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ZÜRICH/ Opernhaus: ROMÉO ET JULIETTE. 3, Vorstellung – Unnachahmlichen Schlichtheit in gedecktem Türkis

17.04.2023 | Oper international

Charles Gounod: Roméo et Juliette • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 16.04.2023

(3. Vorstellung • Premiere am 10.04.2023)

Unnachahmlichen Schlichtheit in gedecktem Türkis

Ted Huffmans Inszenierung und die Choreographie von Pim Veulings haben nichts von ihrem Charme eingebüsst. Dazu kommen Gounods unsterbliche Klänge.

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Foto © Herwig Prammer

Mit dem Kunstgriff des Prologs befreien die Librettisten Jules Barbier und Michel Carré den Komponisten davon, sich in der Oper weiter der Familienfehde widmen zu müssen. So kann sich Gounod ganz auf die beiden Liebenden konzentrieren. Regisseur Ted Huffman übernimmt diese Fokussierung für seine Arbeit und spitzt sie weiter zu, in dem er die Geschichte nüchtern in der Gegenwart verortet. Andrew Liebermans Bühnenbild schliesst sich dieser Fokussierung an und so lenkt nicht das kleinste Detail von den beiden Hauptfiguren ab. Ein Stuhl pro Person muss reichen. Der Ball, auf dem die beiden Liebenden das erste Mal aufeinandertreffen ist, so Huffman im Programmheft, «einer von diesen Gesellschaftsbällen, die wir in den USA «Cotillion» nennen. Es ist ein ziemlich altmodisches Ritual, das wir heute aber noch immer pflegen». Zieht man nun in Betracht, dass viele der ersten Siedler Religionsflüchtlinge waren, Gruppen, die innerhalb des Spektrum der Revolution noch als extrem galten, passt das Bühnenbild in seiner unnachahmlichen Schlichtheit in gedecktem Türkis doch ideal in ein konservatives Amerika.

Benjamin Bernheim kann als Roméo erneut einen Triumph einfahren. Die Stimme sitzt perfekt und trägt im ganzen Haus, ist ausgesprochen agil, farbenreich und mit einem Quäntchen Metall gesegnet. Kurz gesagt: sie hat das gewisse «Etwas». Julie Fuchs hat sich als Juliette an diesem Abend deutlich gefangen. Ihre Stimme trägt besser, die Töne sind nicht mehr ganz so flüchtig. In Sachen Bühnenpräsenz ist sie ihrem Partner ebenbürtig. Brent Michael Smith gibt den Frère Laurent mit wie gewohnt bestens geführtem, sonorem Bass, David Soar mit ebensolchem den Grafen Capulet. Mit Yuriy Hadzetskyy als Mercutio, Svetlina Stoyanova als Stéphano, Omer Kobiljak als Tybalt und Katia Ledoux als Gertrude sind auch die kleineren Rollen ausgezeichnet besetzt. Valeriy Murga als Le Duc de Vérone, Andrew Moore als Le Comte Paris, Jungrae Noah Kim als Gregorio und Maximilian Lawrie als Benvolio ergänzen das Ensemble.

Roberto Forés Veses (Musikalische Leitung) hat das Geschehen gut im Griff. Noch besser wäre es, wenn er alle Beteiligten zu etwas weniger purer Lautstärke bewegen könnte. Die Philharmonia Zürich profitiert von ihrer Vorbereitung aufs französische Fach durch Lakmé. Der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger) besticht mit sattem Klang und grosser Spielfreude.

Weitere Aufführungen:

Sa. 22. April 2023, 19.00; Di. 25. April 2023, 19.00; Fr. 28. April 2023, 19.30; Do. 04. Mai 2023, 19.00;

So. 07. Mai 2023, 13.00; Sa. 13. Mai 2023, 19.00; Do. 18. Mai 2023, 19.30.

17.04.2023, Jan Krobot/Zürich

 

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