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ZÜRICH/Opernhaus: Sergej Rachmaninow: Rachmaninow – Die drei Opern ALEKO, SKUPOI RYTSAR & FRANCESCA DA RIMINI• Premiere

02.11.2026 | Oper international

Sergej Rachmaninow: Rachmaninow – Die drei Opern Aleko, Skupoi Rytsar & Francesca da Rimini • Opernhaus Zürich • Premiere: 01.11.2026

Die Neuproduktion «Rachmaninow – Die drei Opern» wird aufgezeichnet und am 18. November schweizweit live gestreamt

Drei Opern? Oder doch nur eine? Oder zwei?

Das Opernhaus Zürich zeigt alle drei Opern Rachmaninows an einem einzigen Abend. Das Resultat ist eine eindrückliche Leistungsschau.

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Foto © Monika Rittershaus

Das Opernschaffen Sergej Rachmaninows ist überschaubar. Drei Opern hat er geschrieben, «Aleko» (Entstehung 1892), «Der geizige Ritter» (Entstehung 1903-1904) und «Francesca da Rimini» (Entstehung 1900-1904). Alles Einakter, jede Oper von ungefähr einer Stunde Dauer. Und alle innerhalb einer verhältnismässig kurzen Zeitspanne entstanden. Dies hat die Verantwortlichen auf die Idee gebracht, alle drei Opern an einem Abend zu spielen. Dem Habitué kommt hier natürlich Puccinis «Il trittico» in den Sinn: Eine Trilogie dreier, stark kontrastierender Einakter von je etwa einer Stunde Dauer, die Puccini lose unter diesem Titel zusammengefügt hat. So weit, so gut. Wenn nun aber, wie der Regisseur Dmitri Tcherniakov im Programmheft zur Inszenierung anmerkt, dass alle drei Opern Rachmaninows völlig unterschiedliche Werke sind und ausser dem Namen des Komponisten nichts gemeinsam haben: Warum erzählt er dann alle drei Opern aus der Perspektive eines alten Mannes, des Barons aus «Der geizige Ritter»? Warum setzt er die Idee der Vereinheitlichung, «Der geizige Ritter» als Mittelstück des Abends wird durch die Pause auseinandergerissen, nicht konsequent um? Der Besetzungszettel und die Inhaltsangaben weisen drei Opern aus: auf der Bühne ist das nicht nachvollziehbar. In der Pause ist wiederholt Verwirrung zu vernehmen.

Ausgangspunkt der Inszenierung Tcherniakovs ist also «Der geizige Ritter» und dessen Hauptfigur, aus deren Sicht die Opern erzählt werden. Der Baron lässt in einer Altersresidenz (Bühnenbild: Dmitri Tcherniakov; Kostüme: Elena Zaytseva; Video: Tieni Burkhalter) sein Leben, die Enttäuschungen seines Lebens, noch einmal Revue passieren:  die erste enttäuschte Liebe («Aleko»), der Bruch mit dem Sohn («Der geizige Ritter») und eine weitere enttäuschte Liebe («Francesca da Rimini»). Diese Geschichten lässt er nun von seinen Mitbewohnern nachspielen. (Die Maskenbildnerei (Wolfgang Witt, Judith Janser, Gabriele Basler, Ewelina Guzewicz) leistet hier mit der Herrichtung der Mitglieder des Statistenverein am Opernhaus Zürich schlicht überragende Arbeit). Hier zeigen sich nun die Probleme von Tcherniakovs Ansatz: Wenn ein Umzugskarton mit alten Kleidern und ein Haufen ungeordneter Papiere die Schätze des Barons sind, funktioniert einiges nicht. Welches Interesse soll sein Sohn Albert an diesen «Schätzen» haben? Damit fehlt eine direkt nachvollziehbare Motivation des Duells zwischen Vater und Sohn. Das im Original tödliche Duell wird hier zur Bewusstlosigkeit, damit der Baron auch «Francesca da Rimini» noch erleben kann. Dann stellt sich die Frage, wie der Baron seine Mitbewohner dazu bringt, die Ereignisse von «Aleko» nachzuspielen. Geld und Gold hat er ja nicht und so etwas wie natürlich «Autorität» ist auch nicht auszumachen. Wenn der Baron am Ende von «Der Geizige Ritter» aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, folgt mit «Francesca da Rimini» in grellem Licht (Lichtgestaltung: Gleb Filshtinsky) ein Gang in die Hölle. Hier wird nun (gewollt oder nicht?) vieles unklar, alles beginnt sich aufzulösen und mit den drei Drehbühnen (in Form konzentrischer Kreise) kann die Bühnentechnik zeigen, was möglich ist.

