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ZÜRICH/ Opernhaus: MONSTER’S PARADISE von Olga Neuwirth. Schweizerische Erstaufführung/ Premiere

09.03.2026 | Oper international

Olga Neuwirth: Monster’s Paradise • Opernhaus Zürich • Premiere: 08.03.2026

Koproduktion mit der Staatsoper Hamburg und der Oper Graz
Schweizerische Erstaufführung

Ein Abend, der im Gedächtnis bleibt

Das Opernhaus Zürich begeht den Weltfrauentag 2026 mit der Schweizerischen Erstaufführung von «Monster’s Paradise». Das Stück beeindruckt. Durch seine totale Reizüberflutung. Nicht durch seine Botschaft.

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Foto © Monika Rittershaus

Was «Monster’s Paradise» bleibt, ist der Eindruck der totalen Reizüberflutung. Die Botschaft bleibt unklar. Geht es wirklich um den drohen Untergang der Welt? So nachvollziehbar verletzend und demütigend die persönliche Erfahrung der Mechanismen von Macht und Gier (in Form der früher die «Klassik-Welt» beherrschenden Männer) für die beiden Künstlerinnen (als, wie es Neuwirth in ihrem Interview mit dem Tages-Anzeiger (Bezahl-Artikel: https://www.tagesanzeiger.ch/olga-neuwirth-komponistin-zeigt-politgroteske-in-zuerich-511527294690) formuliert, «Geschichte der Absagen») war: von diesen Tatsachen (individuelle Abgründe der Macht) anhand des Werks auf die allgemeinen Abgründe der Macht zu schliessen, fällt schwer, da beide Ebenen, in der erwähnten totalen Reizüberflutung kulminierend, massiv überzeichnet sind. Dazu zählt, dass die Hauptfigur, der von zwei narzisstisch-opportunistischen Jasagern umgebene «König-Präsident» so genau gezeichnet ist, dass er nicht mehr als Symbol-Figur gesehen werden kann. Die zweite Haupt-Figur, das Monster «Gorgonzilla», kann in seiner (relativen) Unbestimmtheit besser, die nötige Phantasie beim Betrachter vorausgesetzt, als Symbolfigur dienen. Die Stilmittel der Überzeichnung, Verallgemeinerung und Verfremdung scheinen sich hier kontraproduktiv auszuwirken. «Im Musiktheater könne sie [Neuwirth] alles zusammen denken, sagt sie, was sie an Genderfragen, Klimakatastrophen, Kindesmissbrauch, Antisemitismus, Punk und Flower-Power, Feminismus, Instrumentalklang, Gesang, Samples, Live-Elektronik und der Kraft von Musik je interessiert habe» (aus dem Text des erwähnten Interviews). Dieser Ballung an Kreativität zu folgen, ist für den in einem Opernhaus zu erwartenden Besucher die weit grössere Herausforderung als die unangenehme Botschaft des Werkes zu akzeptieren.

Es ist das grosse Verdienst des Regisseurs Tobias Kratzer (Intendant der Staatsoper Hamburg) mit viel Sensibilität für die beiden Künstlerinnen und deren «gemeinsame Vergangenheit» die Entstehung des Werkes bis hin zur Uraufführung möglich gemacht und das Vertrauen Neuwirths und Jelineks in die Opernwelt wiederhergestellt zu haben. Kratzer ist nicht nur deshalb die ideale Person dieses Werk und damit die Verarbeitung der Enttäuschungen als Frau und Künstlerinnen wie die Warnung vor der Macht auf die Bühne zu bringen. Ihm und seinen Mitarbeitenden (Co-Regie und Szenische Einstudierung: Matthias Piro; Szenische Einstudierung: Johanna Schulz-Bongert) gelingt es, diese von Trash, Splatter, Anime, Manga, Comic und Film inspirierte Ballung an Kreativität bühnengerecht aufzubereiten. Rainer Sellmaier hat die ausgesprochen farben- und detailreiche Ausstattung besorgt: von der goldenen Toilette des König-Präsidenten über den Kühlschrank mit seinem geliebten Erfrischungsgetränk bis hin zu den Fastfood-Bergen, Cheerleader-Tänzerinnen, den aus des Königs Fernsehserie entlehnten Buzzers um Ungeliebtes feuern zu können und den in Farben Venezuelas gehaltenen Teppich seines ovalen Büros. Es dürfte als gesichert gelten, dass der Vorhang in Hamburg schon violett war. Janic Bebi und Jonas Dahl (Video), Michael Bauer (Lichtgestaltung), Markus Noisternig (Live-Elektronik) und Julien Aléonard (Klangregie und Tonmeister) sind für die technischen Belange des Abends zuständig

Das Orchester der Oper Zürich (Drumkit: Lucas Niggli; E-Gitarre: Seth Josel) unter Leitung von Titus Engel leistet vor seiner anstehenden Tournee (https://www.opernhaus.ch/orchester-der-oper-zuerich/europatournee-2026/) während des Barock-Festivals am eigenen Haus (https://www.opernhaus.ch/spielplan/zuerich-barock/) Grosses: es bewältigt die auch klanglich ausgesprochen vielfältige Partitur bestens disponiert.

Die beiden Vampirinnen sind doppelt besetzt: Vampi wird von Sarah Defrise gesungen und Sylvie Rohrer gesprochen, Bampi von Kristina Stanek gesungen und Ruth Rosenfeld gesprochen. Der König-Präsident von Georg Nigl ist eine szenische wie sängerische Glanzleistung. Die beiden Counter-Tenöre Andrew Watts und Eric Jurenas geben des Königs Adlaten Mickey und Tuckey. Elektronisch am stärksten bearbeitet ist die Echse Gorgonzilla, gesprochen von Anna Clementi. Als Bär komplettiert Ruben Drole das vom Statistenverein am Opernhaus Zürich eindrucksvoll verstärkte Ensemble.

Ein Abend, der im Gedächtnis bleibt.

Weitere Aufführungen:

Sa. 14. März 2026, 19.00; Mi. 18. März 2026, 19.00; Fr. 10. April 2026, 19.00; So. 12. April 2026, 20.00

09.03.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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