Giacomo Puccini: La rondine • Opernhaus Zürich • Dernière: 15.10.2026
(5. Vorstellung • Wiederaufnahme am 24.09.2026 • Premiere am 17.09.2023)
Eine zutiefst berührende, emotionale Achterbahnfahrt
Die Schwalbe hat in Zürich ausgeflattert. Nun darf sich das Opernpublikum einer europäischen Kapitale auf die Landung dieser Schwalbe freuen.

Foto © Monika Rittershaus
Christof Loys Inszenierung überzeugt auch bei der Dernière mit sorgfältiger, gefühlvoller Personenführung und grosser szenischer Diskretion. Puccinis Partituren im Allgemeinen und die von «La rondine» im Besonderen, haben eine solche Wirkungskraft, dass sie eigentlich schon für sich allein sprechen. Und wenn, wie in Zürich, ein absolutes Weltklasse-Ensemble auf der Bühne steht, wird der Abend zur zutiefst berührenden, emotionalen Achterbahnfahrt. Étienne Pluss (Bühnenbild) hat einen Einheitsbühnenraum, der mit wenigen, höchst ästhetischen Versatzstücken zur Wohnung in Paris, dem Café Bullier oder dem Hotel in der Nähe von Nizza wird, geschaffen, der, wie die prächtigen, eleganten Kostüme von Barbara Drosihn, auf die Entstehungszeit der «Commedia lirica» verweist. Einmal mehr ist zu erleben, wieviel eine stimmungsvolle Lichtgestaltung (Fabrice Kébour) zum Musiktheater beitragen kann. Thomas Wilhelm choreographiert den Auftritt der Tänzer (Dario Rigaglia, Roberto Tallarigo, Giusy Fanaro, Marta Allocco, Pietro Cono Genova, Sina Friedli) im zweiten Akt.
Alle Beteiligten sind an diesem Abend mit grosser Begeisterung und Leidenschaft am Werk. So, wie man ihn kennt, holt Marco Armiliato (musikalische Leitung) als Klangmagier das Äusserste aus dem Orchester der Oper Zürich heraus. Mit brennend intensivem Klang bereitet das Orchester den Solisten, die von Armiliato auf Händen einen Klangteppich, der seinesgleichen sucht. Der Chor der Oper Zürich (Choreinstudierung: Alice Lapasin Zorzit) überzeugt mit grosser Spielfreude und sattem, homogenem Klang.
Ermonela Jaho zeigt einmal mehr, dass sie gegenwärtig die ideale Interpretin der Magda ist. (Am 30. Oktober erscheint beim Label Opera Rara die Doppel-CD von Puccinis «La rondine» in der Fassung von 1921 mit Jaho; das exklusive Recording Launch Event findet am 29.10. komplett online als weltweiter Live-Stream auf dem YouTube-Kanal von Opera Rara statt). Jaho gibt die Partie mit wunderbar aufblühender, höhensicherer Stimme und bewegendem, höchst leidenschaftlichem Spiel, für das sie vom ausverkauften Haus frenetisch gefeiert wird. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere kann Benjamin Bernheim als Ruggero mit überragender Bühnenpräsenz alle Vorzüge seines strahlenden, kernigen Tenors ausspielen: es gelingen ihm eindrückliche, intensive Momente im Piano und Pianissimo. Sandra Hamaoui gibt mit hellem, gut ansprechendem Sopran eine quirlige Lisette. Juan Francisco Gatell (ebenfalls bei der erscheinenden Opera Rara-Aufnahme dabei) überzeugt als Dichter Prunier mit bruchlos geführtem, kräftigem Tenor und guter Bühnenpräsenz. Vladimir Stoyanov ist mit prächtigem Bariton ein diskret präsenter Rambaldo Guram Margvelashvili als Périchaud, Tautvydas Slizauskas als Gobin/un giovane/Adolfo, Mikayel Sargsyan als Crébillon, Thalia Cook-Hansen als Yvette/Georgette, Natália Tuznik als Bianca/Gabriella, Cashlin Oostindië als Suzy/Lolette, Valeriy Murga als Butler, Bowen Ding als Rabonnier, Sylwia Salamońska-Bączyk als Kellnerin und Sandro Howald als Kellner ergänzen das phänomenale Ensemble.
Eine zutiefst berührende, emotionale Achterbahnfahrt.
Keine weiteren Aufführungen in Zürich.
16.10.2026, Jan Krobot/Zürich

