Giacomo Puccini: Madama Butterfly • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 03.01.2026
(2. Vorstellung • Wiederaufnahme 30.12.2025 • Premiere am 10.12.2017)
Von einfachen Evangelien und den Blumen aller Gegenden
Der positive Eindruck der Wiederaufnahme bestätigt sich auf einem anderen Sitzplatz vorbehaltlos. Ted Huffmans Inszenierung besticht in ihrer visuellen Schlichte.

Gedenken an die Opfer von Crans-Montana; Foto © JKK.
Die visuelle Schlichtheit von Ted Huffmans Inszenierung verstärkt die Emotionalität der Umsetzung umso mehr. Die Musik und die Emotionen können uneingeschränkt wirken. Und die Solisten und das Orchester der Oper Zürich wissen die Chance zu nutzen. Evan Rogister (musikalische Leitung) wählt stimmige Tempi und Lautstärken. Das Orchester der Oper Zürich bringt Puccinis Meisterwerk so eindrucksvoll zu Gehör, so dass sich eigentlich niemand der Kraft dieser Musik und ihren Emotionen entziehen kann.
Elena Guseva reisst als Cio-Cio-San das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Die Stimme strömt wunderbar rund, voll und frei und erreicht jeden Winkel des Hauses. Die Intensität der Suizid-Szene lässt den Atem stocken. Siena Licht Miller findet mit solidem Mezzosopran immer besser in die Rolle von Cio-Cio-Sans Dienerin Suzuki. Stefan Pop findet als Benjamin Franklin Pinkerton das ideale Gleichgewicht zwischen dem offenbar in der neuen Welt in der Gegenwart immer noch gültigen «einfachen Evangelium» («facile vangelo») von Geschäften und Frauen («Den Blumen aller Gegenden»/«I fiori d’ogni pianto») im ersten Akt und empfindender Teilnahme am Schluss des zweiten Akts. Ob er das Geschehene wirklich verstanden hat, bleibt fraglich: «Fuggo! Fuggo! Son vil!»/«Ich fliehe, ich fliehe: Ich bin ein Feigling!». Die Warnung des Konsuls Sharpless («E se a voi sembran sced il patto e la sua fede… Badate! Ella vi crede!»/«Und wenn sie glauben, der Vertrag und ihre Treue seien ein Scherz… Geben Sie acht! Sie glaubt Ihnen») hat er nicht begriffen. Davide Luciano gibt mit gut tragendem, herrlich kernigem Bariton einen (im positiven Sinne) erschreckend glaubwürdigen Sharpless, der einerseits die Situation richtig erkennt, aber als Konsul nicht das Format hat dem Offizier gegenüberzutreten. Martin Zysset überzeugt als gerade angesichts seiner Diskretion brandgefährlicher Heiratsvermittler Goro. Stanislav Vorobyov als Onkel Bonze, Steffan Lloyd Owen als Fürst Yamadori und Standesbeamte, Lobel Barun als kaiserlicher Kommissar und Flavia Stricker als Kate Pinkerton ergänzen das Ensemble auf höchstem Niveau.
Auch an diesem Abend kommt alles zusammen.
Weitere Aufführungen: Fr. 09. Jan. 2026, 20.00; So. 11. Jan. 2026, 19.00; Di. 13. Jan. 2026, 19.00; Fr 16. Jan. 2026, 19.00.
04.01.2026, Jan Krobot/Zürich

