Gioacchino Rossini: La scala di seta • Opernhaus Zürich • Wiederaufnahme: 25.09.2025
Produktion des Rossini Opera Festival Pesaro (Premiere am 12.08.2011)
(Premiere im Theater Winterthur am 07.09.2011)
Beste Unterhaltung mit herrlich spritzigem Rossini
Gleich mit zwei Produktionen («La scala di seta» und «Tosca»), die noch unter seinem (in der Eröffnungspremiere des Rosenkavaliers anwesenden) Vorvorgänger ihre Premiere hatten, startet der neue Intendant Matthias Schulz sein Amt im italienischen Fach. Möge das italienische Fach wieder die ihm gebührende Pflege erfahren!

Foto © Herwig Prammer
Damiano Michieletto (Inszenierung) holt mit seiner Inszenierung die Handlung in die Gegenwart und lässt sie in einer Wohnung spielen. Durch den bühnenbreiten Spiegel als geneigte Rückwand wird der auf dem Boden aufgezeichnete Grundriss als solcher erkennbar und die Inszenierung lässt sich aus zwei Perspektiven verfolgen. Die Personen sind geführt und passend zu Rossinis spritziger Musik immer aktiv. Paolo Fantin (Ausstattung) hat die Wohnung mit Möbeln ausgestattet, die sich in jeder Wohnung finden könnten, und die Solisten so eingekleidet, dass sie einem jederzeit auf der Strasse oder im Tram begegnen könnten. So gelingt es Michieletto und Fantin Rossinis frühe Farsa zugänglich zu machen und die genremässig schematischen Typen mit unerwarteter Frische auszustatten. Elfried Roller setzt das rasante Geschehen ins beste Licht.
Im hochgefahrenen Orchestergraben spielt das Orchester der Oper Zürich unter musikalischer Leitung von Leonardo Sini einen schlicht perfekten Rossini und bestätigt nach dem deutschen («Der Rosenkavalier») und französischen Fach («Manon») eindrucksvoll seine traditionelle Expertise im italienischen Fach. Die einzelnen Instrumente gelangen in den solistischen Passagen mit virtuosem Spiel perfekt zur Geltung, der Gesamtklang ist satt und wunderbar farbenreich. Sini gelingt es wunderbar, Rossinis berühmte Crescendi verführerisch-mitreissend zur Geltung zu bringen.
Olga Peretyatko gibt die Giulia mit rundem, vollem Sopran, der in der Hitze des Gefechts im Laufe des Abends zu Schärfen neigt. Siena Licht Miller ist mit tadellos geführtem Mezzo eine verlässliche Lucilla. Levy Sekgapane gibt mit perfekt fokussiertem, strakendem Tenore di grazia einen rundum überzeugenden Dorvil. So muss ein Rossini-Tenor klingen, diese Bühnenpräsenz muss er haben! Enrico Marabelli ist ein Komiker ersten Ranges und gibt einen herrlich kauzigen Germano. Nahuel Di Pierro leiht dem Blansac seinen schlank geführten Bariton und zeigt ebenfalls gute Bühnenpräsenz. Martin Zysset, eine der grossen Stützen des Zürcher Ensembles, ist als versierter Charakterdarsteller mit dem Dormont voll in seinem Element.
Beste Unterhaltung mit herrlich spritzigem Rossini!
Weitere Aufführungen: So. 28. Sept. 2025, 14.00; So. 19. Okt. 2025, 14.00; Fr. 24. Okt. 2025, 19.00.
25.09.2024, Jan Krobot/Zürich

