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ZÜRICH/ Opernhaus: MADAMA BUTTERFLY von Giacomo Puccini. Wiederaufnahme

31.12.2025 | Oper international

Giacomo Puccini: Madama Butterfly • Opernhaus Zürich • Wiederaufnahme 30.12.2025

(Premiere am 10.12.2017)

Es gibt sie noch…

Es gibt sie noch. Die Abende, die das Publikum «vom Hocker reissen».

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Foto © Toni Suter

Der Ausgangspunkt für die Inszenierung Ted Huffmans, der seine Opern‐Karriere mit Knabenrollen an der New Yorker Metropolitan Opera begonnen und erste szenische Erfahrungen in der freien Theater-Szene New Yorks gemacht hat, ist der leere Raum der Bühne. Dieser Raum wird mit nur wenigen Versatzstücken (ein Schrank, eine Esstisch mit Stühlen, ein Sofa, eine offene Feuerstelle zum Tee kochen; Bühnenbild: Michael Levine) gefüllt. So versinnbildlicht Huffman die Kolonialisierung Japans durch die USA auf der Bühne, denn es ist ja das Haus in Nagasaki, das der Heiratsvermittler Goro für Pinkerton und Butterfly angemietet hat, und nun nach Pinkertons Geschmack (Vertreter der kolonialisierenden Kultur) eingerichtet wird: die Ereignisse werden also aus der Sicht Butterflys (als Vertreterin der kolonialisierten Kultur) geschildert. Ihre Welt kommt nur noch in den Kostümen (Annemarie Woods) und angedeutet in den Bewegungen (Choreografische Mitarbeit: Sonoko Kamimura) zum Ausdruck. Mit dieser Reduktion der Mittel und der sich daraus ergebenden Abstraktion erreicht Huffman eine Verfremdung, die die Figuren in den Mittelpunkt stellt und dem Zuschauer die Konzentration auf die Emotionen ermöglicht. Für Sänger mit intensiver Bühnenpräsenz bietet diese Inszenierung also beste Voraussetzungen.

Elena Guseva gibt die Madama Butterfly (Cio-Cio-San) mit perfekt fokussiertem, vollem, runden Sopran und überzeugt mit intensivem Spiel. Ihre Butterfly ist in jedem Moment glaubwürdig und begeistert mit einer zutiefst intensiven «Sterbeszene». Beim Vorhang danach «steht das Parkett». Siena Licht Miller gibt mit solidem Mezzosopran Cio-Cio-Sans Dienerin Suzuki eher diskret. Stefan Pop triumphiert in der Rolle des Benjamin Franklin Pinkerton mit herrlich kraftvollem, differenziert eingesetztem Tenor. Mit wunderbarem Schmelz in der Stimme findet er das ideale Gleichgewicht zwischen Kraft, dem «Sexualimperialismus» des amerikanischen Offiziers, und Sentiment, der momentanen Verliebtheit des Mannes in das junge Mädchen. Davide Luciano gibt bei seinem Haus-Debut mit kernig-kraftvollem Bariton einen Sharpless, der für die Welt Suzukis wesentlich mehr Verständnis aufbringt als der Offizier. Trotz seines Amtes ist er der Selbstsicherheit des Offiziers nicht gewachsen, und kann auch Butterfly nicht vor dem Verderben, dem Glauben an eine «richtige» Heirat mit Pinkerton, bewahren. Martin Zysset, eine Stütze des Zürcher Ensembles, gibt mit perfekt fokussiertem Tenor einen aalglatten Goro, der die Verwestlichung für sich schon absolviert hat und ganz und gar in der «kapitalistischen» Welt angekommen ist. Stanislav Vorobyov stört als Onkel Bonze eindrucksvoll die Feierlichkeiten zu Butterflys Hochzeit, die von Lobel Barun als kaiserlichem Kommissar und Steffan Lloyd Owen als Standesbeamten stimmlich tadellos und szenisch souverän umgesetzt wird. In der Rolle des Fürsten Yamadori hat Lloyd Owen bei Butterfly keine Chance. Flavia Stricker gibt in ihrem kurzen Auftritt die Kate Pinkerton. Mit prächtigem Klang absolviert der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger) seine Auftritte.

Evan Rogister (Musikalische Leitung) zeigt sich mit intensiver, emotional deutlicher Schlagtechnik als sensibler Gestalter und führt das Orchester der Oper Zürich zu traumhaft schönem und klanglich höchst intensivem Spiel.

An diesem Abend kommt alles zusammen.

Weitere Aufführungen: Sa 03. Jan. 2026, 19.00; Fr 09. Jan. 2026, 20.00; So 11. Jan. 2026, 19.00; Di 13. Jan. 2026, 19.00;

Fr 16. Jan. 2026, 19.00.

01.01.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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