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ZÜRICH/ Opernhaus: Opera goes Pop • Opera goes Musical • Opera goes Folk. 2. Vorstellungen

31.05.2021 | Operette/Musical

Opera goes Pop • Opera goes Musical • Opera goes Folk, Opernhaus Zürich, Vorstellungen: 30.05.2021

 (2. Vorstellungen • Premieren am 27.05.2021 • 28.05.2021 • 29.05.2021)

Zum reichhaltigen Corona-Programm, dem, was unter den geltenden Bedingungen möglich ist, gehören auch drei Abende, an den die Solisten mit einem individuell zugeschnittenen Programm die engen Fachgrenzen überschreiten.

«I will always love you»

Die Liebesbezeugung der ersten Zugabe von Katia Ledoux beruht auf absoluter Gegenseitigkeit. Das Publikum hat die Mezzosopranistin aus dem Internationalen Opernstudio längst ins Herz geschlossen und sich von den Sitzen reissen lassen. Während der unerkannt gebliebenen zweiten Zugabe wird das Publikum in den coronakonform lichten Reihen des Parketts TANZEN.

Ledoux strahlt schon beim Auftritt eine positive Energie aus, die sofort gefangen nimmt. Ihr Charme füllt das ganze Haus und sie strahlt souveräne Lockerheit aus. Mit ihrem Programm, das sich um die Liebe dreht, nimmt sie den Zuhörer auf eine Weltreise ungeahnten Ausmasses mit. Es ist eine Stimme zu erleben, deren Qualitäten, Vielfalt, Wandelbarkeit dem Kritiker fast die Worte raubt. Ledoux beginnt ihr Programm mit Christoph Willibald Gluck: «Ahi mè dove trascorsi…» / «Che farò…». Satte Tiefen wechseln sich mit einer wunderbaren Mittellage und strahlenden Höhen ab. Und dann werden mit «Fallin’» von Alicia Keys zum ersten Mal Grenzen überschritten. Die Weltreise für dann über Spanien («L’amour youkalie» von Georges Bizet/Kurt Weill und «Près des remparts de Séville» Georges Bizet), Südafrika («Malaika» von Miriam Makeba), Südamerika («Yo soy Maria» von Astor Piazzolla), die USA und die Erkenntnis «Elvis singt auch Oper» («Elvis 1785/Can’t Help Falling in Love» von Elvis Presley/Jean-Paul-Égide Martini und «Happy» von Pharrell Williams), England («Creep» von Radiohead) und Deutschland («Gretchen am Spinnrade» D 118 von Franz Schubert) zurück nach Frankreich («Ma plus belle histoire d’amour» von Barbara). Die Weltreise wurde für das Publikum zu seiner schönsten Liebesgeschichte im Opernhaus. Wann hat man je einen solchen Abend erlebt? Eine Sängerin, die ohne Probleme und Einbussen die verschiedensten Stile kombinieren kann und den Abend auch gleich noch selbst in perfektem Deutsch moderiert? Die luxuriöse Begleitung durch vier Instrumentalisten, Anna Hauner (Klavier), Jonathan Allen (Violine), Didier Chevallier (Schlagzeug) und Dieter Lange (Kontrabass), die in der Pause eine Instrumental-Version von «Rocket Man» von Elton John und jeder für sich schon ein Sensation sind?

Opera goes Musical

Drei Solisten, Irène Friedli (Mezzosopran), Thomas Erlank (Tenor) und Andrew Moore (Bassbariton), bestreiten, begleitet von Matthew Ottenlips am Flügel, das Programm Oper goes Musical:

Drei Lieder op. 27: «Ruhe, meine Seele», «Heimliche Aufforderung» und «Morgen» (Richard Strauss / John Henry Mackay)

Let us garlands bring op. 18: «Come Away, Come Away, Death», «Who Is Silvia?», «O Mistress Mine» und «It Was a Lover and His Lass» (Gerald Finzi)

5 Lieder: «Liederseelen», «Nachruf», «Nachtgeräusche», «Die Sternseherin» und «Das Ende des Festes» (Othmar Schoeck)

Sewe Boerneef-Liedjies: «Doer bo teen die Rant», «My koekiesverrhen jou verkereveer» und «Aandblom is ‘n witblom» (Pieter De Villiers)

«The Impossible Dream» (aus: Man of La Mancha von Mitch Leigh)

3 Lieder: «Nanna’s Lied», «Und was bekam des Soldaten Weib?» und «Wie lange noch?» (Kurt Weill)

«The Music of the Night» (aus: The Phantom of the Opera von Andrew Lloyd Webber)

«Everybody Says Don’t» (aus: Anyone Can Whistle von Stephen Sondheim)

«I am what I am» (aus: La Cage aux Folles von Jerry Herman)

Alle drei Solisten zeigten sich in Höchstform und wussten ihre Beiträge stilgerecht zu präsentieren. Besonders beeindruckte Andrew Moore mit seinem kernigen Bassbariton in den locker leicht dargebotenen Musical-Beiträgen.

Opera goes Folk

So, wie «Opera goes Pop» eine emotionale Herausforderung war, war «Opera goes Folk» eine emotionale Herausforderung. Das von der Mezzosopranistin selbst kuratierte Programm wurde von Yulia Levin am Klavier begleitet auf Wunsch Uzuns von Rita Böhmer moderiert:

«O leggiadri occhi belli» (Anonym)

«Amarilli» (Giulio Caccini)

«Se tu m´ami» (Giovanni Battista Pergolesi)

«Cuatro madrigales amatorios» (Joaquín Rodrigo)

Chants Populaires: «Chanson écossaise», «Chanson espagnole», «Chanson italienne» und «Chanson hébraïque» (Maurice Ravel)

Trois Chansons: «Nicolette», «Trois beaux oiseaux du Paradis» und «Ronde» (Maurice Ravel)

«Vocalise-étude en forme de habanera» (Maurice Ravel)

Spanische Lieder op. 100: «Farewell, Granada», «Little Stars» und «First Meeting» (Dmitri Schostakowitsch)

«A rossz feleség», «Magos kösziklának» und «Cigány nota» (Zoltán Kodály)

Uzun beeindruckte mit ihrem souverän geführten, eleganten Mezzosopran. Man freut sich, sie in der kommenden Saison als Lola in «Cavalleria Rusticana» zu erleben.

Fazit

Es ist klar, dass in Corona-Zeiten ein regulärer Programm-Verkauf oder das Auflegen von Gratis-Programmen zur Selbstbedienung nicht in Frage kommen. Es sollte aber auch bei Kurzarbeit kein Problem sein, die Texte aufzubereiten und im Internet zum Download zu Verfügung zu stellen. Nicht jeder Zuhörer spricht Holländisch, Ungarisch oder Spanisch.

Keine weiteren Aufführungen geplant.

31.05.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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