolf, Johan Krogius als Walther von der Vogelweide, Nathan Haller als Heinrich der Schreiber und Brent Michael Smith als Reinmar von Zweter überzeugen mit gut fokussierten Stimmen und überragender Spielfreude. Yewon Han debütiert erfolgreich und ansprechend als junger Hirt.

Vielleicht gewinnt die Inszenierung mit den zukünftigen Aufführungen noch an Profil.

Weitere der Saison 2025/2026: Mi. 24. Juni 2026, 18.00; Sa. 27. Juni 2026, 18.00; Do. 02. Juli 2026, 18.00; So. 05. Juli 2026, 18.00;

Mi. 08. Juli 2026, 18.00; Sa. 11. Juli 2026, 17.30.

Weitere Aufführungen der Saison 2026/2027: Sa. 26. Sept. 2026, 18.30; So. 04. Okt. 2026, 17.00; Fr. 09. Okt. 2026, 18.00; Di. 13. Okt. 2026, 18.00.

24.06.2026, Jan Krobot/Zürich

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