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ZÜRICH/ Opernhaus: RIGOLETTO von Giuseppe Verdi. Es geht etwas aufwärts!

28.12.2025 | Oper international

Giuseppe Verdi: Rigoletto • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 27.12.2025

(3. Vorstellung • Wiederaufnahme: 20.12.2025 • Premiere am 03.02.2013)

Es geht etwas aufwärts

Musikalisch geht es etwas aufwärts: Der Eindruck der aktuellen Serie ist aber immer noch durchwachsen.

igo
Foto © Toni Suter

Zu Tatjana Gürbacas Inszenierung wurde bereits alles gesagt. Dem gibt es höchstens hinzuzufügen, dass die Auslastung auf ihr baldiges Ende hindeuten könnte.

Francesco Ivan Ciampa hat die musikalische Leitung des Abends inne. Das Dirigat ist weiter inkonsistent: Berückend interpretierte Stellen wechseln sich mit eher konturlosen Momenten, so zum Beispiel dem Orchestervorspiel, uns sehr rustikal interpretierten Nummern ab. Die Lautstärke bewegt sich immer noch im oberen Grenzbereich. Das Orchester der Oper Zürich präsentiert sich erneut in blendender, ja überragender Verfassung. Jede der Instrumentengruppen überzeugt mit frischem, virtuosem, höchst wohlklingendem Spiel. Der Chor der Oper Zürich (Einstudierung: Klaas-Jan de Groot) überzeugt musikalisch und widmet sich in bewundernswerter Hingabe den so häufig das Kind im Mann/in der Frau fordernden szenischen «Ansprüchen» des Abends.

Liparit Avetisyan (Duca di Mantova) gelingt der Abend etwas besser als die Wiederaufnahme. Klingt die Stimme im ersten Akt wie ein Lirico spinto, geht sie ab dem zweiten Akt des Spinto wieder verlustig und hat zu kämpfen nicht unterzugehen. So ist der Ruf der Liebe (Cabaletta «Possente amor mi chiama»/«Mächtig ruft mich die Liebe») noch nicht so mächtig, wie man es erwarten dürfte. Ein Stilbewusstsein ist zu erkennen, vermag aber nicht sich vollumfänglich durchzusetzen. Das Vibrato ist und bleibt Geschmacksache und die Intonation und Diktion sind stellenweise immer noch unsauber. Luca Salsis Interpretation des Rigoletto erweckt auch an diesem Abend einen noch immer erstaunlich uneinheitlichen Eindruck: die einzelnen Auftritte wirken noch «unverbunden». Einzelne Nummern wie das «Pari siamo» («Wir sind uns ähnlich») oder das «Cortigiani, vil razza dannata» («Höflinge, verdammte, niederträchtige Sippe») gelingen perfekt. Zu einem grossen Ganzen wollen sie sich aber noch nicht zusammenfügen. Nina Minasyan gelingt die Gilda an diesem Abend besser als in der Wiederaufnahme. Im «Caro nome» («Teurer Name») kommen die Höhen nun sicher und sauber. Eher marginal sind die Emotionen. Der Applaus verhält sich hier in Grenzen. Im Verlauf des Abends verliert die Stimme an Fundament und neigt verstärkt dazu, zugedeckt zu werden.

Für die weiteren Rollen gilt, was schon zur Wiederaufnahme gesagt wurde. Brent Michael Smith begeistert mit einer rundum gelungenen Darstellung des Sparafucile. Sein charakteristischer Bass trägt im ganzen Haus, passt mit seiner dunklen Farbe bestens zur Rolle und gibt ihm so die Möglichkeit zu gestalten. Yajie Zhang gibt ein stimmlich tadellose, szenisch aber eher zurückhaltende Maddalena. Cashlin Oostindië aus dem Internationalen Opernstudio gibt mit tadellos geführtem, gut fokussierten Mezzo die Giovanna. Eine Entdeckung ist Hausdebütant Trevor Haumschilt-Rocha als Conte di Monterone. Endlich ein Monterone, der die Tiefen seiner Partie tadellos meistert und mit seiner Stimme der Figur so Charakter verleiht, dass sein Begehren mit dem Duca zu sprechen nicht schon von Anfang an aussichtslos wirkt! Steffan Lloyd Owen gibt mit klarem, gut fokussiertem Bariton den Marullo. Salvador Villanueva Zuzuarregui und Evan Gray sind für Borsa und den Conte di Ceprano Luxusbesetzungen. Flavia Stricker überzeugt als Contessa di Ceprano mit klarem, perfekt fokussiertem Sopran. Karima El Demerdasch als Paggio della Contessa und Guram Margvelashvili als Usciere ergänzen das Ensemble.

Es bleibt weiter Luft nach oben.

Weitere Aufführungen: Do 01. Jan. 2026, 19.00; So 04. Jan. 2026, 20.00.

29.12.2025, Jan Krobot/Zürich

 

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