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ZÜRICH/ Opernhaus: LA RONDINE von Giacomo Puccini – Raritätenerfolg mit Bernheim und Jaho

28.09.2026 | Oper international

ZÜRICH/Opernhaus: LA RONDINE von Giacomo Puccini – Raritätenerfolg mit Bernheim und Jaho. 27.9.2026

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Gatell, Bernheim, Hamaoui, Armiliato. Foto: Lukas Link

Puccinis selten gespielte Oper LA RONDINE wurde ursprünglich als Auftragswerk für das Wiener Carltheater komponiert. Es ist jedoch ein Irrglaube, zu meinen, Puccini hätte die Absicht gehabt eine Operette zu schreiben. „Eine Operette, das kommt für mich nicht in Frage!“ soll Puccini seinerzeit geäußert haben. Und eine Operette ist somit auch nicht aus „Die Schwalbe“ geworden, deren Libretto von Alfred Maria Willner und Heinz Reichert verfasst wurde, die auch schon für Johann Strauss, Franz Lehar oder Leo Fall getextet haben.

Puccini erkannte zudem, dass die große Zeit der Operette sich ohnehin ihrem Ende zugewandt hat. So wurde aus LA RONDINE eben keine Operette, sondern durch und durch eine lyrische Oper. Aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs und des damit verbundenen Niedergangs sowohl der Monarchie als auch der Wiener Operettenseligkeit kam es nicht mehr zu einer Weltpremiere in Wien. Die Uraufführung erfolgte stattdessen 1917 in Monte Carlo. Dass das Werk allerdings bis heute nicht seinen Weg auf den Spielplan der Wiener Staatsoper gefunden hat, ist bedauerlich und eigentlich schon beschämend. Auch an der Oper in Zürich dauerte es 106 Jahre und bis 2023 bis die Puccini-Oper dort ihre Erstaufführung erlebte und ein Triumph in jeder Hinsicht wurde. Nun kam es zur ersten Wiederaufnahme und dabei griff Zürich auf seine phänomenale Premierenbesetzung mit Ermonela Jaho und Benjamin Bernheim zurück.

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Bernheim, Hamaoui. Foto: Lukas Link

LA RONDINE handelt von Magda, die von einem reichen Liebhaber finanziert wird und ein Leben führen kann, von dem viele nur träumen können. Glücklich ist sie nicht, denn ihr Leben ist langweilig geworden. Sie denkt an glücklichere Zeiten zurück als sie als junges Mädchen eine Liebesgeschichte mit einem Studenten erlebte. Sie sehnt sich nach dieser Zeit zurück. Sie sehnt sich nach der großen Liebe. Und plötzlich steht der junge Ruggero, der Sohn eines Geschäftspartners ihres reichen Liebhabers, vor ihr. Es trifft sie beide wie ein Blitz und eine große Liebe nimmt ihren Anfang, eine Liebe die sie beide im finalen Akt in ein gemeinsames Domizil nach Nizza führt. Doch aus den Heiratsplänen die der schwärmerische Ruggero dort schmiedet kann nichts werden, nachdem die mit sich kämpfende Magda Ruggero gestehen muss, sich Männern verkauft zu haben und sie von Ruggeros Familie niemals als standesgemäß betrachtet werden würde.

Die Inszenierung von Christof Loy ist äußerst geschmackvoll. Von der Kaiserzeit verlegte der Regisseur die Geschichte in die 1950er-Jahre – eine Zeit die Loy als passenden Rahmen betrachtet, in der ein junger unerfahrener Mann auf eine Frau mit großer erotischer Erfahrung trifft. Feinfühlig und detailliert lässt Loy die Charaktere in ästhetischen Bühnenbildern agieren. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine gekonnte Personenregie aus, jeder Blick und jede Regung ist durchdacht und findet in der Musik ihr Pendant.

Puccinis Musik für LA RONDINE weist sich durch eine geradezu schwebende Tonalität aus und offenbart eine Instrumentation die immer wieder an Debussy oder auch an Richard Strauss erinnert.

Der Komponist hat sich weitgehend vom typischen Arien- und Duettkonstrukt losgelöst und neigt zu einer stark durchkomponierten Form. Dennoch hat Puccini dem Hauptpaar melodien- und substanzreiche Solostellen komponiert und vor allem das dramatische Schlussduett ist packend und leidenschaftlich wie man es vom Komponisten eben kennt. Puccini at his best.

