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ZÜRICH/Opernhaus: LA SONNAMBULA. Konzertante Premiere

Pretty Yende trotz Erkältung eine überragende Amina

06.05.2019 | Oper


Pretty Yende. Foto: T+T-Fotografie/ Toni Suter

Zürich: LA SONNAMBULA  – Konzertante Aufführung (Premiere 5.5.2019)

Pretty Yende trotz Erkältung eine überragende Amina

Als Intendant Andreas Homoki vor Beginn auf das Konzertpodium trat, erklärte er, dass Pretty Yende erkältet sei, aber heute Abend trotzdem singen werde. Das tat sie denn auch, fing vorsichtig an und konnte sich dann im Laufe des Abends immer mehr freisingen. In Finale des ersten Aktes konnte sie schon die erwarteten hohen Töne wagen. Im zweiten Akt war sie „gut eingesungen“ und konnte so richtig loslegen. Und diese sympathische und aparte Sängerin, die sich natürlich und charmant gibt, wurde ihrem Ruf, der ihr vorausgeeilt war, bestens gerecht. Man fragte sich, wie singt die dann, wenn sie ganz gesund ist? Aber haben wir das nicht schon öfters erlebt, dass als indisponiert angesagte Sängerinnen und Sänger gerade dann wunderschön sangen. So war bei Pretty Yende zwar immer ein leichter Schleier über der Stimme, aber dies störte gerade bei der Sonnambula nicht, da sie im wahrsten Sinn eine Träumerin ist. Und vor allem verfügt die Sängerin über ein Timbre, das sie aus den andern, sogenannten „durchschnittlichen“ Stimm-Timbres sofort hervorstechen lässt. Dazu kommt ihre Jugend, die der Charakterisierung der Amina sehr entgegen kommt. Die Stimme klingt wunderbar durchgebildet, hat keine Registerbrüche und kann sich bis zum hohen e‘ und f‘ emporschwingen. Dazu kann sie wirklich Legato singen, weiss zu phrasieren, den fil-di-voce mit erstaunlich sicherer Atemführung zu spinnen. Die Standing Ovations waren mehr als verdient!


Kyle Ketelsen, Sen Guo. Foto: T+T-Fotografie/ Toni Suter

Als Elvino hörten wir den topsicheren Lawrence Brownlee, der sich auf Mezzoforte- bis Forte-Lautstärke verliess und somit aus dem lyrischen Charakter des Elvino fast einen kleinen Otello, vor allem in der Eifersuchts-Szene, machte. Schön, wenn ein Sänger, sprich Tenor, derart sicher seine hohen Töne produziert, aber gerade bei Bellini dürfte durchaus mehr Lyrismus angebracht sein. Als Conte hörten wir Kyle Ketelsen, der über ein gesundes Bass-Material verfügt und ohne Mätzchen seine Partie sang. Es war eine Freude, wieder einmal eine genuine Bass-Stimme zu hören! Liliana Nikiteanu war die Mamma und wie immer, obwohl auch sie stimmlich durch eine plötzlich auftretende Heiserkeit etwas eingeschränkt war, gut bei der Sache. Als Aminas Gegenspielerin zeigte Sen Guo einmal mehr, dass mit ihr nach wie vor als perfekte Koloratur-Sängerin und launige Darstellerin, hier als kapriziöse Lisa, zu rechnen ist. Es ergänzten wohlklingend Ildo Song als Alessio und Omer Kobiljak als Notar.

Leider klangen der Chor (Einstudierung: Ernst Raffelsberger) und die Philharmonia, animiert durch das grobschlächtige Dirigat von Maurizio Benini, eher pauschal und wenig differenziert. Da hätte man auch einen Lawrence Brownlee durch ein einfühlsameres Dirigat zu mehr Lyrismen verführen können. Aber leider, es war – fast – alles viel zu laut und grob. Schade, denn die Sängerschar war vorzüglich!

John H. Mueller       

 

 

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