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ZÜRICH/ Opernhaus: SCYLLA ET GLAUCUS von Jean-Marie Leclair im Rahmen von Zürich Barock

28.03.2026 | Oper international

Jean-Marie Leclair: Scylla et Glaucus • Opernhaus Zürich • Premiere: 27.03.2026

Im Rahmen von Zürich Barock

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Eine lohnende Begegnung mit einer interessanten Rarität

Die zweite Premiere des Festivals «Zürich Barock» eröffnet das zweite Wochenende des Festivals und bringt dem Publikum eine Rarität des französischen Barock und nach langen Jahren ein Wiedersehen mit dem Regisseur Claus Guth. Leclairs «Scylla et Glaucus» dürfte 1986 das letzte Mal szenisch zu erleben gewesen sein. Auf dem CD-Markt ist das Werk mit vier Einspielungen hingegen äusserst gut vertreten.

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Foto: Oper Zürich

Claus Guth (Inszenierung) bietet, wie zu erwarten, kein «Kostümfest», sondern arbeitet die zeitlose Thematik, die Widersprüche und Probleme der Liebe, der Tragédie Lyrique nach Ovids Metamorphosen stringent und klar heraus. Zeit und Ort der Handlung sind nicht mehr das antike Sizilien, sondern das Internat des «Lycée Jean-Marie Leclair» in einer nicht näher bestimmten Gegenwart.  So wird die Geschichte von Scylla und Glaucus klar verständlich. Scylla verweigert sich Glaucus, bis dieser Hilfe bei der Zauberin Circé sucht. Circé verliebt sich dann ihrerseits in Glaucus, und, weil Glaucus seiner Scylla, die ihn zwischenzeitlich endlich erhört hat, treu bleibt, befördert Circé von glühender Eifersucht getrieben Scylla ins Jenseits (beziehungsweise verwandelt in Ovids Original in ein Meeresungeheuer an der Strasse von Messina).

Etienne Pluss (Bühnenbild) zeigt dazu auf der Bühne die Bibliothek, die Turnhalle und ein Schulzimmer des Internats. Die Lichtgestaltung von Martin Gebhardt bietet mit dem Einbezug einzelner Putten an den Brüstungen der Logen doch noch etwas «klassisches» Theater. Die Kostüme von Ursula Kudrna orientieren sich dem Setting entsprechend an Schuluniformen und für das Fest der Liebe von Scylla und Glaucus an farbenfrohem Casual englischer Upperclass. Der seit längerer Zeit festzustellende Einbezug unpassender Tanzformen zu jeder sich bietenden unpassenden Gelegenheit ist auch hier zu konstatieren.

Unter der musikalischen Leitung von Emmanuelle Haïm läuft ihr Ensemble Le Concert d’Astrée im hochgefahrenen Graben zu grosser Form auf, musiziert exquisit und lässt Leclairs stilistisches Charakteristikum, die «goûts réunis» als Anreicherung des französischen Stils mit italienischen Elementen, mit nobler Eleganz ohrenfällig werden. Die als Chor eingesetzte Zürcher Sing-Akademie beeindruckt mit der sportlichen Umsetzung der Bewegungschoreographie, vermag aber mit trockenem, stumpfem Klang und uninspiriertem Spiel nicht wirklich zu überzeugen.

Chiara Skerath begeistert als Circé mit schönem, rundem, klarem und lebendig geführtem Sopran. Elsa Benoit gibt die Scylla mit klarem, zu leichten Schärfen neigendem Sopran mit einigem Vibrato. Rundum überzeugend gelingt der Glaucus von Anthony Gregory: die Stimme ist mit wohl dosierter Kraft geführt und punktet mit Wohlklang und guter Textverständlichkeit. Gwendoline Blondeel gibt Scyllas Vertraute Témire mit überzeugender Natürlichkeit, Jehanne Amzal gibt Circés Vertraute Dorine mit sympathischer Stimme. Glaucus Vertrauter Licas kommt in der Aufführungsfassung Opernhaus Zürich 2026 nicht vor. Der Schäfer und der Waldgeist sind aus dem Chor besetzt.

Eine lohnende Begegnung mit einer interessanten Rarität.

Weitere Aufführungen:

Di. 31.03.2026, 19.00; Do. 02.04.2026,19.00; Mo. 06.04.2026, 19.30; Do. 30.04.2026, 19.30;

Sa. 02.052026, 19.00.

 

29.03.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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