Gioacchino Rossini: L’italiana in Algeri • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 02.01.2024
(2. Vorstellung • Wiederaufnahme am 31.12.2023 • Premiere am 06.03.2022)
Eine Produktion der Salzburger Festspiele
Ein Abend weit jenseits des Courant normal
Das neue Jahr beginnt am Opernhaus Zürich mit Rossini. Besser könnte es kaum beginnen.

Foto © Monika Rittershaus
Die Inszenierung von Moshe Leiser und Patrice Caurier überzeugt, wie von diesen beiden Künstlern gewohnt, nach wie vor durch ihre sorgfältige Arbeit, grosse Musikalität und beeindruckenden Ideenreichtum. Leiser und Caurier gelingt, was gerade bei komischen Oper so schwierig ist: sie gleiten nie ins Banale, Schenkelklopfende ab. An diesem Abend ist die Inszenierung (Bühnenbild: Christian Fenouillat; Kostüme: Agostino Cavalca) Basis für eine echte Belcanto-Buffa: die Solisten der vier Hauptpartien improvisieren in diesem Umfeld der Tradition entsprechend und bescheren dem Publikum im fast ausverkauften Haus einen Abend, der durch die souveränen Solisten lange in Erinnerung bleiben wird
Cecilia Bartoli ist als Isabella immer noch ein Ereignis, gerade am Opernhaus Zürich, wo die Sängerin seit über 30 Jahren regelmässig auftritt. Die Läufe sind rasant wie eh und je, die Koloraturen atemberaubend, wie man es von ihr kennt. Über die Jahre ist die Mittellage dünner geworden: wirklich wahrnehmbar ist sie nur noch in der Kavatine «Per lui che adoro» („Ihn zu beglücken“). Die kristallklaren Höhen funktionieren tadellos, die voluminösen Tiefen gehen bis in die Regionen des Alt. Pietro Spagnoli übernimmt die Rolle des Mustafà und ist für die Aufführung mit seiner szenischen Präsenz und seinem intensiven Spiel ein ganz enormer, nicht zu unterschätzender Gewinn für die Produktion und lässt den ursprünglich vorgesehenen Sänger problemlos vergessen. Sein herrlicher Bariton ist souverän geführt und ermöglicht ihm das völlig freie Spiel. Edgardo Rocha ist einer der führenden Lindoros der Gegenwart. Die Stimme sitzt perfekt, die Höhen kommen strahlend kraftvoll und bombensicher und der Atem scheint keine Grenzen zu kennen. Auch seine Interpretation der Rolle ist so souverän, dass er frei improvisieren kann. Der Dritte, der diesen Abend zum Ereignis macht, ist
Nicola Alaimo als Taddeo. Von der Maske in einer Meisterleistung zu einem Bilder-Buch-Touristen geschminkt, erweist er sich als Komödiant allererster Güte mit einem grossen, stilistisch immer perfekt eingesetzten Bariton. Diese vier Sänger verkörpern ihre Rollen so souverän, dass sie ihm Rahmen des Möglichen frei improvisieren und den Abend weit über den Courant normal herausheben. Rebeca Olvera gibt mit leicht dunkler gewordener Stimme eine grundsympathische Elvira. Ilya Altukhov als Haly und Siena Licht Miller als Zulma.
Das Orchestra La Scintilla spielt unter der musikalischen Leitung von Gianluca Capuano einen perlend frischen Rossini. Der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger) geniesst seinen Auftritt als italienische Fussballmannschaft (Halys Sklaven).
Ein Abend weit jenseits des Courant normal!
Weitere Aufführungen: Do. 04. Jan. 2024, 19.00; Sa. 06. Jan. 2024, 19.30; Di. 09. Jan. 2024, 20.00.
03.01.2024, Jan Krobot/Zürich