Marco Armiliato badet förmlich in der klangreichen Partitur und setzt zusammen mit der Philharmonia Zürich starke Akzente. Was dabei herauskommt ist einerseits feinsinnig und fragil, dann wieder reichhaltig und luxuriös, und bietet die ganze Bandbreite des Puccini-Kosmos.

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Bernheim, Jaho. Foto: Lukas Link

Der Sopran von Ermonela Jaho ist eher von herbem Klang, wenngleich die albanische Sängerin es versteht ihre Stimme im Piano berückend zurückzunehmen und auszuformen. Davon zeugt gleich zu Beginn der Aufführung die bekannteste Nummer der Oper – Chi il bel sogno di Doretta. Jaho lässt Töne an- und abschwellen und in den dramatischen Momenten lässt sie ihrem Sopran leidenschaftlichen Lauf.

Von besonderer Ausdruckskraft ist auch ihr eindringlich vorgetragener Monolog im ersten Akt, als Magda über längst vergangene Tage sinniert. Da werden Parallelen zum Rosenkavalier erkennbar.

Benjamin Bernheim verleiht dem Ruggero seine prächtige Tenorstimme. Seine herausragenden stimmlichen Qualitäten kann der französische Startenor nicht nur in seinen betörenden Solomomenten, sondern auch in den dramatischen Ausbrüchen des letzten Bildes zu Gehör bringen, in welchen Bernheim auch schon ganz schön Metall in der Stimme vorweisen kann. Der dritte Akt wird in dieser Produktion gleich zu Beginn mit dem Puccini-Lied Morire erweitert, welches der Komponist in einer zweiten Rondine-Fassung übrigens in den ersten Akt verfrachtet hat. So hat Bernheim zum einen eine weitere Gelegenheit sein traumhaft schönes Timbre herauszustellen, zudem macht das Lied mit seiner Nachdenklichkeit an diesem Punkt durchaus viel Sinn. Als Figur zeichnet Bernheim eine deutliche Entwicklung nach. Während Ruggero in den ersten beiden Akten noch viel an Unerfahrenheit demonstriert (wie herrlich süß verlegen er auf die Avancen der anwesenden und an ihm interessierten Damen reagiert), ist er zum Finale hin ein deutlich gereifter junger Mann, der letztendlich schweren Herzens erkennen muss, warum seine Beziehung mit Magda in dieser Welt keine Zukunft haben kann.

Vladimir Stoyanov hat in der kleinen Rolle des Rambaldo nicht viel zu tun, und ist in jeder Hinsicht farblos. So sehr, dass man unweigerlich zur Erkenntnis kommen muss, dass es ausschließlich nur das Geld sein kann, das Magda an diesem Mann interessiert.

Als Buffo-Paar und Gegenstück zum dramatischen Protagonistenpaar treten Lisette, das Hausmädchen Magdas, und der sie umwerbende Dichter Prunier, in Erscheinung. Sandra Hamaoui gibt die quirlige Lisette mit charmantem Sopran voller Verspieltheit, eine Art Adele wie man sie aus der Fledermaus kennt. Der Prunier des Juan Francisco Gatell erklingt mit etwas abgedunkeltem Tenortimbre, die Stellen im Parlando meistert er vorzüglich. Wenn man so will könnte man in diesen beiden Figuren durchaus ein Überbleibsel aus dem Konstrukt der Operette erkennen.

Doch wenn Magda, Ruggero, Lisette und Prunier gemeinsam mit dem restlichen Ensemble Bevo al tuo fresco sorriso singen, wird einem bewusst, dass kein Operettenkomponist der Welt eine so gewaltige opernhafte Nummer hätte komponieren können. Das ist Oper und Puccini vom Feinsten. Nach dieser Szene gibt es heftigen Applaus und Bravo-Rufe vom Zürcher Publikum.

Auch das restliche und umfangreiche Ensemble dieser Oper trägt zum großen Erfolg der Aufführung bei.

Großer Jubel zum Ausklang der Vorstellung.

Und als am Ende der Geschichte Ruggero am Boden zerstört von dannen zieht und Magda schließlich alleine auf der Bühne steht, lässt sie einen großen Seufzer hören. Was bedeutet dieser? Erleichterung? Sicher nicht. Verbitterung? Schon eher. Traurigkeit? Bestimmt. Verzweiflung? Ganz sicher.

 

Lukas Link

 

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