Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro • Opernhaus Zürich • Vorstellungen: 01.02.2026 und 10.02.2026
(3. und 6. Vorstellung • Premiere am 19.06.2022)
Mozart zum Geniessen!

Foto © Herwig Prammer
Jan Philipp Glogers sorgfältige, handwerklich rundum überzeugende Inszenierung funktioniert weiterhin tadellos und das Bühnenbild Ben Baurs bietet immer wieder neue Details zu entdecken. [Für weitere Information möge der geneigte Leser frühere Kritiken konsultieren.]
Unter der musikalischen Leitung des Fagottisten und Dirigenten Pierre Dumoussaud läuft das Orchester der Oper Zürich zu grosser Form auf. Aus dem hochgefahrenen Graben wirkt der wunderbar süffige Klang herrlich lebendig und unmittelbar. Unter dem Stab des designierten Musikdirektors des Opéra Orchestre Normandie Rouen bleibt der Klang immer durchhörbar und die einzelnen Instrumentengruppen unterscheidbar. An beiden Abenden stechen die Holzbläser und da die Oboen besonders hervor. Im Continuo glänzen Enrico Maria Cacciari am Hammerklavier und Claudius Herrmann am Solocello. Der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger) überzeugt mit homogenem Wohlklang und integriert sich mit grosser Spielfreude in Glogers Inszenierung.
Stéphane Degout gibt den Conte di Almaviva mit kräftigem, kernig-markantem Bariton und nobler Bühnenpräsenz. Jeanine De Bique kann als Contessa di Almaviva den positiven Eindruck der Wiederaufnahme leider nicht ganz bestätigen. Die Bühnenpräsenz hat an Intensivität etwas abgenommen und der an sich runde, vollen, voluminöse Sopran scheint etwas an Fundament verloren zu haben und neigt zu Schärfen. Andrew Moore als Figaro «rockt den Abend»: er hat Regiekonzept bis ins letzte Detail verinnerlicht hat und agiert mit überragender Bühnenpräsenz. Sein perfekt fokussierter Bass-Bariton strömt herrlich frei und lässt keine Wünsche offen. Sandra Hamaoui hat als quirlige Susanna enorm zu gelegt. Ihr klarer, höhensicherer Sopran hat an Volumen und Glanz zugelegt und gibt ihr auf der Bühne die Souveränität, die sie zur glaubwürdigen Strippenzieherin werden lässt. Ema Nikolovska scheint als Cherubino in der Inszenierung angekommen und hat eine gute Bühnenpräsenz entwickelt. Die gut fokussierte, höhensichere und wohlklingende Stimme hat nun an Mezzofarben gewonnen. Das Problem, das aber keinesfalls der Performance der Sängerin zuzuschreiben ist, ist, dass die für einen Mezzosopran recht hoch gelagerte Stimme jene der Susanna zu ähnlich ist. Liliana Nikiteanu als Marcellina und Miklós Sebestyén als Bartolo über zeugen mit tadellos geführten Stimmen als trotz ihrer Intrige sympathisches Ehepaar, wie es in jeder Familie vorkommen könnte. Nathan Haller gibt den Basilio klar fokussiertem, strahlendem Tenor. Martin Zysset, Stütze des Zürcher Ensembles, kann mit dem Don Curzio sein komisches Talent voll ausspielen. Marie Lombard als Barbarina, Max Bell als Antonio, Hélène Couture und Rosa Maria Hernandez als zwei Frauen und Yanick Wyler und Eugenia Parrilla als Tango-Tanzpaar ergänzen prächtig das Ensemble.
Mozart zum Geniessen!
Weitere Aufführung: Sa. 14. Feb. 2026, 19.00.
11.02.2026, Jan Krobot/Zürich

