Gaëtano Donizetti: Roberto Devereux • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 26.02.2023
(6. Vorstellung • Premiere am 05.02.2023)
Aller guten Dinge sind drei
Aller guten Dinge sind drei – wobei das Dritte nicht zwingend das Beste sein muss. Nach sechs Vorstellungen pausiert die Serie nun für eine Woche.

Foto © Elena Moşuc
Die Inszenierung (David Alden) gewinnt mit wiederholtem Sehen Schlüssigkeit. Interessanter als das im Programmheft breit abgehandelte, verschiebbare architektonische Element ist der Felsen, der prominent am Anfang, für die Urteilsverkündung und am Schluss erscheint (Bühnenbild und Kostüme: Gideon Davey). Damit ist sowohl Elisabeths Bedeutung als epochale Regentin, als Fels in der Brandung, wie auch die Last, die sie als Person wie auch als Regentin tragen muss, treffend charakterisiert. Der kühle, weisse Marmorraum ist als Einheits-Bühnenbild die Klammer zu den anderen Stücken der Tudor-Trilogie.
Elena Moşuc ist als Elisabetta I. ist im Moment ein Klasse für sich. Nach anfänglichen, kaum vernehmbaren Intonationstrübungen findet sich rasch in die Partie und singt auf dem hohen, für sie charakteristischen Niveau. Mit jeder Vorstellung taucht sie tiefer in die Rolle ein und gestaltet sie intensiver. Sie nutzt alle Farben ihrer Stimme und die ganze Skala von Pianissimo bis Forte, eingeschlossen ein hohes D als Krönung. Auch der eine oder andere hässliche Ton gehört dazu – aber bewusst, kontrolliert und stilistisch korrekt eingesetzt. Wenn Moşuc jede Facette der zutiefst gekränkten, verletzten, wütenden, aber auch traurigen und verbitterten alternden Königin zeigt, bereitetet sie dem Publikum wiederholt (positive) Gänsehautmomente. Konstantin Shushakov als Duca di Nottingham mit seinem frei strömendem, agilen, kernigen Bariton kommt mit dieser Donizetti-Partie deutlich besser zurecht als vor geraumer Zeit mit dem Dottore Malatesta. In dieser Verfassung freut man sich auf ein Wiederhören. Anna Goryachova gibt mit ihrem weichen, warmen Mezzosopran die Sara. Manchmal etwas gar laut beeindruckt sie das Publikum mit ihrem intensiven Spiel. Stephen Costello bietet an diesem Abend als Roberto Devereux Belcanto allererster Güte und eine perfekt ausgeglichene Interpretation seiner Rolle. Die Stimme sitzt weitgehend perfekt, nur bei den höchsten Tönen ist eine leichte Anstrengung zu vernehmen. Mit wunderschönem Legato gestaltet er seine grosse Arie mit faszinierenden Farben und Nuancen. In den Duetten versteht er es perfekt, auf die Partner einzugehen und mit ihnen zu verschmelzen.
Enrique Mazzola (Musikalische Leitung) hat manche Stellen der Partitur perfekt herausgearbeitet. Moşuc lässt er nun weitgehend die notwendige Zeit um ihre Rolle zu gestalten, andere Stellen gestaltet er aber immer noch zu rasch. Die Philharmonia Zürich findet an diesem Abend zahlreiche unerwartet kreative Töne.
Für Moşuc war die dritte, szenische Vorstellung die Beste. Für Andere nicht unbedingt.
Weitere Aufführungen: Sa. 04. März 2023, 20.00; Di. 07. März 2023, 19.00; Fr. 17. März 2023, 19.00.
03.03.2022, Jan Krobot/Zürich

