Gaëtano Donizetti: Roberto Devereux • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 22.02.2023
(5. Vorstellung • Premiere am 05.02.2023)
«Vaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!»
Der Text der Schlüsselstelle des Libretto liest sich ganz unspektakulär: «Va, la morte sul capo ti pende» («Der Tod schwebt über deinem Haupt»). In der deutschen Übersetzung wird das «Va» wie ein Füllwort «Ah!» oder «Ohime!» gar nicht erst übersetzt. Nun kann man diese Phrase entsprechend beiläufig singen. Nicht so aber Elena Moşuc (Elisabetta): Mit der archaischen Urkraft einer verletzten Seele verurteilt sie ihren Günstling Roberto Devereux zum Tode. In ihrer Funktion als Königin, ja man kann die Krone auch tragen, ist sie der Fels in der Brandung und steigt zur Urteilsverkündung auf selbigen.

Foto © Elena Moşuc
Moşuc ist an diesem Abend noch mehr mit der Rolle der Elisabetta verschmolzen: Mit stupender Technik und rasanten Koloraturen, fulminanten hohen Tönen und tiefen Tönen von beeindruckender Substanz unterstreicht sie den gebrochenen Charakter Elisabettas noch deutlicher. Mit ihrer von einer natürlichen Aura geprägten Bühnenpräsenz wird der gebrochene Charakter immer deutlicher, bis sie in der grandiosen Schlussszene jeglicher Macht entsagt, Verzicht übt und, wenn sie zum Zusammenbruch auf den Felsen klettert damit auch alle drückende Last los wird.
Konstantin Shushakov scheint immer mehr in die Rolle des Duca di Nottingham hineinzuwachsen und überzeugt mit seinem agilen, bestens geführten Bariton. Anna Goryachova als Sara und Stephen Costello als Roberto Devereux werden beiden als leicht erkältet angesagt. Von den Erkältungen ist aber nicht wirklich etwas zu vernehmen; die Leistungen bewegen sich im gewohnten Rahmen. Andrew Owens und Brent Michael Smith geben die Höflinge Lord Cecil und Sir Gualtiero Raleigh. Aksel Daveyan als Page, Gregory Feldmann als Vertrauter Nottinghams und Francesco Guglielmino als Henker ergänzen das Ensemble.
Enrique Mazzola lässt Moşuc weiterhin genug Zeit für die Verzierungen und Koloraturen. An anderen Stellen treibt er die Philharmonia weiterhin vor sich her. Die Philharmonia Zürich begeistert weiterhin mit ihrem hochkonzentrierten, wunderbar gefühlvollen Musizieren. Mit wunderbarem Wohlklang trumpft der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Janko Kastelic) auf.
Ein weiterer, grossartiger Abend!
Weitere Aufführungen:
Mit Elena Moşuc: So. 26. Feb. 2023, 19.30;
Sa. 04. März 2023, 20.00; Di. 07. März 2023, 19.00; Fr. 17. März 2023, 19.00.
23.02.2022, Jan Krobot/Zürich