Die Idee alle drei Werke Rachmaninows an einem Abend aufzuführen, hat auf jeden Fall etwas für sich (bis jetzt waren die Werke in ihrer Gesamtheit erst einmal, vor elf Jahren, am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, zu erleben). Hat man einen Dirigenten wie den gerade mit dem italienischen Verdienstorden «Grand’Ufficiale» ausgezeichneten GMD Gianandrea Noseda, der jedes der Werke bereits eingespielt hat, zu Verfügung, ist dies geradezu ein Muss. Wenn die drei Opern aber völlig unterschiedliche Werke sind und ausser dem Namen des Komponisten nichts gemeinsam haben, ist weder ein Notwendigkeit gegeben noch ein Sinn auszumachen, sie in ein solches szenisches Korsett zu zwängen.

Musikalisch ist der Abend äusserst interessant, denn ist in «Aleko» noch deutlich die Spätromantik zu erkennen, weisen «Der geizige Ritter» und «Francesca da Rimini» schon weit ins 20. Jahrhundert voraus. GMD Gianandrea Noseda ist mit der Erfahrung von 10 Jahren als Principal Guest Conductor am Mariinski-Theater von St. Petersburg der ideale Dirigent für diesen Abend und kann die enorme musikalische Vielfalt perfekt entfalten. Ob dramatische Ausbrüche oder intime Momente, das überragende Orchester der Oper Zürich folgt ihm mit brennender Leidenschaft und beeindruckender Spielfreude.

Der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Klaas-Jan de Groot) verlässt für diese Produktion die Bühne und ist auf den Seiten des 2. Rangs postiert. Das ergibt ein akustisch geradezu überwältigendes Klangbild. So präsent, und vor allem so homogen und so satt, hat man den Chor noch nie gehört.

Sängerensemble ist exquisit und fast ausnahmslos mit Muttersprachlern besetzt. Der prägende Sänger des Abends ist Vladislav Sulimsky als Baron, Aleko und Lanciotto Malatesta. Es gelingt ihm in beeindruckender Art und Weise plastische und glaubwürdige Charaktere zu formen. Durch die Konzeption des Abends ist Elena Stikhina als Zemfira und Francesca in dem Körper einer alten Frau gefangen. Bekhzod Davronov überzeugt in den Rollen der Liebhaber (Ein junger Zigeuner und Paolo): gespannt darf man seinen Alfredo erwarten. Dmytro Popov gibt einen leidenschaftlichen Albert. Auch die übrigen Rollen sind mit Ain Anger als Alter Mann und Vergil, Dominika Stefańska als Alte Frau, Pavel Yankovsky als Der Herzog, Alexey Dolgov als Geldverleiher und Dante sowie Stanislav Vorobyov als Iwan luxuriös besetzt.

Ein denkwürdiger Abend.

Weitere Aufführungen:
Mi. 4. Nov. 2026, 19.00; So. 8. Nov. 2026, 19.30; So. 15. Nov. 2026, 19.30; Mi. 18. Nov. 2026, 19.00;
Sa. 21. Nov. 2026, 19.00; Sa. 28. Nov. 2026, 19.00.

03.11.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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